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Ostholstein hilft: Viele Spendenaktionen für Hochwasser-Opfer

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12:16 21.07.2021
Alles zerstört: In Weilerswist in Nordrhein-Westfalen steht eine improvisierte Müllkippe neben einem Sportplatz. Anwohner können hier ihre Möbel und andere Gegenstände, die durch das Hochwasser zerstört wurden, hinbringen.
Alles zerstört: In Weilerswist in Nordrhein-Westfalen steht eine improvisierte Müllkippe neben einem Sportplatz. Anwohner können hier ihre Möbel und andere Gegenstände, die durch das Hochwasser zerstört wurden, hinbringen. Quelle: foto: Fabian Strauch/dpa
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Ostholstein

Sachspenden, Geldspenden – in den von der Hochwasser-Katastrophe betroffenen Gebieten in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Bayern wird alles benötigt. In ganz Deutschland fühlen Menschen mit den Betroffenen in den Krisengebieten und wollen helfen. Auch in Ostholstein gibt es viele Aktionen, um das Leid der Opfer zu mildern.

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Metternich ist eine Ortschaft mit knapp 2200 Einwohnern in der Gemeinde Weilerswist im Kreis Euskirchen (Nordrhein-Westfalen), durchzogen von dem Bach Swist. Auch dort brach in der vergangenen Woche das Unheil über die Menschen herein. „Eine meiner besten Freundinnen hat alles in den Fluten verloren. Alles!“, sagt Kathrin Haase, Inhaberin des Restaurants Cox in Eutin.

50 Cent pro Mittagessen für die Flutopfer

Die Freundin habe einen Verlags- und Versandbuchhandel im Erdgeschoss eines alten Hofes geführt. Sie könne nur sporadisch Kontakt zur Familie und zu Freunden halten. „Das Mobilfunknetz funktioniert nicht“, sagt Kathrin Haase, die am liebsten persönlich beim Aufräumen mit anpacken möchte und auf ein Zeichen ihrer Freundin wartet. Im Cox gehen in dieser Woche pro verkauftem Essen 50 Cent an die Flutopfer, ein Spendentopf für weitere Zuwendungen steht bereit. Die Gesamtsumme will Kathrin Haase auf das Konto der Aktion Deutschland hilft überweisen.

Kathrin Haase, Inhaberin des Cox in Eutin, stiftet in dieser Woche pro verkauftem Essen 50 Cent für die Flutopfer. Auch ein Sammelglas hat sie aufgestellt. Quelle: Ulrike Benthien

Christian Rumpel, Chef vom Seepark Süsel, fordert Wassersportler am kommenden Sonntag, 25. Juli, auf, zahlreich zum Wakeboarden und Wasserskilaufen zu kommen. Von 19.30 bis 21.30 Uhr wird der komplette Eintrittspreis von 25 Euro gesammelt und für Flutopfer gespendet. „Jeder, der Nachrichten guckt, ist bereit, den Menschen zu helfen. Wir haben Glück, dass wir finanziell helfen können, und dann tun wir das selbstverständlich auch“, sagt Rumpel.

Bauern organisieren Futter- und Sachspenden

„Land schafft Verbindung“ heißt der Verein, dem vor allem Landwirte angehören. Mitglied ist auch Bauer Philip Clausen aus Wangels. Er organisiert bei seinen Kollegen in Ostholstein Futter- und Sachspenden für Landwirte in den vom Hochwasser schwer getroffenen Gebieten. „Schaufeln, Besen, Gummistiefel, es gibt ja nichts mehr da unten“, sagt er. Er selbst stellt Stroh- und Silageballen zur Verfügung.

Hier können Sie spenden

Wer die vielfältige Hilfe für die Menschen, die von den verheerenden Unwettern in Deutschland betroffen sind, finanziell unterstützen will, kann dies durch eine Geldspende tun.

Aktion Deutschland Hilft e. V. (Bonn) ist ein Bündnis von 23 deutschen Hilfsorganisationen für die Katastrophenhilfe. Gespendet werden kann online unter https://www.aktion-deutschland-hilft.de/de/spenden oder per Überweisung auf das Spendenkonto des Bündnisses. Bankverbindung:Aktion Deutschland Hilft“; IBAN: DE62 3702 0500 0000 1020 30; BIC: BFSWDE33XXX (Bank für Sozialwirtschaft).

Aktionsbündnis Katastrophenhilfe, ein Zusammenschluss von Caritas international, Deutsches Rotes Kreuz, Diakonie Katastrophenhilfe und Unicef Deutschland, hat ein Online-Spendenportal unter https://www.aktionsbuendnis-katastrophenhilfe.de/ eingerichtet, Bankverbindung: Aktionsbündnis Katastrophenhilfe, IBAN: DE65 100 400 600 100 400 600; BIC: COBADEFFXXX (Commerzbank)

Den Kontakt zu den Landwirten im Süden hielten die Maschinenringe, die die Koordination der Hilfe übernähmen, sagt Clausen. Im Augenblick gestalte sich alles noch schwierig: „Die Telefonnetze dort unten funktionieren noch immer nicht. Und die Kollegen haben wohl kaum Möglichkeiten, Futter zu lagern.“ Geklärt werden müsse zudem, wie die Spenden ins Katastrophengebiet gelangen sollen: „Ein Spediteur oder Lkw-Unternehmen wäre hilfreich. Mit dem Trecker dauert es zu lange“, sagt Clausen, der mitten in der Ernte steckt.

Neben den Menschen sind auch viele Tiere obdachlos geworden. In Erftstadt versank ein ganzer Reiterhof in den Fluten, immerhin konnten in einer dramatischen Aktion die Pferde gerettet werden. Das hat Sylvia Parplies, die in Lensahn die Futtergarage Parplies betreibt, dazu bewegt, gemeinsam mit Krista Topf aus Riepsdorf Spenden zu sammeln. „Dringend werden benötigt: Weidematerialen, Stallequipment, Pflegeprodukte, Verbandsmaterial, aber auch Schrauben, Nägel, Hammer etc.“, bewirbt Parplies ihre Sammelaktion.

Krista Topf (links) aus Riepsdorf und Sylvia Parplies aus Lensahn haben Spenden gesammelt, die an Pferdehalter in den Hochwassergebieten gehen sollen.  Quelle: privat

Sammelpunkt für Pferdezubehör ist Elmshorn

Einiges sei bereits eingetroffen, etwa Pferdedecken, Halfter, eine Heuraufe, sagt Parplies. Spenden werden noch weiter entgegengenommen. Sie müssen allerdings bis morgen, Donnerstag, den 22. Juli, im Geschäft von Sylvia Parplies sein, weil sie am Freitag nach Elmshorn gebracht werden. Von dort bringt das Pferdetransportunternehmen Equitrans die gespendeten Sachen ins Katastrophengebiet.

Dann sind da noch die vielen kleinen, privaten Aktionen von Ostholsteinern, um Geld für die Flutopfer zusammenzubekommen. Da werden Emaillebecher mit Flutopfer-Aufschrift ebenso angeboten wie selbstgehäkelte Decken. Und eine Frau versteigert sogar ihr Brautkleid.

Von Ulrike Benthien und Susanne Peyronnet