Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Ostholstein boomt: Gewerbeflächen werden knapp
Lokales Ostholstein Ostholstein boomt: Gewerbeflächen werden knapp
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:37 21.11.2019
In Ostholstein gibt es bereits zahlreiche Gewerbegebiete. Dieses Luftbild zeigt die Fläche am Voßberg in Oldenburg. Quelle: Louis Gäbler
Eutin

Die Zahl der freien Gewerbeflächen in Ostholstein wird knapp. Bestehende Gewerbegebiete müssen dringend erweitert, neue geplant werden. Die Aufgabe übernimmt die Entwicklungsgesellschaft Ostholstein (Egoh). Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft hat ausrechnen lassen, dass bis 2030 etwa 71 Hektar Fläche für Unternehmen benötigt werden – weitere 27 bis zum Jahr 2035. Das entspricht circa 135 Fußballfeldern.

Hinzu kommt Platz für Grünflächen, Regenrückhaltebecken und Straßen. Auffällig ist, dass die Zahl der Firmen, die sich von außerhalb des Kreises ansiedeln, steigt, es sich verstärkt um produzierendes Gewerbe handelt und Unternehmer immer mehr Platz benötigen.

Eine Visualisierung zeigt wie das Gebäude der Baltic Windkraftanlagen Service & Solutions GmbH & Co. KG in Neustadt einmal aussehen könnte. Quelle: HFR

Windkraftanlagen und Naturkosmetik

Dirk Bremken, Leitung Gewerbegebiete/-zentren hat im Ausschuss für Planung und Wirtschaft des Kreises den Plan für die kommenden 15 Jahre vorgestellt. Er berichtete, dass in durchschnittlichen Jahren 4,6 bis 4,8 Hektar verkauft würden. 2019 sollen es elf Hektar werden. Den sprunghaften Anstieg führt er unter anderem auf zwei Verkäufe zurück: Zum einen zieht die Rosenrot Naturkosmetik GmbH von Heilbronn nach Eutin. Zum anderen will die Baltic Windkraftanlagen Service & Solutions GmbH & Co. KG in Zukunft Windkraftanlagen montieren. Egoh-Geschäfstführer Jens Meyer sprach von rund 120 Arbeitsplätzen. Die Durchschnittsgröße der verkauften Flächen im ländlichen Raum und in Ostholstein beträgt laut Dirk Bremken 2800 Quadratmeter. Die genannten Unternehmen benötigen 38 000 Quadratmeter.

Große Unternehmen bauen in Neustadt und Eutin

Neustadt: Die Baltic Windkraftanlagen Service & Solutions GmbH & Co. KG hat rund 16 000 Quadratmeter Land unweit der Ancora-Marina in Neustadt erworben. Der Hersteller von Windkraftanlagen will von 2020 an bauen und rund Dutzende Arbeitsplätze schaffen. „In Neustadt soll das Unternehmen auch für die Schwestergesellschaft Förde Wind Werke GmbH & Co. KG Windkraftanlagen montieren“, sagt Gesellschafter Lars Kahl und ergänzt: „Mit unserer Holding Hanse Treukontor Unternehmesberatung GmbH und einem Teil unser Mitarbeiter der Leitwarte für Windkraftanlagen sind wir derzeit im ehemaligen Deilmann-Gebäude in Neustadt angesiedelt.“ Die Unternehmensgruppe wurde 2015 gegründet und hat an den Standorten Neustadt in Holstein, Herrnburg, Grevesmühlen, Stockelsdorf, Waigandshain (Siegerland), Neubrandenburg und Kivila (Schweden) nach eigenen Angaben inzwischen mehr als 100 Mitarbeiter

Eutin: Die Rosenrot Naturkosmetik GmbH sucht aktuell zahlreiche Mitarbeiter für ihren neuen Standort in Eutin. Laut Egoh hat das Unternehmen aus Heilbronn 12 000 Quadratmeter Fläche gekauft und weitere 10 000 reserviert. Der Betrieb stellt seine Produkte in Bioqualität (Seifen, Shampoos etc.) nach eigenen Angaben in Handarbeit her und versucht dabei, möglichst ohne Verpackungen auszukommen. Rosenrot plant für das kommende Jahr den Bau einer Produktionshalle sowie Büros im interkommunalen Gewerbegebiet Eutin-Süsel. Zahlreiche Arbeitsplätze sollen entstehen.

Produzierendes Gewerbe vergrößert sich

Darüber hinaus sei die Nachfrage insgesamt gestiegen, was an der guten wirtschaftlichen Situation sowie einem deutlichen Flächendruck aus Hamburg und Lübeck liege. „Die Flächen im Einzelnen werden großflächiger – aktuell bis circa 4000 Quadratmeter je Betrieb“, sagt Bremken. Im gesamten Kreis Ostholstein sei festzustellen, dass zahlreiche Betriebe, insbesondere größere im Bereich des produzierenden Gewerbes, ihre Standorte deutlich ausbauen wollen. Als Beispiele nennt Bremken Eppendorf in Oldenburg und Visiconsult in Stockelsdorf.

