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Ostholstein Peta-Aktivisten zappeln als Fische im Netz
Lokales Ostholstein Peta-Aktivisten zappeln als Fische im Netz
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19:23 28.03.2019
Benjamin Seeck, Sandra Matthiessen und Jens Vogt (hinten) stellten an der Niendorfer Seebrücke mit blauen Lippen Fische dar, die im Netz ersticken. Quelle: FOTOS: Ulf-Kersten Neelsen
Niendorf

Wenn es um das Leid der Fische geht, drückt sich Dr. Tanja Breining, Meeresbiologin und Fachreferentin für Fische und Meerestiere der Tierschutzorganisation Peta, drastisch aus: „Jedes Jahr werden Milliarden Fische in Netzen zerquetscht oder an Angelhaken aufgespießt. Sie ersticken oft qualvoll oder werden bei lebendigem Leibe aufgeschnitten.“ Anlässlich des in dieser Woche begangenen Welttags zur Abschaffung von Fischerei haben sich Peta-Aktivisten am Donnerstag als Fische verkleidet und in einem Netz gefangen an den Strand von Niendorf gelegt.

Was das Töten von Fischen angeht, erliegt Peta möglicherweise einem Trugschluss. Tierschutzgerechte Fischerei und artgerechtes Töten sind in vielen Fällen längst Standard. Freizeitfischer dürfen nicht rausfahren, bevor sie vom Kapitän des Angelkutters oder dem Vermieter des Bootes über tierschutzgerechte Fischerei belehrt werden. Dafür hat die Entwicklungsgesellschaft Ostholstein (Egoh) in Zusammenarbeit mit dem Hochseeanglerverband einen Lehrfilm produziert, der an Bord der Angelkutter gezeigt wird.

Tanja Breining setzt sich dafür ein, dass Fischfang und Aquakulturen sofort gestoppt und Fische nicht mehr für den menschlichen Verzehr verwendet werden dürfen. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Doch Peta geht es um mehr. „Wir wenden uns gegen jede Art von Fischfang und Aquakultur“, sagt Breining am Strand von Niendorf. Die zu ihren Füßen liegenden Aktivisten in meergrauen Anzügen mit Flossen daran und mit blau geschminkten Lippen winden sich in einem großen Fischernetz. Das sei nur eine von insgesamt fast 50 Aktionen in Deutschland, die sich gegen den Fang, das Töten und Essen von Fischen wendeten.

Ein Angelverbot soll her

Was aber ist mit den Millionen Menschen, die sich aus dem Meer ernähren? Alternativen hat Peta für sie nicht. „Uns geht es vor allem um die Tiere.“ Für die betroffenen Menschen fordere sie die Regierungen auf, dass sie deren Umschulung in nachhaltige, umwelt- und tierfreundliche Berufe finanziere, sagt Breining. Die Fischer sollten lernen, Laborfisch oder Laborfleisch herzustellen oder Gemüse und Getreide anzubauen. „Es gibt viele Gründe, keinen Fisch mehr zu essen“, fügt die Aktivistin hinzu und sagt, Peta gehe es auch darum, etwas gegen die Überfischung zu tun.

Zudem verweist die Tierschutzorganisation darauf, dass die Gemeinde Timmendorfer Strand, zu der Niendorf gehört, mit einem Angelverbot auf den Seebrücken – wie in der Nachbargemeinde Grömitz beschlossen – ein wichtiges Zeichen für den Schutz der Fische setzen könnte. Ein Angelverbot in Niendorf war schnell wieder aufgehoben worden, auch wegen der Proteste dagegen.

Unverständnis bei den Fischern

Der Niendorfer Fischer Peter Dietze und sein Mitarbeiter Jan Schuldt haben ihre eigene Meinung dazu. „Wir haben nicht wirklich Verständnis für sowas“, sagt Peter Dietze. Die Demonstration sei übertrieben und Peta sowieso sehr radikal eingestellt.

Dass die Organisation die Abschaffung von Fischfang aufgrund der Quälerei der Tiere fordert, macht den Fischwirtschaftsmeister böse. „Wir müssen doch auch von irgend etwas leben. Das ist ein sehr altes Handwerk“, erklärt er. 150 Kilogramm Fang holt der Niendorfer täglich mit seinem Boot „Freedom“ aus der Ostsee. Das reiche ihnen, um davon leben zu können. „Wir machen den Ozean nicht leer“, betont Dietze. Außerdem gebe es aufgrund der Fangquoten immer weniger Fischer.

Die Niendorfer Fischer Peter Dietze und Jan Schuldt haben kein Verständnis für die Aktion der Tierschützer. Quelle: Beke Zill

2006 gab es noch elf hauptamtliche Fischer in Niendorf, derzeit sind es drei. Und gerade die kleinen Fischer wie er achteten vermehrt auf das Wohl der Tiere. Wenn die Fische an Bord nicht nach Vorschrift getötet würden, gebe es empfindliche Strafen. Die Kontrollen sowohl an Bord von der Wasserschutzpolizei als auch an Land von Fischereiamt und Veterinäramt seien streng, sagt Dietze.

Der Niendorfer Hafen

Im Niendorfer Hafen gibt es nur noch drei hauptberufliche Fischer, die täglich auf die Ostsee rausfahren und dann ihren frischen Fang zum Teil direkt an der Kaikante verkaufen. Im Netz landen derzeit hauptsächlich Dorsch, Kliesche, Flunder, Scholle, Steinbutt und Hering. In der Blütezeit des Hafens Ende der 1940er Jahre machten mehr als 140 Fischkutter fest und holten über 5000 Tonnen Fisch im Jahr aus dem Meer. Aufgrund der Einführung von Fangquoten in den 90er Jahren reduzierte sich die Zahl der Fischer drastisch.

Für die Peta-Anhänger sind Fische – die Aktivisten verweisen dabei auf wissenschaftliche Studien – sensible Tiere, die Schmerz fühlen, aber auch intelligente und soziale Wesen. Manche Riff-Fische sängen gar wie die Vögel in der Morgen- und Abenddämmerung im Chor.

Susanne Peyronnet und Beke Zill

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