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Ostholstein Wegfall des Eurocitys: Bahn soll Ersatzangebot schaffen
Lokales Ostholstein Wegfall des Eurocitys: Bahn soll Ersatzangebot schaffen
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19:00 29.05.2019
Pünktlich zum Fahrplanwechsel im Dezember soll die Fernverkehrsverbindung über den Fehmarnbelt für unbestimmte Zeit eingestellt werden. Reisenden müssen dann mit Regionalbahnen nach Oldenburg und Fehmarn (Bild) reisen. Quelle: LN-Archiv
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Eutin

Großbaustellen der Bahn in Deutschland und Dänemark haben enorme Auswirkungen auf den Bahnverkehr im Kreis Ostholstein. Ab Dezember dieses Jahres werden die Eurocity-Züge zwischen Hamburg und Kopenhagen die Haltepunkte Oldenburg und Puttgarden nicht mehr anfahren. Die Bürgermeister der beiden Orte, Landrat Reinhard Sager (CDU) sowie Vertreter der Wirtschaftsförderung und vom Ostsee-Holstein Tourismus fordern nicht nur ein Ersatzangebot, sondern einen Ausbau des Schienenverkehrs.

Im Eutiner Kreishaus machten sie ihren Standpunkt gegenüber Vertretern der Deutschen Bahn deutlich. Zusagen gab es keine. Ein weiterer Austausch soll folgen. Landrat Sager sagte, dass die Bahn die Region aufgeschreckt habe und er ein Abschneiden Ostholsteins vom Fernverkehr fürchte. „Wie stellen wir sicher, dass sich die Menschen in der Grenzregion weiterhin begegnen können?“, fragte er und ergänzte, dass der Fernverkehr eine überragende touristische Bedeutung habe, insbesondere für Oldenburg und Fehmarn.

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Stündliche Verbindung in den Kreisnorden gefordert

Hinzu komme aus seiner Sicht der Nahverkehr. „Die Angebote sind uns noch nicht ausreichend. Die Berufspendler benötigen die Schiene“, betonte Sager. Benötigt werde vor allem eine stündliche Verbindung zwischen der Insel und der Hansestadt Lübeck. Eben dies hatten Oldenburgs Bürgermeister Martin Voigt (parteilos) und sein Fehmaraner Kollege Jörg Weber (SPD) in der Vergangenheit immer wieder gefordert.

Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis weiß um die Brisanz. Er erläuterte, dass auf dänischer Seite bereits Arbeiten für die feste Fehmarnbeltquerung stattfinden würden, weshalb seit dem Frühjahr Busse statt Bahnen zwischen Rødby und Kopenhagen unterwegs seien. „Wir haben eine erhebliche Fahrzeitverlängerung“, sagte Meyer-Lovis. Um eine durchgehende Verbindung sicherzustellen, habe man sich entschieden, den Fernverkehr ab Hamburg über Flensburg und Padborg zu leiten. Der Bahnsprecher erklärte, dass die Eurocity-Züge im Tagesschnitt lediglich von zehn Reisenden genutzt würden, die aus Ostholstein nach Kopenhagen fahren würden, oder eben zurück. Hinzu kämen 40 Personen aus Lübeck. 90 Prozent der Kunden würden in Hamburg ein- und aussteigen.

In 280 Minuten nach Kopenhagen

Wer von Hamburg nach Kopenhagen reist, der ist laut Bahn ab dem nächsten Fahrplanwechsel Anfang Dezember dieses Jahres schneller unterwegs. Ganzjährig sollen täglich drei umsteigefreie Zugpaare zwischen den beiden Städten verkehren und die Strecke in vier Stunden und 40 Minuten bewältigen.

Wer aus Fehmarn kommt, wird deutlich länger unterwegs sein. Allein die Fahrt nach Hamburg dauert mit dem Nahverkehr aktuell zwei Stunden und 20 Minuten. Zudem ist bislang unklar, ob es für die Eurocitys Zwischenhalte in Schleswig-Holstein geben wird. „Aufgrund der hohen Streckenauslastung auch durch Züge des Regional- und Güterverkehrs sind entsprechende Möglichkeiten sehr begrenzt. Derzeit laufen noch Abstimmungen mit der Bundespolizei für die erforderlichen Grenzkontrollen“, teilte Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis jetzt mit.

Fehmarns Bürgermeister will besseres Angebot

Jörg Weber entgegnete bezüglich der Einstiegszahlen, dass es Tage gebe, an denen die Menschen am Bahnhof auf Fehmarn Schlange stünden. Er appellierte an die Bahn-Vertreter, das Angebot zu verbessern, für mehr buchbare Plätze zu sorgen und so bessere Einstiegszahlen zu erreichen.

Für Frust sorgt auch, dass die in den Sommermonaten übliche Direktverbindung zwischen Köln und Fehmarn im kommenden Jahr nicht ab Ostern, sondern erst vom 14. Juni an eingerichtet wird. Meyer-Lovis begründete dies mit fehlenden Fahrzeugen. Reinhard Sager antwortete, dass Fernverkehrszüge nicht nur im Sommer benötigt würden. Schließlich gebe es längst Ganzjahrestourismus und immer neue Hotels, Ferienhäuser und andere Anlagen, die von Urlaubern zu jeder Jahreszeit angesteuert würden. Reisende aus Nordrhein-Westfalen, Hessen und Niedersachsen müssten möglichst schnell in den Norden gelangen können. Gerade unter Gesichtspunkten des Klimawandels sei es sinnvoll, Menschen auf die Schiene zu bringen.

Verschärft werden dürfte die Situation im Kreis Ostholstein noch einmal, wenn auch auf deutscher Seite mit dem Bau der Schienenanbindung für die feste Beltquerung begonnen wird. Geschätzter Beginn ist derzeit das Jahr 2022.

Flyer für Bus- und Bahnkunden

Der Kreis Ostholstein hat in Kooperation mit dem Nahverkehrsverbund Schleswig-Holstein (Nah.SH) einen Flyer für Bus und Bahn entwickelt. In diesem finden sich touristisch relevante, gut ausgebaute Linienverbindungen im ÖPNV. Auf 30 Seiten werden 28 touristische Attraktionen sowie deren Erreichbarkeit vorgestellt. Er soll Touristen und touristischen Anbietern einen schnellen, ersten Überblick über das Angebot verschaffen. Abgerundet wird der Inhalt durch Informationen zum Schleswig-Holstein-Tarif sowie zur Rabattierung von Fahrpreisen für Ostsee-Card-Inhabern.

Der Flyer ist ab sofort bei den Touristen-Informationen in den Ostseebädern im Kreis Ostholstein erhältlich und kann online abgerufen werden unter www.klimaschutz-oh.de.

Sebastian Rosenkötter