Lesen Sie auch:

Das sind Ostholsteins höchste Gebäude

Zugleich stellt er klar, dass nach wie vor rund 80 Prozent der Käufer von Gewerbeflächen aus der Region kommen würden. Jedoch: „Aktuell erhöht sich der Anteil der zuziehenden Unternehmen in Ostholstein merklich.“ Die Auswirkungen dürften enorm sein. Erfahrungsgemäß würden pro Hektar rund 27 Arbeitsplätze entstehen – was bei den geplanten 98 Hektar in Ostholstein 2646 Stellen entspräche. Wobei die Egoh verdeutlicht, dass eine genaue Prognose nicht möglich sei, da nicht vorhersehbar sei, welche Betriebe sich ansiedeln würden. Zudem gelte es zu beachten, dass es etliche Arbeitsplätze lediglich von einem zum anderen Standort wechselten.

So entwickelt sich Ostholsteins Bevölkerung bis 2030

Kaum noch freie Areale für Gewerbe

Fest steht, dass es an freien Gewerbeflächen mangelt: In den Egoh-eigenen Gewerbegebieten wird es zum 1. Januar 2020 lediglich im Gewerbepark Holsteinische Schweiz noch etwa 1,2 Hektar sowie im Gewerbegebiet Ahrensbök kleine Grundstücke geben. Hinzu kommen laut Dirk Bremken Gelände in privatem Besitz in Eutin und Lensahn sowie die aktuelle Erweiterung des Gewerbegebiets Stadt Bad Schwartau um sechs Hektar.

Die Egoh spricht von einem kreisweit hohen Bedarf, wobei schwerpunktmäßig das Lübecker Umland, die Strecke entlang der A 1 sowie Neustadt genannt werden. In Neustadt gilt vor allem der Erwerb von Grundstücken als schwierig. „Insbesondere die Nachfrage bereits ansässiger Unternehmen, die expandieren wollen oder müssen, ist hoch“, sagt Bremken und ergänzt, dass sich viele Kommunen für mehr Gewerbeflächen ausgesprochen hätten.

Wenn der Kammmolch weg ist, wird in Gremersdorf gebaut

Das Gewerbegebiet Oldenburg-Gremersdorf wird seit Jahren geplant. Mehrfach wurde die Erschließung des 15 Hektar (etwa elf Hektar reine Verkaufsfläche) großen Geländes verschoben. Nun soll es ab Mai/Juni 2020 endlich losgehen.

Vorab muss noch die Kammmolchpopulation, die im Zuge der Umweltverträglichkeitsprüfung seitens der Entwicklungsgesellschaft Ostholstein (Egoh) entdeckt wurde, umgesiedelt werden. Zwei Teiche wurden angelegt. „Weitere Gründe des verzögerten Baubeginns liegen in den unerwartbar umfänglicheren Vorplanungen“, sagt Dirk Bremken, Leitung Egoh-Gewerbegebiete/-zentren. Damit gemeint seien unter anderem die Beantragung öffentlicher Zuschüsse, naturschutzrechtliche Prüfungen und der planungsrechtliche Aufwand.

Die Egoh teilt mit, dass die Flächen aus förderrechtlichen Gründen erst nach Baubeginn reserviert werden könnten. Ein Verkauf komme erst nach Fertigstellung des Gewerbegebietes in Betracht.

Hier werden Gewerbegebiete geplant

Der Gewerbepark Neustädter Bucht sowie die Gebiete in Beusloe (Gemeinde Schashagen), Süsel, Eutin (interkommunale Gebiet mit Süsel) und Ahrensbök sollen erweitert werden. Neue Areale werden für die Gemeinde Grube und in Luschendorf (Gemeinde Ratekau) geplant, wobei es gerade erst los geht. Auch hätten sich Heiligenhafen und Lensahn für Gebiete ausgesprochen. „Dieser Einstieg bedeutet, dass die Standorte im ersten Schritt intensiv geprüft werden. Es ist jedoch – wie bei jeder Projektentwicklung – in diesem frühen Stadium nicht sicher, zu sagen, dass hier ein Gewerbegebiet auch wirklich entstehen wird“, sagt Dirk Bremken. Der Einfluss von Bodenbewegung/ Tiefbaukosten, Grunderwerbskosten, Planungsrecht und ökologische Vorgaben müsse noch ausgewertet werden.

Noch mehr Artikel aus Ostholstein

 

Von Sebastian Rosenkötter

Die Politiker in Ahrensbök haben entschieden, dass es künftig keine Zehn-Euro-Gebinde mehr zu Altersjubiläen gibt. Der Spareffekt im klammen Haushalt liegt bei 150 Euro. Doch die Haushaltsprobleme der Gemeinde sind viel größer.

21.11.2019

Auf dem Gelände an der Bundesstraße 432 entstehen derzeit 19 Stellplätze für Autos und ein Wendehammer für Busse. Fast 150 000 Euro kostet die Maßnahme insgesamt. 80 Prozent übernimmt das Land – doch 33000 Euro bleiben als Eigenanteil.

21.11.2019

Das Kurmittelhaus im Alten Kurpark von Timmendorfer Strand könnte zum Bürgerhaus werden, schlagen alle politischen Fraktionen gemeinsam vor. Besonders der Seniorenbeirat gibt sich kämpferisch.

21.11.2019