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Ostholstein Parkplatzgeburt: Mutter und Baby im Rettungswagen vor Oldenburger Klinik versorgt
Lokales Ostholstein Parkplatzgeburt: Mutter und Baby im Rettungswagen vor Oldenburger Klinik versorgt
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09:52 27.08.2014
In der Oldenburger Sana-Klinik gibt es seit dem 1. August keine Geburtshilfe-Station mehr.
In der Oldenburger Sana-Klinik gibt es seit dem 1. August keine Geburtshilfe-Station mehr.
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Oldenburg

Die 34-Jährige, die in der vergangenen Woche auf einem Parkplatz im Rettungswagen ein Kind bekommen hat, ist anschließend zur Oldenburger Sana-Klinik gebracht worden. Dort entschied das Rettungsteam unter Leitung des Notarztes, auf den Neugeborenenen-Transportwagen aus Eutin zu warten und in der Wartezeit Mutter und Kind medizinisch zu versorgen. Das hat der für den Rettungsdienst zuständige Kreis Ostholstein bestätigt. Näher will sich der Kreis heute nach Auswertung der Rettungsdienstprotokolle äußern. Diese habe man von der Leitstelle angefordert, um den genauen Ablauf rekonstruieren zu können, heißt es. Die Sana-Kliniken Ostholstein haben ebenfalls für heute angekündigt, sich zu äußern.

In der vergangenen Woche hatte die Klinik in einer Mitteilung von einer problemlosen Geburt berichtet. Nach dieser seien „Mutter und Kind zur weiteren Versorgung in die Sana-Klink Eutin gebracht“ worden. Nach Angaben des Kreises ist der RTW nach der behelfsmäßigen Parkplatz-Entbindung bei Heiligenhafen jedoch nicht nach Eutin, sondern nach Oldenburg gefahren. Das habe der im Rettungswagen anwesende Notarzt entschieden, so Kreissprecherin Anja Sierks-Pfaff. Während im 40 Kilometer entfernten Eutin der Neugeborenen-Transportwagen einsatzbereit gemacht wurde und Richtung Oldenburg ausrückte, versorgten dort vor dem Klinikgebäude die diensthabende Klinik-Gynäkologin und zwei Krankenschwestern Mutter und Kind im RTW.

Die Sana-Kliniken Ostholstein haben die Geburtshilfe in Oldenburg offiziell zum 1. August geschlossen. Seitdem ist Eutin die einzig verbliebene Einrichtung dieser Art im Kreis. Aufgrund der mit der Schließung verbundenen Anfahrtszeit im Notfall von bis zu einer Stunde hatte es heftige Proteste von Eltern, Hebammen und Gynäkologen gegeben. Ein Boarding-Konzept in Eutin und ein unter der Führung des leitenden Notarztes des Kreises, gleichzeitig Sana-Arzt, erstelltes Notfall-Konzept sollten Notfälle ausschließen. Zusätzlich wurden alle Rettungsassistenten einer zweistündigen Schulung unterzogen. Inwieweit der Einsatzablauf sich mit dem Sicherheitskonzept deckt, sollen die Protokoll-Auswertungen des Kreises ergeben.

Bereits kurz nach Bekanntwerden der Schließung hatte es aus den Reihen des Rettungsdienstes einen Brandbrief an die Kreisverwaltung gegeben. In diesem wurden unter anderem die lange Anfahrtszeit zur dann einzigen Geburtshilfe und mögliche daraus resultierende Probleme bemängelt.

Bruns belegt Aussage nach Ministeriums-Kritik
Ein Streit über die Wahrscheinlichkeit künftiger Entbindungen im Rettungswagen ist zwischen der Sprecherin der Initiative zur Rettung der Geburtshilfe , Alexandra Bruns, und dem Gesundheitsministerium entbrannt. Bruns hatte behauptet, durch die nach der Oldenburger Schließung längeren Anfahrtswege nach Eutin könnten „solche Fälle künftig viel öfter vorkommen, als vom Ministerium behauptet“. Das Ministerium entgegnete, „eine Aussage dazu, wie häufig vergleichbare Fälle in der Region zukünftig vorkommen können, zu keiner Zeit gemacht“ zu haben und bezichtigte Bruns der wahrheitswidrigen Aussage. Doch die Aktivistin hält mit einem Auszug aus dem Sozialausschuss-Protokoll (12. Juni) dagegen. Dort wird Ministerin Kristin Alheit (SPD) zitiert: „Wichtig seien der funktionierende Rettungsdienst in diesem Bereich und die Bereitschaft der Kassen, ein Boarding-Konzept zu finanzieren. Das gewährleiste für gesunde Schwangere, dass eine Notfallsituation bei der Geburt eigentlich nicht eintreten könne, weil sie nah an einer Geburtsklinik seien.“

Holger Marohn

Artikel aktualisiert am 26. August 2014