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Ostholstein Deshalb werden Ostholsteiner Erzieher
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08:52 12.01.2019
An der Beruflichen Schule in Lensahn werden Menschen zu Erziehern weitergebildet. Schulleiterin ist Anne-Sabine Kluvetasch (l.). Die LN sprachen mit den Schülern Ines Siepmann, Laura Pägelow, Sebastian Pawels und Clarissa Krüger (v. l.). Quelle: Sebastian Rosenkötter
Lensahn

Der Erzieher-Mangel ist deutschlandweit Thema. Wie die LN berichteten, werden allein in Ostholstein in den kommenden Jahren mindestens 100 Fachkräfte benötigt – und das nur im Bereich der Kindertageseinrichtungen. Die Zahl der Azubis muss gesteigert werden. Die Anreize für die mindestens dreijährige Weiterbildung müssen wachsen. Ein Problem ist die fehlende Vergütung. Wobei: Es ist keineswegs ungewöhnlich, dass Weiterbildungen nicht entlohnt werden. Dennoch darf nicht vergessen werden, dass die zukünftigen Erzieher etwa 30 Stunden pro Woche in der Beruflichen Schule in Lensahn verbringen. Hinzu kommen zahlreiche Stunden für Hausarbeiten. Viele müssen nebenher arbeiten.

Lange Fahrt zur Berufsschule

Eine von ihnen ist die Fehmaranerin Laura Pägelow. Die 22 Jahre alte Steuerfachangestellte bekommt knapp über 200 Euro Schüler-Bafög, geht viermal die Woche von 20 bis 22 Uhr Babysitten und arbeitet in den Ferien. Nur so kann sie Dinge wie ein Auto (pro Tag etwa 83 Kilometer nach Lensahn und zurück) finanzieren. Warum macht sie das? „Ich möchte gerne kleine Kinder auf ihrem Lebensweg begleiten und mich auf den Bereich Krippe spezialisieren. Seit ich hier bin, bin ich richtig glücklich“, sagte sie.

An der Beruflichen Schule in Lensahn werden Erzieher weitergebildet. Schulleiterin ist Anne-Sabine Kluvetasch. Die LN sprachen mit den Schülern (v. l.): Ines Siepmann, Laura Pägelow, Sebastian Pawels und Clarissa Krüger. Quelle: ON

Zufrieden ist auch Sebastian Pawels (29). Vor einigen Jahren wollte der gelernte Kaufmann vor allem viel Geld verdienen – so erzählt er es. Glücklich war der Vertriebler damit nicht. „Ich bin ein Mensch, der mit Menschen arbeiten muss. Geld hat nicht mehr die höchste Priorität. Ich möchte etwas machen, das mir Spaß macht“, sagt der Lütjenburger. Dies habe er gemerkt, während er sich für die vielen Flüchtlinge engagierte, die eine Zeit lang bei ihm vor der Haustür in einer Kaserne untergebracht waren. „Um weiter in dem Bereich arbeiten zu können, benötigt man eine pädagogische Ausbildung.“ Gesagt, getan: Läuft alles glatt, könne er 2021 als Street Worker loslegen.

Erzieher haben viel Verantwortung

Außenstellenleiterin Anne-Sabine Kluvetasch betont, dass es bei dem Kampf gegen Fachkräftemangel auch um Entlohnung gehe und darum, wie angesehen die Arbeit von der Gesellschaft sei. „Die Basis-Verantwortung für den gesamten Lebensweg legen Erzieher“, sagt sie. Michael Gülck, Leiter der Beruflichen Schulen im Kreis, ergänzt: „Der Erziehungsauftrag ist ganz wichtig und gewinnt an Bedeutung.“

Clarissa Krüger (23 aus Scharbeutz) sagt, dass die Arbeit mit Kindern weit mehr sei, als Lieder zu singen. „Wenn ich einem Kind beibringe, die Schuhe zuzubinden, macht der Mensch das noch mit 60 Jahren“, nennt sie ein Beispiel. Auch das Halten einer Schere und eines Stiftes gehöre dazu und habe mit der gezielten Förderung von motorischen und kognitiven Fähigkeiten zu tun. Um ihre Weiterbildung zu finanzieren, gehe sie zwölf Stunden pro Woche nebenher arbeiten. „Das ist nicht immer einfach“, betont sie und schiebt hinterher: „Hier sind Menschen aus den unterschiedlichsten Lebensumständen. Sie alle haben das gleiche Ziel. Das ist toll.“

Zu den Älteren gehört Ines Siepmann (43). Die Eutinerin hat über 20 Jahre als Restaurantfachfrau gearbeitet. „Ich musste mich aus gesundheitlichen Gründen umorientieren. Als der Erzieher-Mangel präsent wurde, habe ich darüber nachgedacht. Freunde und Familie haben mich bestärkt“, erinnert sie sich. Ihr Ziel ist es, im Elementarbereich sowie einer offenen Ganztagsschule zu arbeiten. Um über die Runden zu kommen, hat sie Aufstiegs-Bafög beantragt. „Der Antrag wurde erst zwei Monaten nach Ausbildungsbeginn genehmigt. Ich habe eine Familie, kann nebenbei nicht noch arbeiten gehen“, erläutert sie.

Viele Fachkräfte gehen aus Ostholstein weg

Die Bedingungen für Erzieher gelten als stark verbesserungswürdig. Diskutiert wird nicht nur eine Entlohnung während der Weiterbildung. Auch geht es um die Zeit danach. Die Zahl der Vollzeitstellen ist knapp. Anne-Sabine Kluvetasch erzählt von Jobangeboten aus Großstädten wie München und Dresden, davon dass Ostholsteiner Schüler wegziehen. Positiv sei, dass die Träger von Einrichtungen ihre Öffnungszeiten ausbauen würden. Dennoch habe der ländliche Raum aktuell einen Nachteil.

Sebastian Rosenkötter

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