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Ostholstein Poker um Preis: Zieht ein Islam-Zentrum ins Witwenpalais?
Lokales Ostholstein Poker um Preis: Zieht ein Islam-Zentrum ins Witwenpalais?
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06:15 25.06.2019
Daniel Fey setzt der Stadt ein Ultimatum: Er erwartet bis zum 28. Juni für das Witwenpalais eine verbindliche Kaufzusage. Quelle: Ulrike Benthien
Eutin

 Alles schien auf einem guten Weg zu sein. Schon seit Jahren hat die Stadt Eutin ein Auge auf das Witwenpalais am Markt geworfen. Daniel Fey, Vertreter der Grundstücks-Eigentümerin, der SH-HH Immobilienverwaltung, bot es Bürgermeister Carsten Behnk (parteilos) Anfang des Jahres zum Kauf an. Dazu, dass die Stadt das historische Gebäude in ihren Besitz bringt, wird es aber offenbar nicht kommen. Daniel Fey hat ihr jetzt ein Ultimatum gestellt. Entweder, sagt der Kaufmann, zahle Eutin die von ihm geforderten 2,9 Millionen Euro. Oder er greife auf arabische Interessenten zurück. „Sie sind in der Lage, unbürokratisch und finanziell schnell zu handeln“, sagt Daniel Fey.

Islamisches Religionszentrum in Eutin

Mit den potenziellen Käufern arabischer Herkunft habe er bereits erfolgversprechende Gespräche geführt, diese aber unterbrochen, als die Stadt „Kaufabsichten zu einem marktgerechten Preis kundgetan hatte“, erklärt Fey. Sollte die Stadt sich nicht rühren, beabsichtige er außerdem, Anfang Juli „die vier islamischen Dachverbände, die in Deutschland tätig sind und sich im Koordinationsrat der Muslime zusammengeschlossen haben“ anzuschreiben. Er werde ihnen das Gebäude „zur islamistisch geprägten Religionsausübung anbieten“, hat Daniel Fey über seinen Hamburger Anwalt in einer Presseerklärung ausrichten lassen. „Wir werden anbieten, das Gebäude für eine Probezeit zu nutzen, um seine Tauglichkeit für den ins Auge gefassten Zweck zu erkunden“, heißt es darin weiter.

Fey ist sauer auf die Stadt, weil er die Verkaufsverhandlungen über das herzogliche Palais mit dem Bürgermeister schon vor einem erfolgreichen Abschluss wähnte. Es gebe eine Absichtserklärung, die von Carsten Behnk unterzeichnet sei, darin stehe die Summe von 2,9 Millionen Euro. Er habe sich bereits von 3,5 Millionen Euro herunterhandeln lassen, sagt Daniel Fey. Eutin poche jetzt auf ein Wertgutachten. Das soll nach LN-Informationen bei 1,4 Millionen Euro liegen. 20 Prozent (280 000 Euro) darf die Stadt drauflegen.

Daniel Fey attackiert den CDU-Fraktionschef

„So ein Wertgutachten wird im Vorwege einer Zwangsversteigerung erstellt. Hier geht es aber um ein freihändiges Verkaufsverfahren. Das ist inakzeptabel“, sagt Fey verärgert. Er macht vor allem einen Stadtvertreter dafür verantwortlich, dass der Handel vermutlich nicht zu seinen Bedingungen zustandekommen wird: Matthias Rachfahl, CDU-Fraktionsvorsitzender und Hauptausschussvorsitzender. „Herr Rachfahl gefährdet die Verhandlungen dadurch, dass er offensichtlich zu suggerieren versucht, das Witwenpalais könne von der Stadt Eutin zu einem Kaufpreis etwa in Höhe des Mindestgebots im Falle einer Zwangsversteigerung erworben werden“, heißt es in der Presseerklärung unter anderem.

Die Erklärung schließt mit einer Breitseite in Richtung des CDU-Fraktionschefs: „Die Ambitionen des Matthias Rachfahl im Hinblick auf das Amt des Bürgermeisters sind in der Stadt Eutin ein offenes Geheimnis. Bei einer religiösen Nutzung des Witwenpalais’ am Marktplatz wird dieser Wunsch aber mit Sicherheit eine Illusion bleiben!“

Rachfahl: „Fey kann in die Stadtvertretersitzung kommen“

„Ich kenne den Menschen gar nicht!“, sagt Matthias Rachfahl, mit den Vorwürfen konfrontiert. Er nehme an, dass Daniel Fey ihn attackiere, weil er Vorsitzender der mit elf Sitzen stärksten Fraktion in der Stadtvertretung und darüber hinaus Vorsitzender des Hauptausschusses sei. „Herr Fey kann gern am Mittwoch in die Stadtvertretersitzung kommen und mir das selbst sagen“, sagt Matthias Rachfahl. Der Hauptausschuss habe zu dem Kaufangebot für das Palais in nichtöffentlicher Sitzung einen Beschluss gefasst und den Bürgermeister als Chef der Verwaltung beauftragt, wie er damit umgehen solle.

Das Gebäude sei von einem Gutachter geschätzt worden, sagt Carsten Behnk. „Wir konnten dem Verkäufer vorbehaltlich der Zustimmung der politischen Gremien und der Kommunalaufsicht auf dieser Grundlage ein Gebot, das sich am Verkehrswert orientiert, unterbreiten.“ Eine Förderung im Rahmen der Städtebausanierung sei zuvor erfolgreich abgeklärt worden. Auf Basis des Wertgutachtens könne eine Förderung erfolgen. „Leider liegen die Kaufpreisvorstellung des Verkäufers und die Möglichkeiten der Stadt noch deutlich auseinander.“ Der Bürgermeister hofft darauf, dass es trotz allem eine Einigung „im Rahmen der Möglichkeiten der Stadt geben wird. Die Stadt Eutin hat großes Interesse am Erwerb des Witwenpalais.“

Sitz für Standesamt und Bürgerservice

Die Stadt möchte den Bürgern das Witwenpalais wieder zugänglich machen. Vorstellbar sei darin eine Begegnungsstätte, auch könnten der Bürgerservice und vor allem das Standesamt einziehen, so die Überlegungen.

Ulrike Benthien

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