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Ostholstein Ostholsteiner zeigen ihre Bulli-Schätzchen
Lokales Ostholstein Ostholsteiner zeigen ihre Bulli-Schätzchen
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19:33 20.06.2019
Glücklich mit ihrem komplett selbst ausgebauten VW Transporter, mit dem sie schon überall in Europa zum Kiten unterwegs waren: Mira Lüders und ihr Freund Lasse, die in Grömitz leben. Quelle: Gäbler
Fehmarn/Grömitz/Bujendorf

Sie sind groß, sie sind Kult, sie bieten Platz ohne Ende – und sie sind Everybody’s Darling: die VW-Bullis. So ein Bus – ob uralter T 1 oder topmoderner T 6 – ist nicht einfach nur ein Auto. Er verkörpert die Freiheit auf vier Rädern im liebevoll ausgebauten Blechkleid. Für die Besitzer ist der Bulli die perfekte Mischung aus Freiheitsgefühl, Unabhängigkeit und Luxusferien. Weit mehr als 1000 Fans aus ganz Deutschland treffen sich an diesem Wochenende auf an der Südstrandpromenade auf Fehmarn.

Echte Bulli-Fans sind stolze „Mütter“ und überglückliche „Väter“. Sie geben ihrem rollenden Zuhause, das nach dem Kauf noch einmal mit Tausenden Euros aufgewertet wurde, auch liebevolle Kosenamen: „Stoffi“, „Herta“ oder „Irmi“ heißen sie – ganz so, als handle es sich um ein Familienmitglied. Und wie in der Eltern-Kind-Gruppe werden in der Szene einzelne Entwicklungsschritte des Sprosses – also Geschichten über Freud und Leid – intensiv ausgetauscht.

Innenausbau mit viel Liebe zum Detail

Der T 5.2 von Sascha Herz heißt „Hilde“. Der 30-jährige Bundespolizist aus Rettin hat den Transporter 2017 für 18 000 Euro gekauft und noch rund 5000 bis 6000 Euro für den perfekten Innenausbau investiert. „Das heißt, hinter der Fahrgastzelle wurde das Fahrzeug komplett entkernt. Die Isolierung wurde völlig neu gemacht, die Verkabelung erneuert, eine Solaranlage aufs Dach gebaut, und und und“, erzählt Sascha Herz.

Wochen und Monate im und am Auto

Gemeinsam mit Freunden und seiner Frau Elena haben sie Wochen und Monate im und am Auto gearbeitet. Eine zweite Wohnraum-Batterie bietet autarkes Leben von der Steckdose, es gibt USB-Stecker für Smartphones, ein üppig bemessenes Bett, einen Tisch, diverse Regale, einen schicken Fußboden und eine Innenverkleidung aus Kunstleder.

„Viel muss jetzt nicht mehr gemacht werden“, sagt Herz, dann sei „Hilde“ fertig. Fahrer- und Beifahrersitz sollen noch gegen drehbare Einzelsitze ausgewechselt werden, die Küche wird um eine Schwerlast-Schublade komplettiert, die Gaskocher und Wasserkanister aufnimmt: So qualifiziert sich der Bus auch als versicherungsgünstiger Camper.

Sascha Herz am Heck seiner "Hilde".  Quelle: Gäbler

„Du lebst dort, wo du gerade bist“

„Ein Jahr haben wir daran gearbeitet, die alten Fenster ausgebaut und gegen Schiebefenster aus England getauscht. Mit dem Küchenausbau ist dann alles weitgehend fertig“, sagt Herz. So ein VW Bulli sei sein Lebenstraum gewesen und einfach Kult. „Wir treffen uns mit Freunden, sind ganze Wochenenden unterwegs, leben und schlafen im Auto ganz nach dem Motto: ,Home is where you park it’“ (übersetzt in etwa: Du lebst dort, wo du gerade bist).

Ganz ähnlich sehen es Mira Lüders und ihr Freund Lasse aus Grömitz. Sie haben bereits ganz Europa mit ihrem zehn Jahre alten VW Transporter T 5 bereist. Sie waren in Schweden, Norwegen, Frankreich, Dänemark und Holland. Meistens zum Kiten. Wenn der 29-jährige Hotelbetriebswirt die riesige Heckklappe öffnet, offenbaren sich die Qualitäten des Busses: Platz ohne Ende. Hier passen Kite-Schirme, Ausrüstungsmaterialien, Leinen und Bars unter die Liegefläche, ohne dass sie stören.

