Ostholstein: Preise für Häuser und Wohnungen steigen auch in 2021
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Ostholstein Ostholstein: Wer kann sich ein Eigenheim überhaupt noch leisten?
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Ostholstein: Preise für Häuser und Wohnungen steigen auch in 2021

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17:45 10.03.2021
Das Neubaugebiet in Gleschendorf.
Das Neubaugebiet in Gleschendorf. Quelle: Beke Zill
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„Es gibt nur noch zwei Käufergruppen: Auswärtige mit viel bis sehr viel Eigenkapital bis hin zu Barzahlern – insbesondere ältere Herrschaften – sowie junge Käufer, die noch eine hohe Restlebenserwartung und ein bombenfestes Einkommen haben“, sagt der Neustädter Makler Jan-Pieter Frick. Zugleich seien die Preise für Häuser seit 2019 um acht und die für Wohnungen um etwa fünf Prozent gestiegen. Viele Ostholsteiner fragen sich, ob sie überhaupt jemals ein Eigenheim werden besitzen können, und die Verbraucherzentrale gibt Tipps.

Das Eigenkapital muss stimmen

Den Immobilienmarkt im Blick haben die Mitarbeiter von Möllerherm Immobilien mit Sitz in Scharbeutz. Maklerin Annegret Möllerherm sagt: „Leisten kann man sich das immer noch. Man sollte aber so früh wie möglich, und zwar schon in jungen Jahren, seine erste Immobilie kaufen. Das muss nicht gleich ein Einfamilienhaus sein.“ Vielmehr könne man zunächst eine Wohnung finanzieren, diese später verkaufen und sich so den Erwerb eines Hauses sichern. Weiter empfiehlt sie, frühzeitig damit zu beginnen, Eigenkapital zu bilden und im Falle eines Kaufes mindestens 20 Prozent der Summe – besser 40 Prozent – parat zu haben.

Mieterverein: Wie ausreichend Geld sparen?

Stellt sich die Frage, wie das gelingen soll? Thomas Klempau vom Mieterverein Lübeck, geht davon aus, dass sich mit Blick auf Preise von 400 000 Euro aufwärts für ein durchschnittliches Einfamilienhaus oder von 300 000 Euro aufwärts für eine gebrauchte, energetisch nicht ertüchtigte Immobilie mit Sanierungsbedarf, für immer mehr Haushalte die Überlegung zerschlagen dürfte, von Miete auf Eigentum umzusteigen. Zudem stelle sich die Frage, wie es bei den niedrigen Zinssätzen sowie fehlenden anderweitigen Kapitalbildungsmöglichkeiten mit einigermaßen überschaubarem Risiko und halbwegs einträglicher Rendite gelingen solle, ausreichend Geld anzusparen. „Ohne zusätzliche finanzielle Unterstützung von Angehörigen oder vielleicht einen Erbfall wird das wohl nichts“, sagt Klempau.

Corona-Pandemie lässt Angebot sinken

Seit dem Ausbruch der Pandemie ist die Zahl der zum Kauf angebotenen Häuser und Wohnungen im Kreis gesunken. „Es gibt ältere Ostholsteiner, die ihre Häuser gerne gegen eine Wohnung eintauschen wollen, sich aber in dieser Phase nicht getraut haben“, sagt Jan-Pieter Frick und ergänzt: „Das ist nicht aufgehoben. Es wird sich entladen, wenn die Verhältnisse wieder etwas sicherer werden.“ Auch falle auf, dass diejenigen, die Geld hätten, versuchen würden, dieses unterzubringen. „Da geht es nicht immer nach Vernunft. Die Leute kaufen lieber zu teuer, als das Gefühl zu haben, nicht auf den Zug aufzuspringen“, sagt der Neustädter.

„Untere Einkommen werden zusehends ausgegrenzt“

Stellt sich die Frage, wie Menschen, die nicht zu den Spitzen-Verdienern gehören, ein Eigenheim finanzieren sollen. „Wir erleben in Serie, wie Einheimische scheitern. Es ist wichtig, vor der konkreten Suche den Finanzierungsrahmen mit der Bank abzustecken. Sonst kommt ein anderer Interessent und kauft das Objekt, während man selbst noch auf einen Termin bei der Bank wartet“, führt Frick aus.

Zudem sei es ratsam, sich bei Maklern vorab zu melden. Dennoch: „Gerade die unteren Einkommen werden zusehends ausgegrenzt. Es gibt keine staatlichen Förderprogramme in ausreichendem Umfang“, stellt der Makler klar. Programme wie das Baukindergeld seien nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Hinzu komme, dass sich in 2020 die Zahl der zum Kauf angebotenen Häuser in vielen Regionen Ostholsteins mehr als halbiert habe.

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Eigene Immobilie: Banken machen Hoffnung

Bei Banken wird die Lage anders bewertet: „Man muss kein Top-Verdiener sein, um sich etwas Eigenes leisten zu können. Durch die zurzeit niedrigen Zinsen sind viele in der Lage, sich eine Immobilie zu kaufen oder zu bauen“, sagt Nancy Gütschow, Sprecherin der VR Bank. Jedoch solle man ein Eigenkapital in Höhe von zehn bis 20 Prozent des Kaufpreises mitbringen und vorab genau prüfen, dass die Darlehensrate ohne Probleme bedient werden kann.

Ähnlich äußert sich auch Sandra Wehrend, Regionalleiterin Privatkunden der Sparkasse Holstein. Am wichtigsten sei, dass die monatliche Rate gut getragen werden könne – „und das auch, wenn mal eine ungeplante Investition, zum Beispiel in eine neue Waschmaschine, ansteht“.

Die Banken müssen mitspielen

Dazu sagt Annegret Möllerherm: „Den Betrag, den man bisher für Miete ausgeben konnte, den kann man auch gut und gerne für eine eigene Immobilie ausgeben, die einem dann später gehört und die dann eine zweite Rente darstellt. Wichtig ist aber, dass die Banken mitspielen, denn die sind nahezu ausschließlich auf ihre eigene Sicherheit bedacht.“ Es gebe aber durchaus auch schon kleine Eigentumswohnungen, die man sich für 1500 Euro netto im Monat leisten kann.

Verbraucherschützer nennt Alternative zu Hauskauf

Doch eben diese Summe dürfte für zahlreiche Menschen schon viel zu hoch sein. Michael Herte von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein rät, nicht um jeden Preis eine Immobilie erwerben zu wollen. „Es wird so sein, dass jemand kein Eigentum hat. Die Mieten sind nicht so stark gestiegen wie die Kaufpreise. Vielleicht ist der Beitritt in eine Wohnungsbaugenossenschaft ein Mittelding“, sagt er.

Das Konto muss ausgeglichen sein

Weiter betont der Rechtsanwalt, dass nur diejenigen kaufen sollten, die sich ein Eigenheim auch wirklich leisten könnten. Dazu gehöre es, am Monatsende ein ausgeglichenes Konto zu haben. Auch sollten drei Monatsgehälter für kleinere Anschaffungen als Sicherheit zur Verfügung stehen und Geld für größere Anschaffungen in den kommenden Jahren angelegt werden. „Erst dann kann man anfangen, in so etwas wie Investmentfonds zu investieren, da sind die meisten Leute aber schon raus“, stellt er klar.

Von Sebastian Rosenkötter