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Ostholstein Mitarbeiter dringend gesucht
Lokales Ostholstein Mitarbeiter dringend gesucht
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18:59 24.01.2019
Personalnot: Im öffentlichen Dienst in Gemeinden, Städten und Kreisverwaltungen sind zahlreiche Stellen zu vergeben. Quelle: Irene Burow
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Ostholstein

Scharbeutz sucht, sogar gleich doppelt. Timmendorfer Strand sucht auch. Der Kreis Ostholstein ebenso. Oldenburg hat zwei Stellen ausgeschrieben: eine für einen Bauhof-Mitarbeiter, eine für den Bürgermeisterposten. Bad Schwartau bietet vier Stellen an. Überall in Ostholstein sind Verwaltungsstellen oder Stellen beim öffentlichen Dienst ausgeschrieben. Ein Blick in den LN-Stellenmarkt zeigt, dass die ostholsteinischen Kommunen dabei untereinander und zu den Nachbarkreisen in Konkurrenz stehen.

Verwaltungsangestellte haben offenbar sehr gute Jobchancen. Scharbeutz sucht einen Mitarbeiter für das Hauptamt/das Amt Zentrale Dienste. Timmendorfer Strand möchte einen Sachbearbeiter für Finanzen einstellen. Aber es sind auch Berufe außerhalb der eigentlichen Verwaltungsbüros, für die Bewerber angesprochen werden sollen: Scharbeutz braucht einen Gerätewart für die Freiwilligen Feuerwehren, beim Kreis wird jemand gesucht, der die zweijährige Ausbildung zum Lebensmittelkontrolleur absolvieren will – mit anschließender Weiterbeschäftigung. Insgesamt stehen sieben Stellenangebote auf der Kreisseite.

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Zu wenige Mitarbeiter ausgebildet

Karriere in der öffentlichen Verwaltung: Inspektoren-Anwärterin Laura Lundius steht beim Kreis Ostholstein im dritten Jahr ihrer Ausbildung. Quelle: Peyronnet

„Der Fachkräftemangel kommt auch bei uns an“, sagt Kreissprecherin Carina Leonhardt. „Es suchen alle.“ Dass es noch einen anderen Nachholbedarf in den Verwaltungen der Kommunen gibt, erläutert Martin Scheel, Fachbereichsleiter Allgemeine Verwaltung und Finanzen in Timmendorfer Strand. „Überall sind Stellen eingespart worden, das war Trend. Man hat generell zu wenig ausgebildet, das holt uns jetzt ein, neben dem demografischen Wandel.“

Die erhöhte Nachfrage belegen Zahlen der für Ostholstein zuständigen Arbeitsagentur Lübeck. Dort sind sie unter dem Abschnitt „öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung“ zusammengefasst. Spezielle Zahlen für Ostholstein liegen nicht vor, sie beziehen sich auf Lübeck und den Kreis. „Im Jahr 2018 wurden 491 Arbeitsstellen aus diesem Bereich angeboten (von insgesamt 11 712). Vor fünf Jahren waren es 257 (von 13 898) und vor zehn Jahren 246 (von 8 488). Aktuell sind 80 Stellen zu besetzen“, teilt Agentur-Sprecherin Olga Nommensen mit.

Es ist wieder Geld da

Der Anstieg hänge sicherlich mit dem demografischen Wandel zusammen. Das Verhältnis von Angebot und Nachfrage verschiebe sich zunehmend zugunsten der Arbeitnehmer, heißt es von der Arbeitsagentur. Eine andere Erklärung hat Jörg Bülow, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des schleswig-holsteinischen Gemeindetages. Die Aufgaben der Kommunen seien durch Fördermittel, die Weiterentwicklung der Kitas, die Energie- und Mobilitätswende immer komplexer geworden, was mehr Personal erfordere. Das bestätigt auch Scheel. So seien die Kommunen schon immer für den Datenschutz verantwortlich gewesen. Durch die neuen Datenschutzgrundverordnung habe es aber erheblich mehr Verwaltungsaufwand gegeben. Er kenne keine Kommune, die deswegen nicht neues Personal eingestellt habe.

Eine Einschätzung, die andere teilen. Die gestiegene Zahl der Stellenanzeigen begründet Kreissprecherin Leonhardt mit der Übertragung neuer Aufgaben auf die Kreise sowie mit dem Ausscheiden von Mitarbeitern aus Altersgründen. „Die Anforderungen für Kommunen steigen regelmäßig, so dass der Personalbedarf entsprechend anzupassen ist. Die Fluktuation ist in den vergangenen Jahren gestiegen, auch dadurch, dass sich die Kommunen dem Wettbewerb untereinander und mit der freien Wirtschaft stellen müssen“, bestätigt Dennis Sontopski, Hauptamtsleiter in Scharbeutz. Die Zahl der Bewerber sei rückläufig.

Dass es jetzt möglich ist, mehr Personal einzustellen, hängt auch mit der verbesserten Haushaltslage vieler Gemeinden zusammen. „Man spürt, dass die finanziellen Mittel da sind, um Stellen zu schaffen“, sagt Bülow. Die farbigen, großen und teils aufwendig gestalteten Stellenanzeigen zeigten, dass die Kommunen dabei im starken Wettbewerb untereinander und mit der freien Wirtschaft stünden. „So hat man früher nicht nach Personal gesucht“, sagt Bülow.

Mehr Auszubildende

Der Kreis Ostholstein reagiert auf den Fachkräftemangel mit erhöhten Ausbildungszahlen. Er hat zurzeit 23 Anwärter und Auszubildende in drei Jahrgängen. Gemeinden wie Timmendorfer Strand und Scharbeutz sind dazu übergegangen, selbst für den gehobenen Verwaltungsdienst (duales Studium) auszubilden. Einen Anstieg bei den gemeldeten Ausbildungsstellen verzeichnet auch die Arbeitsagentur im Fünf-Jahres-Vergleich. Im sogenannten Berufsberatungsjahr, das von Oktober 2017 bis September 2018 dauerte, wurden 164 Ausbildungsstellen aus dem Bereich „Öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung“ angeboten. Vor fünf Jahren waren es 110.

Was junge Menschen daran reizt, in den Verwaltungsdienst zu gehen, erzählt Laura Lundius, Inspektoren-Anwärterin beim Kreis Ostholstein: „Es ging mir darum, Bürgerkontakt zu haben. Bei meinem Praktikum habe ich gesehen, dass es hier sehr abwechslungsreich zugeht, ich viele Möglichkeiten habe, mich zu entwickeln, und die Aufstiegschancen gut sind.“

Drei Geschlechtsbezeichnungen

Bei der Formulierung ihrer Stellenanzeigen sind die Gemeinde Scharbeutz und die Stadt Bad Schwartau schon weiter als der Kreis Ostholstein und Timmendorfer Strand. Dort werden Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen beziehungsweise Sachbearbeiterin/Sachbearbeiter gesucht. Scharbeutz und Bad Schwartau ergänzen diese Bezeichnungen durch den Zusatz (m/w/d), also männlich, weiblich, divers, ebenso wie Oldenburg. Nach einem Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom Oktober 2017 ist bei der Geschlechtsbezeichnung künftig eine dritte Variante möglich. Divers steht für Menschen, die sich keinem Geschlecht zuordnen lassen wollen oder können. Nach einer Untersuchung vom Herbst vergangenen Jahres ist die Angabe divers inzwischen in etwa sieben Prozent der Stellenanzeigen enthalten.

Susanne Peyronnet