Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Gut für die Umwelt und spart Geld: Klärschlamm trocknen mit Abwärme
Lokales Ostholstein Gut für die Umwelt und spart Geld: Klärschlamm trocknen mit Abwärme
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:54 20.10.2019
Die Stadtwerke Neustadt betreiben ein Klärwerk. Abwassertechniker Gernot Arendt kann die Abläufe bestens erklären. Quelle: Sebastian Rosenkötter
Neustadt

Ostholsteins Bürger produzieren jährlich Tausende Tonnen Klärschlamm – das was am Ende vom Abwasser aus Klo, Dusche und Co. übrig bleibt. Die Entsorgung kostet weit über eine Million Euro und wird immer teurer. Regelmäßig transportieren Lkw Container voller Schlamm nach Hamburg, Köln und bis nach Sachsen-Anhalt.

Um die Zahl der Fahrten deutlich zu reduzieren, plant der Zweckverband Ostholstein (ZVO) den Bau einer Klärschlammtrocknungsanlage auf dem Gelände des Neustädter Müllheizkraftwerkes (MHKW). Mit dabei sind auch die Stadtwerke Neustadt und der Zweckverband Karbrook.

Hanna Liedtke, Geschäftsbereichsleiterin der ZVO Entwässerung, ist so etwas wie der Kopf hinter dem Projekt. Sie ist davon überzeugt, den Wasseranteil im Klärschlamm deutlich reduzieren zu können. Bislang liegt dieser bei etwa 75 Prozent und erinnert in seiner Konsistenz an dunkle Erde – wobei der Geruch ein anderer ist.

Mithilfe eines sogenannten Bandtrockners sei es möglich, den Anteil auf zehn Prozent abzusenken. „Mehr als ein Drittel der Transporte würden eingespart“, sagt Liedtke. Die Trocknung selbst soll mit Wärme vom MHKW gelingen. Diese sei eh schon vorhanden und somit günstig zu haben. Die bei dem Prozess entstehende Luft soll abgesaugt werden. „Es wird keine Geruchsbelästigung geben“, betont die ZVO-Mitarbeiterin.

Das ist Klärschlamm

Klärschlamm ist in erster Linie Abfall, der nach der Behandlung von Abwasser übrig bleibt. Er besteht aus Wasser sowie organischen und mineralischen Stoffen. Uta Sablowski, Verbandsvorsteherin Zweckverband Karkbrook, erläutert: „Klärschlamm enthält zu einem erheblichen Teil pflanzenverfügbare Nährstoffe in Form von Stickstoff, Phosphat, Kalium, Magnesium und Calcium. Allerdings sind im Klärschlamm auch neben den Nährstoffen auch Schadstoffe enthalten wie Schwermetalle, Mikroplastik oder Arzneimittelrückstände.“

Gernot Arendt, Abwassertechniker der Stadtwerke Neustadt, berichtet zudem von einigen kuriosen Funden. Unter anderem seien schon Handys und Rasierklingen im Klärwerk angekommen. „Eben alles, was ins Klo passt“, sagt er.

Bakterien reinigen Abwasser

Dass Klärschlamm durchaus kräftig riechen kann, wird bei einem Besuch auf dem Gelände des Neustädter Klärwerks deutlich. 3000 Kubikmeter Abwasser kommen täglich in der Anlage am Ortsrand an. Davon würde sich – so erklärt es Abwassertechniker Gernot Arendt – nur ein Prozent absetzen. „Der Rest ist Wasser, wird weiter verarbeitet und gefiltert. In unserem Belebungsbecken werden Fette, Eiweiße und Kohlenhydrate von Bakterien gefressen“, erläutert er. Nach einem Tag sei das Nass wieder sauber und werde ins Binnenwasser geleitet.

Die übrigen 30 Kubikmeter Schlamm indes fließen in den Faulturm. „Dort leben andere Bakterien. Die haben etwa 25 Tage Zeit, Nährstoffe abzubauen. Dabei entsteht Methangas. Mit diesem erzeugen wir in einem Blockheizkraftwerk Strom“, sagt Gernot Arendt.

Am Ende landet der transportfertige Klärschlamm in Containern, wird zur Vera (Verwertungsanlage für Rückstände aus der Abwasserbehandlung) nach Hamburg gefahren. „Der kommt in die technische Verwertung“, sagt Arendt und schiebt erklärend hinterher, dass der Klärschlamm verbrannt werde. Das kostet laut Neustadts Stadtwerkeleiterin Vera Litzka jährlich etwa 111 000 Euro.

