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Ostholstein Erinnerungen an die Jugendwehr
Lokales Ostholstein Erinnerungen an die Jugendwehr
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07:55 27.12.2018
Thorsten Plath, Kreiswehrführer, war schon als Kind und Jugendlicher ein großer Fan der Feuerwehr. Das Bild entstand kurz nach seinem Übertritt in die aktive Wehr. Quelle: HFR
Ostholstein

 Ehrenamtlich Feuer löschen, Menschen retten, Ölspuren beseitigen, ausrücken – auch wenn andere schlafen: Ostholsteins Feuerwehrleute sind freiwillig für knapp mehr als 200 000 Menschen unterwegs. Viele Mitglieder traten bereits als Jugendliche in ihre Heimatwehr ein. Einige von ihnen haben Karriere gemacht – neben ihren eigentlichen Berufen, mit denen sie ihren Lebensunterhalt verdienen. Die LN stellen zum Abschluss der Spendenaktion „Hilfe im Advent“ drei von ihnen vor.

Kleider machen Feuerwehrleute

Jugendfeuerwehr als Karrieresprungbrett

Thorsten Plath: Der 55-Jährige steht an der Spitze. Der Kreiswehrführer wurde früh mit dem Feuerwehrvirus infiziert. Sein Vater war Wehrführer von Groß Timmendorf, nahm ihn mit zum Gerätehaus und ließ ihn ins rote Feuerwehrauto steigen. 1978 trat Plath als 14-Jähriger in die Jugendwehr ein. „Leider wurde sie erst dann gegründet, ansonsten wäre ich schon viel früher dabei gewesen. Ich habe schon Monate oder vielleicht Jahre vorher andauernd meinen Vater bedrängt, wann nun endlich die Jugendfeuerwehr ins Leben gerufen wird und ich da mitmachen kann“, erzählt er. „Schließlich hatte er mir von einer möglichen Gründung erzählt. Ich habe auf diesen Tag richtig hingefiebert.“

Während seiner Zeit in der wichtigsten Nachwuchsquelle der Freiwilligen Feuerwehren hat Thorsten Plath gelernt, wie wichtig ein gutes Erscheinungsbild ist. „Wir wurden regelrecht trainiert, wie ein Koppel (ein Gürtel, Anm. d. Red.) anzulegen ist, wann und wo man seine Kopfbedeckung zu tragen hat und was sauberes Schuhwerk bedeutet“, sagt er. Darüber hinaus habe stets die Zusammenarbeit als Team im Fokus gestanden. „Diese Gruppendynamik ist auch heute noch sehr wichtig. Sie hat zugleich einen hohen sozialen Wert im Zusammenleben mit anderen bewirkt“, betont er. Dass Plath so lange bei der Feuerwehr ist und diverse Aufgaben übernommen hat, begründet er wie folgt: „Es ist neben den einsatztechnischen Herausforderungen hauptsächlich das kameradschaftliche Zusammensein in der Feuerwehr, was mir gefällt. Es sind Freundschaften entstanden, die man nicht mehr missen möchte. Und die Entwicklung der Technik, der Fahrzeuge, der Geräte, mit denen wir arbeiten können, ist unglaublich faszinierend.“

Dank Uniform stolz wie Oskar

Hartmut Junge, Gemeindewehrführer Lensahn. Quelle: Sebastian Rosenkötter

Hartmut Junge (55) ist nicht nur Lensahner Gemeindewehrführer, sondern auch Kreisfeuerwehrsprecher. Als er in die Feuerwehr eintrat, war er elf Jahre alt. „Am 25. Mai 1975 war es endlich so weit: Obwohl ich erst ein paar Monate später zwölf wurde, hatte ein Freund beim damaligen Jugendfeuerwehrwart nachgefragt, ob ich schon mitmachen dürfe. Schließlich stünde in den kurz bevorstehenden Sommerferien ein großes Jugendfeuerwehr-Zeltlager der Landesjugendfeuerwehr Schleswig-Holstein an. Das war damals für den Jugendfeuerwehrwart kein Problem, und so bekam ich schon am ersten Abend eine Uniformjacke, Schutzhelm, Koppel und Schiffchenmütze verpasst. Stolz wie Oskar kam ich damit zu Hause an.“

Seine wichtigste Erkenntnis aus seiner Zeit bei der Jugendwehr sei, dass Egoismus einen im Leben nicht weit bringt. „Gemeinsam kann man viel mehr erreichen, und das Gemeinschaftsgefühl macht es einem leicht, auch mit den Schwächen des Nachbarn umzugehen.“ Zudem habe ihn die Jugendfeuerwehr Disziplin gelehrt. „Erkenntnisse, die mich auch für mein Berufsleben geprägt haben“, sagt Junge. Hartmut Junge weiß, dass die Nachwuchseinheit anfangs keineswegs unumstritten war. „Als in Ostholstein vor 56 Jahren die ersten Jugendfeuerwehren gegründet wurden, mussten sich die wenigen vorausschauenden Wehrführer allerlei Spott anhören. Man empörte sich damals: ,Die schicken Kinder zum Feuer löschen.’“ In manchen Gemeinden erkenne man sogar erst heute, dass die Nachwuchsarbeit durch Kinder- und Jugendfeuerwehren unentbehrlich sei.

Warten auf den Eintritt: „Die schlimmste Zeit meines Lebens“

Kreisjugendfeuerwehrwart und Neustadts Wehrführer Alexander Wengelewski. Quelle: Sebastian Rosenkötter

Kreisjugendfeuerwehrwart Alexander Wengelewski ist zwar erst 30 Jahre alt, hat aber schon viele Posten bei seiner Neustädter Wehr innegehabt. Aktuell ist er Wehrführer und lebt seinen Traum. „Als Kleinkind habe ich schon mit der Feuerwehr von Playmobil gespielt, mit acht Jahren wollte ich in die Jugendfeuerwehr Neustadt eintreten, das war damals aber leider nicht möglich. So musste ich zwei Jahre unter Tränen warten, die schlimmste Zeit meines Lebens, wohl für meine Eltern auch“, sagt er. Vier Tage nach seinem zehnten Geburtstag sei es dann endlich so weit gewesen. Alexander Wengelewski trat ein. Warum? „Weil Neustadt schon immer eine tolle, besondere Feuerwehr war und auch ein Stück weit anders als andere Feuerwehren. Herr Jaekel hatte als einziger Gemeindewehrführer einen Jeep als Einsatzfahrzeug.“

Er hebt hervor, dass Werte wie Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Respekt und Ehrgeiz schon sehr früh vermittelt worden seien. Dies habe sich bis heute bezahlt gemacht. Dass er die Feuerwehr nie verlassen habe, erklärt Wengelewski so: „Purer Idealismus und die reine Freude, dem Allgemeinwohl zu dienen. Weil ich zusammen mit meinem besten Kumpel Sebastian Papke, den ich seit über 20 Jahren aus der Feuerwehr kenne, immer Ämter zusammen ausgeführt habe und wir viel gemeinsam bewegen konnten und noch bewegen werden.“

So können Sie spenden

Spenden könnenauf ein Konto bei der Sparkasse Holstein überwiesen werden. Dieses gehört dem Kreisfeuerwehrverband Ostholstein. Bitte geben Sie unbedingt das Stichwort „Hilfe im Advent“ an.

IBAN: DE 20 2135 2240 0076 3306 46

BIC: NOLADE21HOL

Sebastian Rosenkötter