Mit kleinem Budget auf große Reise

„Ein halbes Jahr lang haben wir alles umgebaut, rund 3000 Euro habe ich investiert. Scheiben wurden foliert, der Dachgepäckträger aufgebaut, die zweite Batterie und eine Bassrolle eingebaut, quasi die komplette Technik einmal raus- und neugeordnet wieder eingebaut“, sagt er. Der Bus wurde im Innenraum mit Kaiflex – selbstklebenden Schaummatten – komplett isoliert, eine riesige Liegefläche und eine Küchenzeile hinter den Fahrer- und Beifahrersitzen eingebaut, ein Gaskocher bietet unterwegs Gelegenheit zum Kochen.

Das Programm am Freitag und Sonnabend

Am Freitag starten um 10 Uhr diverse Do-it-Yourself-Aktionen und Aktivspiele für die ganze Familie im „Smaland“-Bereich. Von 12 Uhr an gibt es musikalische Unterhaltung auf der „Midsummer“-Bühne, verschiedene Reisevorträge und Lesungen im Festzelt und diverse Contests – unter anderem die Wahl des schönsten T 3 und des schönsten Hippie-Busses. Der Tag klingt aus mit einer After-Show-Party im Haus des Gastes. Höhepunkt des Sonnabends ist die Bulli-Parade mit Insel-Rundfahrt ab 12.30 Uhr. Gegen 21.45 Uhr wird das große Midsummer-Feuers entzündet. Abends ist wieder große Party im Haus des Gastes.

Warum arbeitsintensiver Selbstausbau und nicht den fertigen „California“ von der Stange? Lasse: „Die Stauräume sind für mich wichtig. Hier habe ich alles genau so, wie ich es brauche. Außerdem ist es natürlich viel günstiger. Für junge Leute ist das die perfekte Möglichkeit, mit kleinem Budget auf große Reise zu gehen.“

Eine Kultfigur in der Bulli-Szene

Wer es den beiden stolzen Bulli-Besitzern nachmachen will, sich den Selbstausbau aber nicht zutraut, findet Hilfe bei dem gebürtigen Franzosen André Ecanville (59). Der Raumausstatter wurde in Paris geboren, lebt aber seit 35 Jahren in Ostholstein und ist quasi eine Kultfigur in der Bulli-Szene. Er kennt jeden Kniff. Auf seinem Hof zwischen Bujendorf (Gemeinde Süsel) und Roge bietet er Stellplätze zum Selberbasteln, er baut auf Wunsch auch komplett aus und berät bei der Wahl der richtigen Materialien für die Inneneinrichtung.

André Ecanville aus Bujendorf gilt in der Bulli-Szene von Ostholstein als Guru des Innenausbaus.  Quelle: Gäbler

„Die Bulli-Szene ist bestens vernetzt, jeder kennt jeden und wenn ein neues Highlight verbaut wurde, spricht sich das rasend schnell herum“, sagt Ecanville. Rund 150 Anfragen habe er pro Jahr. Manche bitten nur um einen Stellplatz für Bastelarbeiten, andere um Hilfestellung, besser Betuchte wollen den Ausbau komplett von ihm fertigen lassen. „Um das zu schaffen, müsste ich eigentlich expandieren. Aber das will ich nicht“, sagt Ecanville. Hauptberuflich macht er für diverse Architekten die Innenausbauten fertig. „Aber dieser Nebenjob mit den jungen Leuten, das hält mich jung. Ich arbeite einfach gerne mit ihnen und entwickele gerne gemeinsam die Projekte.“

Unterdessen sind auf Fehmarn bereits am Donnerstag die ersten Bullis eingetroffen. Viele Besucher schätzen das Treffen als „Woodstock der Bulli-Fahrer“. Wie beliebt die Veranstaltung ist, zeigte sich beim Kartenverkauf: 1250 Tickets fürs Beachcamp waren binnen Stunden vergriffen.

Joey Kelly mit T 1 auf Fehmarn

Besonderen Grund zur Freude haben Bulli-Fahrer und Besucher am Sonntag, 23. Juni, wenn um 10.45 Uhr Extremsportler und Unternehmer Joey Kelly die Festivalbühne betritt und später noch Zeit für Autogramme und einen kleinen Schrauber-Schnack hat. Das Festival wird für den Abenteurer die letzte Möglichkeit sein, vor seiner China-Reise noch Anregungen im Umgang mit seinem T 1 von 1967 zu bekommen. Der Musiker und TV-Star (45, „Schlag den Star“) will Ende Juni mit seinem Sohn Luke Kelly (18) mit seinem VW-Bulli von Deutschland in die chinesische Hauptstadt Peking fahren. RTL begleitet das große Abenteuer.

Louis Gäbler

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