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Ostholstein Ostholsteins höchste Bauwerke: Zwei ehemalige Horchtürme sind in den Top 10
Lokales Ostholstein Ostholsteins höchste Bauwerke: Zwei ehemalige Horchtürme sind in den Top 10
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08:39 26.10.2019
Die Ostsee-Erlebniswelt in Klaustorf lockt mit zahlreichen Meerestieren und einem fantastischen Ausblick vom ehemaligen Horchturm. Quelle: Sebastian Rosenkötter
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Neustadt/Klaustorf

Jahrzehntelang wurden die beiden Betonkolosse in Pelzerhaken und Klaustorf (Gemeinde Großenbrode) von Bundeswehr und Marine genutzt. Wer in den ehemaligen Horchtürmen arbeitete, hatte den Osten im Visier. 30 Jahre später zählen die Türme nach wie vor zu den höchsten Bauwerken im Kreis Ostholstein und haben noch immer eine Bedeutung.

Dennoch gehören sie mit 75 und 82 Metern im Gegensatz zum Fernmeldeturm auf dem Bungsberg, dem Maritim-Club-Hotel in Timmendorfer Strand sowie den Funktürmen in Stockelsdorf und bei Puttgarden auf Fehmarn nicht zum Club der mehr als 100 Meter hohen Bauten. Wobei einige Windkraftanlagen und der Freifallturm „Highlander“ im Hansa-Park natürlich auch höher als 100 Meter sind.

Nur einer ist als Aussichtsturm nutzbar

Die Türme wirtschaftlich zu nutzen, ist mehr als schwierig. Während im Kreisnorden eine Teillösung gefunden wurde und Besucher der Ostsee-Erlebniswelt eine beeindruckende Aussicht genießen können, sieht es in Neustadt anders aus. Markus Prieß, Amtsleiter für Finanzen und allgemeine Verwaltung, verfolgt die Ereignisse rund um den 82 Meter hohen Turm seit Jahren. „An dem Objekt haben sich schon viele versucht. Jedoch wurde nie etwas umgesetzt“, sagt er.

Karte zeigt Ostholsteins höchste Gebäude

Tolle Pläne, die nie Wirklichkeit wurden

Es gab Pläne, exklusive Wohnungen einzubauen und ein Kletterparadies zu schaffen. Ebenfalls diskutiert wurde die Realisierung eines Greifvogelzentrums sowie die Eröffnung eines Hotels. Abrissgedanken seitens der Stadt Neustadt wurden aufgrund enormer Kosten verworfen. Somit bleibt der Horchturm weiterhin fast komplett ungenutzt. Lediglich der Tourismus-Service lagert derzeit einige Sachen im Inneren. Zudem befinden sich Funkantennen von Telekommunikationsunternehmen in luftiger Höhe.

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Von hier wurde der Osten beobachtet.

Damit bleibt der Turm auch mehr als 20 Jahre nach dem Erwerb vom Bund ein großer Klotz am Bein der Stadt. Markus Prieß erinnert daran, dass vor mehr als 20 Jahren nicht nur der Turm, sondern auch noch rund 95 Hektar Land zwischen Rettin und Surfcenter Pelzerhaken erworben wurden. Erschwert wird die Situation dadurch, dass sich das Bauwerk, von dem früher der Osten beobachtet wurde, mitten in einem FFH-Gebiet (spezielles Naturschutzgebiet) befindet.

Der Turm in Pelzerhaken liegt sehr idyllisch im Naturschutzgebiet. Quelle: Sebastian Rosenkötter

Die Ostsee im Museum

Deutlich besser sieht es in Klaustorf aus. Schon von Weitem wird klar, dass der ehemalige Fernmeldesektorturm A Teil der Mega-Meereswelten ist. Betreiberin Evelyne Schopf hat auf die Außenwand in überdimensionaler Größe den Namen Ostsee-Erlebniswelt gemalt. Diese gehört zum Meeres-Zentrum auf Fehmarn. Schopf stellt klar: „Hier zeigen wir die Ostsee, auf Fehmarn die Tropen.“

Während das Gelände rund um den Horchturm zwischen 2011 und 2012 umgebaut wurde, gehört der Betonriese selbst erst seit 2017 richtig zum Unternehmen. Ihr Team und sie hätten mehrere militärische und technische Vorrichtungen ausbauen sowie eine Außentreppe als Fluchtweg anbauen müssen, sagt Schopf. Zudem dürfe nach wie vor nur ein kleiner Teil des Gebäudes von Besuchern betreten werden. „Wir nutzen nur die Aussicht plus den Fahrstuhl.“

In Klaustorf im Norden Ostholsteins befindet steht einer von zwei ehemaligen Horchtürmen im Kreis. Das mehr als 70 Meter hohe Bauwerk ist nur eingeschränkt nutzbar, und zwar als Aussichtsturm.

Die Luftwaffe ist weg, die Falken sind da

Der ehemalige 75 Meter hohe Horchturm war lange Stützpunkt der Luftwaffe und wurde erst 2004 außer Dienst gestellt. Er gilt als Wahrzeichen und wird immer wieder von Falken angeflogen. Wobei die Vögel auf der Spitze landen dürfen, während Besucher mit einem Fahrstuhl nur auf die in 35 Metern Höhe gelegene Aussichtsplattform gelangen. „Sie befindet sich in der siebten Etage. Wir haben neue Wände eingezogen, um den Bereich von dem Rest des Turmes abzutrennen“, erklärt Mitarbeiter Sven Gorgos. Bis zu 100 Menschen dürfen sich auf dem Aussichtsring aufhalten. Wobei: Sollte es zu stürmisch werden, müssen sie unten bleiben.

Aussicht bis nach Dänemark

Die Aussicht selbst ist beeindruckend: Heiligenhafen und die Fehmarnsundbrücke sind gut zu erkennen und laut Gorgos bei klarer Sicht sogar die dänische Insel Langeland. Wer Näheres über die Umgebung erfahren möchte, kann zudem mit dem Smartphone die an den Turmfenstern angebrachten QR-Codes einscannen. „Dann sieht man genau, was sich wo befindet“, sagt Sven Gorgos. Zudem gebe es zwei Webcams, die regelmäßig Bilder auf die Internetseite der Mega-Meereswelten schicken. So können Zuschauer auch von weit weg hoch hinaus.

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Von Sebastian Rosenkötter

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