Im Neustädter Klärwerk werden Tausende Kubikmeter Fäkalien verarbeitet. Bei 99 Prozent der Menge handelt es sich um Wasser. Der Rest setzt sich ab, wird teilweise getrocknet.

Urlaubszeit ist Klärschlammzeit

Deutlich mehr ausgeben muss der Zweckverband Karkbrook (270 000 Euro pro Jahr), was schlichtweg auf die höhere Zahl an Abwasserverursachern zurückzuführen ist, die an die dortige Kläranlage angeschlossen sind. Laut Verbandsvorsteherin Uta Sablowski fallen jährlich 2700 Tonnen Klärschlamm an. „Wir haben in den Sommermonaten aufgrund der touristischen Ausprägung unseres Verbandsgebietes am meisten Klärschlamm.

Die Hauptmonate sind Juli, August und September, da fallen bis zu 320 Tonnen pro Monat an“, führt sie aus. Dies verwundert wenig, da zum Einzugsgebiet auch die Gemeinden Kellenhusen, Grömitz und Dahme gehören, die von vielen Urlaubern besucht werden. Noch mehr Schlamm läuft beim ZVO auf. Hanna Liedtke spricht von 8000 Tonnen im Jahr (aus 43 Gemeinden) und beziffert die Kosten auf 1,2 Millionen Euro.

Uta Sablowski leitet den Zweckverband Karkbrook. Quelle: Louis Gäbler

Positiver Nebeneffekt für die Umwelt

Uta Sablowski hält die geplante Klärschlammtrocknungsanlage für eine gute Möglichkeit, einen höheren Trocknungsgrad zu erreichen. „Für uns als Kläranlagenbetreiber ist es ein entscheidender Vorteil, dass der höhere Trocknungsgrad mit einer Reduktion der Entsorgungskosten einhergeht. Charme hat die Nutzung des Wärmeüberschusses der Müllverbrennung. Am Ende wird dadurch weniger Masse auf den Straßen transportiert werden und das hat neben den geringeren Transportkosten auch den schönen Nebeneffekt der CO2-Reduzierung“, sagt sie. Somit sei die Anlage eine wirtschaftliche und ökologisch gute Investition.

Sehen Sie auch:
Eine multimediale Reportage aus dem Neustädter MHKW.

Hinzu kommt, dass die Kosten für die Klärschlammverwertung zuletzt stark angestiegen sind. Sablowski berichtet von etwa 14 Prozent höheren Preisen, wobei der Zweckverband Karkbrook etwas günstiger weggekommen sei, da man in der Lage sei, größere Menge auf dem eigenen Gelände zwischenzulagern. Ihre Neustädter Kollegin Vera Litzka bezeichnet die Kosten als exorbitant gestiegen und würde gerne einen langfristigen Vertrag mit dem ZVO abschließen.

Lesen Sie auch:
Der Weg des ostholsteinischen Trinkwassers.

Bis zur Umsetzung der Pläne ist es jedoch noch ein weiter Weg. Hanna Liedtke sagt, dass es ein Konzept gebe und derzeit die genehmigungsrechtlichen Belange geprüft würden. „Für Genehmigung und Bau braucht man mindestens zwei Jahre“, schätzt sie. Behörden, der Kreis und die Stadt Neustadt müssten eingebunden werden.

Hier gibt es kostenfreies Trinkwasser

Von Sebastian Rosenkötter

Trotz diverser Singlebörsen im Internet – über eine 500 Jahre alte Eiche im Dodauer Forst werden immer noch Kontakte geknüpft. Ein Astloch fungiert als Briefkasten. Sogar Ehen sind so entstanden.

20.10.2019

Schauspieler aus GZSZ und Lindenstraße kamen zur Erstauflage des Festivals „Theater all inclusiv“. Fünf Gruppen mit rund 100 Darstellern machten mit. Was fehlte, waren Zuschauer.

19.10.2019

Schmiede aus ganz Deutschland zeigen in Schönwalde ihr Können. Die Werke sollen versteigert werden. Besucher können die Handwerker aus nächster Nähe beobachten und dürfen am Sonntag selbst an die Eisen.

19.10.2019