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Ostholstein Wie beim Mikado: Großes Rangieren in den Werfthallen
Lokales Ostholstein Wie beim Mikado: Großes Rangieren in den Werfthallen
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06:00 08.04.2019
Ist das Schiff ins Wasser gekrant, müssen bei den Segeljachten noch die Masten gesetzt werden. Die Arbeit wird zu dritt gemacht: Roland Bär (l.) bedient den Mastkran, Peter Kindel (r.) setzt auf dem Vorschiff das Vorstag ein und sein Kollege Hans-Ulrich Rocksien stellt den Mast in den Fuß. Quelle: GÄBLER
Grömitz/Eutin

Ostholsteins Jachthäfen erwachen aus dem Winterschlaf: Die ersten kleinen Boote wurden bereits ins Wasser gebracht, große und teure Jachten werden in diesen Tagen gekrant, die Masten auf den Decks aufgestellt. Die Mitarbeiter der Werften in den 25 Sportboothäfen zwischen Fehmarn und Niendorf haben derzeit alle Hände voll zu tun. Kein Wunder bei 6500 Liegeplätzen, die nahezu komplett vergeben sind. Zu Ostern wollen die Bootseigner die Wassersportsaison 2019 eröffnen.

In der Roland-Werft am Grömitzer Königsredder herrscht große Betriebsamkeit. Chef Roland Bär (53) hat seine drei Mitarbeiter über den Winter alle Arbeiten erledigen lassen. Jetzt müssen die Boote, Motor- und Segeljachten raus aus der riesigen Halle. Gut 100 Jachten stehen hier – vom kleinen Sechs-Meter-Motorboot bis hin zur Mega-Jacht mit 45 Fuß Länge (= 15 Meter).

In Werfthallen und Jachthäfen wird derzeit mit Hochdruck gearbeitet. Ab Ostern wollen die Skipper wieder auf dem Wasser sein.

Rolf Glüsings Arbeit gleicht einem Mikado-Spiel. Millimetergenau sind die Schiffe im vergangenen Herbst eingelagert worden, jetzt müssen sie wieder raus. „Ostern gilt immer als Stichtag“, sagt Bär. „Deshalb müssen wir jetzt auch Vollgas geben.“ Sein langjähriger Mitarbeiter ist zwar schon Rentner, hilft aber immer noch in Spitzenzeiten aus. Mit traumwandlerischer Sicherheit beherrscht der 69-Jährige den Gabelstapler, der jetzt als Zugfahrzeug fungiert.

Die Metallböcke, auf denen die Jachten den ganzen Winter über standen, werden mit einem Heber angesteuert und geliftet, an den teuren Nachbar-Schiffen vorbei manövriert und durch die gut 100 Meter lange Halle nach draußen gefahren. Da sind Umsicht und Vorsicht geboten.

Seit Dezember geht es in den Hallen hoch her

Vor dem Hallentor stehen die Schiffe dann parat für den Weg in den Grömitzer Hafen. Hans-Ulrich Rocksien und Peter Kindel fahren die Jachten die 400-Meter-Strecke mit dem mächtigen Schlepper. So geht es den ganzen Tag über zwischen Krananlage und Werfthalle hin und her. Vergessen ist an diesen ersten warmen Sonnentagen im April die harte Winterarbeit in der kalten Werfthalle. Roland Bär: „Vom Kranen der Boote im Spätherbst bis zum Dezember hatten wir ein bisschen Ruhe. Ab Mitte Dezember ging es dann wieder hoch her.“ Auch wenn kaum einer von draußen sehe, was in der Halle alles repariert, gestrichen oder lackiert werde,„wir hatten richtig gut zu tun“, erzählt Bär.

Da wurden Motoren inspiziert, Laminier-Arbeiten an Bootsrümpfen erledigt und Schiffe auf Hochglanz poliert. Bär sagt: „Im Frühjahr soll ja alles wieder so richtig schön glänzen.“ Außerdem musste das gesamte laufende und stehende Gut der Segeljachten (das sind alle Tampen, Stricke und Drähte, die einen Mast sicher in seiner Position halten) überprüft werden. „Eine unserer wichtigsten Aufgaben sind allerdings die Antifouling-Anstriche am Boden der Schiffe. Sie bewahren den Bootskörper vor Muschelanhaftungen. Da kommt man ja später, wenn es erst mal wieder im Wasser liegt, nicht mehr ran“, erklärt der Werft-Chef.

Wie wichtig es ist, Skipper bei Laune zu halten und eine Abwanderung nach Mecklenburg zu verhindern, wissen die Kommunen nur zu gut. So wurden allein in Burgtiefe, Heiligenhafen und Grömitz ganz neue Sanitärgebäude gebaut. Auch die Entwicklungsgesellschaft Ostholstein (Egoh) in Eutin beschäftigt sich mit dem Wassertourismus. Sandra Belka leitet den Geschäftsbereich Tourismus bei der Egoh und kennt die aktuellen Zahlen, Trends und Entwicklungen ganz genau: „25 Jachthäfen gibt es in Ostholstein, sie bieten rund 2500 Liegeplätze an. Hinzu kommen rund 3500 Liegeplätze an den Stränden und in den Bojenfeldern, wo die Kleinboote vor Anker liegen.“

Sorge über die demografische Entwicklung

Sorge bereitet ihr aber die demografische Entwicklung im Wassersport. Die Eigner werden immer älter (Durchschnittsalter jetzt 65 Jahre), der Nachwuchs oder die Erben wollen die Jachten immer seltener übernehmen, weil die Unterhaltung der Schiffe aufwendig und teuer ist.

Deshalb wird das Chartern von Booten auch immer beliebter: Anreisen, Boot übernehmen, auf der Ostsee unterwegs sein, Boot abgeben, fertig. Seit Jahren ist diese Entwicklung zu beobachten. Sie führe langfristig zu einem Rückgang der Bootseigner und des Bootsbestandes sowie zu einer Reduzierung der Nachfrage nach Dauerliegeplätzen, heißt es in der Studie der Planco Consulting GmbH. Und weiter: „Ein vordringlicher Bedarf an neuen Liegeplätzen oder Häfen ist aus Kapazitätssicht nicht vorhanden. Neuplanungen und Erweiterungen an Sportboothäfen sollten daher vor ihrer Umsetzung kritisch geprüft werden.“

Louis Gäbler

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