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Ostholstein Pastor gibt heimischen Vögeln ein Zuhause
Lokales Ostholstein Pastor gibt heimischen Vögeln ein Zuhause
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17:31 21.08.2019
Das Waldkauzbaby schaut aus dem Nistkasten heraus. Quelle: Rüdiger Fuchs
Grube

Wenn der Waldkauz aus dem Nistkasten schaut, der Mauersegler durch die Lüfte schwebt und der Sumpfrohrsänger einen seiner vielen Töne zum Besten gibt, hat Pastor Rüdiger Fuchs aus Grube ein Lächeln im Gesicht. Der leidenschaftliche Vogelkundler freut sich über die vielen Tiere, die auf dem Kirchen- und Pfadfindergelände eine Heimat gefunden haben.

Biotop mit großer Artenvielfalt

„An der Artenvielfalt ist gut zu erkennen, wie kostbar sich das Biotop hier entwickelt“, sagt Rüdiger Fuchs, der von seinem Großvater schon als kleiner Junge für die Ornithologie begeistert wurde. Er erinnert sich: „Er war auch Pastor und brachte mir bei, sich so nah an die Nachtigall heranzuschleichen, dass ich ihr in die Pupillen schauen konnte.“ Für den 55-jährigen Gottesmann ist klar, dass Tiere ihren Platz im Paradies haben. Er habe früh gelernt, sie in die Gebete mit aufzunehmen, und besonders die Vögel hätten es ihm angetan.

Auf dem Kirchen- und Pfadfindergelände in Grube lässt sich eine vielfältige Vogelwelt entdecken.

Drei Mauerseglerpaare haben über den Sommer bei Rüdiger Fuchs auf dem Dach des Pastorats eine Nisthilfe bewohnt: „Sie sind mit 200 Stundenkilometern die schnellsten unter den Kleinseglern.“ Ein Pärchen habe es ihm besonders angetan. „Das sind ,Pörsi’ und ,Döschi’. Sie haben beide ganz unterschiedliche Charaktere“, sagt der Hobbyornithologe überzeugt. Auch wenn es jetzt im August schon zu spät sei für Nachwuchs, hätten sie für nächstes Jahr an ihrem Nest gebaut. Mittlerweile ist aber nur noch einer dort. „Also ist der andere schon auf seinem Afrika-Trip.“

Bodenbrüter brauchen mehr Schutz

Im Garten hat der Pastor Brennnesseln stehen gelassen und somit für die Ansiedlung des Sumpfrohrsängers gesorgt. „Der Vogel hat gleich im ersten Jahr Junge bekommen“, sagt Fuchs stolz.

Vielerorts werde den Bodenbrütern die Grundlage für Nachwuchs genommen, erläutert Bernd Koop von der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Schleswig-Holstein. Er sagt: „Wenn zum Beispiel die Straßenbaubetriebe vor dem 20. Juli zu weit am Straßenrand hinein – zum Teil über die Gräben hinweg – mähen, machen sie die Brut kaputt und es kommt zu großen Verlusten.“ Neben den Rohrsängern seien auch Rotkehlchen oder Sprosser betroffenen.

Pastor Rüdiger Fuchs ist Ornithologe aus Leidenschaft und zeigt einen der Nistkästen, in dem Waldkäuze ein Zuhause gefunden haben. Quelle: Markus Billhardt

Vor allem diesen Arten kann Rüdiger Fuchs einen Lebensraum bieten. Neben den kleinen sind aber auch viele größere Vögel anzutreffen: „Der Waldkauz überlebt im Land und bei uns in Grube nur noch wegen der Nistkästen“, betont der Pastor. Auch ein Turmfalke brüte an der Kirche und die Waldohreule habe sich wieder gezeigt. Gerade für diese Tiere, auch Bussarde, sei es ein gutes Jahr mit vielen Bruterfolgen, so Bernd Koop. „Sie leben von Mäusen und deren Population hat sich gegenüber dem Vorjahr wieder erholt, nachdem viele Mäuse im nassen Winter 2017/18 ertrunken sind.“

Der Feldornithologe von der Landesarbeitsgemeinschaft bestätigt: „Es gibt etwa 200 Brutvogelarten und jedes Jahr zeigt sich ein anderes Bild.“ Daher könnten nicht pauschal Aussagen über den Zustand abgegeben werden. Rüdiger Fuchs leiste aber einen besonderen Beitrag zum Vogelschutz. Die Liste der Vogelarten, die in Grube gesichtet wurden und wohl auch gebrütet haben, ist lang. Die Grau- und Kanadagans, der Fasan, sogar das Rebhuhn stehen darauf. Kleinere Vögel wie die Klappergrasmücke, der Gelbspötter, Grauschnäpper, Gartenrotschwanz und das Sommergoldhähnchen gehören ebenfalls dazu.

Abwechslungsreiche Tierwelt in Grube

Für den Weißstorch sind die Flächen wichtige Nahrungsgründe geworden, denn Pastor Fuchs beobachtet durch die Erweiterung des Pfadfindergeländes mit Kanustrecke auch eine deutliche Zunahme von Eidechsen, Fröschen und der Insektenvielfalt: „In Schleswig-Holstein sind alle vorkommenden Arten der Heuschrecke vom Aussterben bedroht, aber bei uns tummeln sich jetzt immer mehr. Es gibt wieder erste Konzerte von ihnen.“ Auch Fressfeinde der abwechslungsreichen Tierwelt würden sich mehr und mehr vor Ort entdecken lassen: „Regelmäßig sehe ich neuerdings ein Fuchspaar bei der Jagd und nicht nur das Wiesel, sondern auch das kleinste Raubtier am Boden: das Mauswiesel.“

Für den Vogel- und Tierfreund steht ganz klar fest: „Die Rückkehr eines kleinen Paradieses hat begonnen.“ Und nächstes Jahr im Mai hofft er dann auch ,Pörsi’ und ,Döschi’ wiederzusehen.

Das sind Ostholsteins Naturschutzgebiete

Von Markus Billhardt

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