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Ostholstein Corona-Verlierer: So geht es Ostholsteins Schaustellern
Lokales Ostholstein

Ostholstein: Wie Corona auf Geschäft mit Karussell, Zirkus und Imbiss wirkt

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12:00 15.08.2021
Besucher schlendern über den Hamburger Sommerdom, der bis zum 29. August stattfindet.
Besucher schlendern über den Hamburger Sommerdom, der bis zum 29. August stattfindet. Quelle: Ulrich Perrey/dpa
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Ostholstein

Endlich wieder Achterbahn fahren, gebrannte Mandeln und Zuckerwatte essen, Enten angeln und zwischen Buden und Fahrgeschäften entlangschlendern – all dies war monatelang nicht möglich. Viele Schausteller aus dem Kreis Ostholstein haben in den vergangenen Monaten massiv unter den mit der Corona-Pandemie verbundenen Absagen von Veranstaltungen gelitten. Seit einigen Wochen geht es aufwärts. Doch die steigenden Fallzahlen bereiten auch Sorge.

Schaustellerin aus Ostholstein auf dem Hamburger Dom

Alexandra Voß aus Gleschendorf (Gemeinde Scharbeutz) ist in einer Schausteller-Familie aufgewachsen und hat Anfang 2020 ein Kinderkarussell übernommen. „Mein Bruder und ich waren bei meinen Eltern im Familienbetrieb, und als wir erfahren haben, dass das Karussell zum Verkauf steht, hat mein Vater gesagt, dass wir uns das mal angucken sollen“, erzählt Voß. Doch statt fortan von Stadt zu Stadt, von Event zu Event zu reisen und Menschen eine Freude zu bereiten, begann eine lange Zeit des Wartens – bis vor wenigen Wochen.

Alexandra Voß betreibt das Kinderkarussell mit ihrem Bruder Christian Voß. Quelle: Privat

So läuft der Dom 2021 in Hamburg

Nach vier coronabedingten Absagen findet auf dem Heiligengeistfeld wieder der Hamburger Dom statt. Statt wie üblich etwa 260 dürfen nur 184 Schaustellerbetriebe mitmachen. Ziel ist es, Gedränge zu vermeiden und somit die Wahrscheinlichkeit einer Infektion zu minimieren. Zudem müssen sich die Besucherinnen und Besucher vorab online registrieren, Maske tragen und entweder geimpft, genesen oder getestet sein. „Bis jetzt bin ich positiv überrascht – trotz der ganzen Auflagen“, sagt Alexandra Voß. Die Zahl der Gäste sei groß und das Geschäft laufe: Zwischen 7000 und 9500 Menschen dürfen zeitgleich auf das Gelände.

Schaustellern fehlen Schützen- und Volksfeste

Ähnlich wie Alexandra Voß ist auch der Bad Schwartauer Schausteller Rolf Niehuesbernd seit Jahren im Geschäft. Ihm gehören zahlreiche Imbissstände in verschiedensten Größen und Formen. „In dieser Jahreszeit hätten wir die ganzen Großveranstaltungen, Schützen- und Volksfeste. Die wurden aber überwiegend abgesagt, oder sind verkleinert worden“, schildert er die aktuelle Lage. Alternativ verkaufe er nun an einem Stand in Heiligenhafen Fischbrötchen, Backfisch und Fish & Chips. In Schwartau bietet er Bratwürstchen an. Er hofft, dass es weiter bergauf geht. „Wir haben unsere Besucher unter Kontrolle. Sicherheitsdienste werden verstärkt eingesetzt“, versichert er bezogen auf die Kontrollen in puncto Einhaltung von Hygieneauflagen und Mindestabständen.

Selbst wenn die mit der Pandemie verbundenen Einschränkungen weiter gelockert würden, werde nicht alles automatisch gut, sagt Rolf Niehuesbernd: „Es gibt einige, die sich einen anderen Job gesucht haben, da die Branche so gefährdet ist. Ich hatte Anrufe von Kollegen, die kein Geld mehr für Essen hatten.“

Schausteller Rolf Niehuesbernd verkauft mit seinem Team in der Bad Schwartauer Innenstadt Bratwürste. Quelle: Sebastian Prey

Keine Shows für den Kinderzirkus Ostholstein

Ganz so dramatisch ist die Situation bei Pascal Traber aus Süsel nicht, wobei er und seine Familie trotzdem unter den Corona-Folgen leiden. „Wir sind im Sommer eigentlich mit dem Kinderzirkus Ostholstein unterwegs. Im vergangenen und in diesem Jahr ist das komplett weggebrochen. Wir haben keine großartigen Hilfen bekommen und mussten uns teilweise arbeitslos melden“, sagt er und erklärt, dass insbesondere Grundschülerinnen und -schüler zur Zielgruppe gehören würden. „Jedes Kind sollte einmal eine Projektwoche mitmachen. Wir verdienen daran, dass Eltern, Großeltern und Freunde zu den Vorstellungen kommen, Tickets, Getränke und Popcorn kaufen“, sagt Pascal Traber. Helfen würde der Artistenfamilie, wenn sich Schulen bereits jetzt für 2022 anmelden würden.

Alternativen für Schaustellerbetriebe fehlen

Eine positive Entwicklung sieht auch Holger Bock, Vorsitzender des Schaustellerverbands Lübeck. Er spricht aber dennoch von einer nach wie vor angespannten Situation. „Die Sorge ist da, dass bei steigenden Inzidenzwerten wieder Veranstaltungen eingeschränkt werden. Aktuell finden zwar wieder Jahrmärkte statt, jedoch mit begrenzter Personenzahl. Von einem normalen Jahrmarkt sind wir meilenweit entfernt“, führt er aus. In Bezug auf seine Kolleginnen und Kollegen sagt er: „Viele haben in der Zwischenzeit vor Supermärkte und auf Marktplätzen gestanden und stehen da heute noch. Die Kollegen mit Verlosungs- und Greiferhallen sowie Fahrgeschäften haben da nichts von.“

Von Sebastian Rosenkötter