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Ostholstein Polizeistudenten lösen echte Fälle und überführen Verbrecher
Lokales Ostholstein Polizeistudenten lösen echte Fälle und überführen Verbrecher
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16:38 01.04.2019
In Timmendorfer Strand werden Polizeistudenten ausgebildet. Mit dabei sind Andy Kukelka (v.) aus Krummesse und der Rostocker Stefan K.. Quelle: Sebastian Rosenkötter
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Timmendorfer Strand

Sie tragen schusssichere Westen, befragen Zeugen, ermitteln Brandursachen und kümmern sich um Internet-Betrüger. 14 Polizeistudenten haben seit Anfang Februar etwa 250 Vorgänge in der Polizeistation Timmendorfer Strand bearbeitet. „Das sind alles Echtfälle aus den Kommissariaten“, erläutert Jochen Berndt, Leiter der Fachinspektion I der Polizeidirektion Lübeck. Jeweils acht Wochen lang sind die zukünftigen Schutz- und Kriminalpolizisten in Ostholstein und der Hansestadt unterwegs.

Das Untersuchen von Drogen ist ein Bestandteil des Polizeidienstes. Quelle: HFR

Einer von ihnen erfüllt sich einen Kindheitstraum: Er heißt Andy Kukelka, ist 35 Jahre alt und wohnt mit seiner Ehefrau und drei Kindern in Krummesse. „Das ist mein Traumberuf. Ich war schon als Kind beim Spielen immer der Polizist“, sagt er rückblickend. Zudem habe er durch seine Eltern (zwei Polizisten) hautnah miterlebt, was es bedeutet, als Gesetzeshüter im Einsatz zu sein. Dennoch ließ sich Kukelka zunächst zum Fachinformatiker ausbilden, arbeitete acht Jahre in dem Beruf. „Mein Vater hat mich dann ermutigt, es doch mal bei der Polizei zu probieren“, berichtet der 35-Jährige.

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2020 endet das dreijährige Studium

Gesagt, getan. Nach zahlreichen Lauftrainings und der Auffrischung seines Allgemeinwissens hat er es fast geschafft. Bereits im Sommer 2020 könnte er als Schutzpolizist irgendwo im Norden im Dienst sein. Dann endet das dreijährige Studium an der Fachhochschule für Verwaltung und Dienstleistung in Altenholz (Kreis Rendsburg-Eckernförde). Der Gang zur Kripo kam für ihn nicht infrage. „Ich will auf die Straße und möchte als Polizist erkennbar sein“, betont Andy Kukelka.

Andy Kukelka während einer Verkehrskontrolle. Quelle: HFR

Stefan K. aus Rostock hat die andere Variante gewählt. Auch er ist ein Späteinsteiger. Der 31-Jährige hat einen Master in Alter Geschichte und sich anschließend für die Polizei entschieden. Warum? Er mag Kriminalgeschichten, hat unter anderem Sherlock Holmes gelesen. „Außerdem habe ich einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, bin aber nicht kleinlich. Ich wollte zur Kripo, weil ich mich in Fälle richtig einarbeiten kann“, erläutert er.

Nach Mord in Gremersdorf im Einsatz

Die Arbeit an echten Fällen war für die beiden Männer neu. Bislang gab es viel Theorie, Schießtrainings und Übungen in Selbstverteidigung. Seit Anfang Februar ging es um Betrugsfälle, Einbrüche, sexuelle Belästigung, räuberische Erpressung sowie die Planung und Durchführung von Durchsuchungen. „Tötungsdelikte werden in der Regel nicht abgegeben“, betont Jochen Berndt. Dennoch seien zwei Studenten nach dem Auffinden einer Frauenleiche in Gremersdorf zur Unterstützung der Ermittlungen der Mordkommission eingesetzt gewesen.

41 Stunden pro Woche, freiwillige Nachtschichten inklusive, müssen die angehenden Polizisten in Timmendorfer Strand arbeiten. Anschließend geht es für vier Monate auf verschiedene Dienststellen, bevor sie ihr Studium beenden. In welchem Ort sie anschließend arbeiten, ist offen. Die Verteilung erfolgt je nach Bedarf. Und eben dieser ist laut Jochen Berndt hoch. „Viele Beamte gehen in den kommenden Jahren in Pension“, erklärt er.

Neue Laufbahn für ehemaligen VfB-Spieler

Henrik Sirmais (28) aus Lübeck will schon bald als Kriminalbeamter unterwegs sein. Quelle: Sebastian Rosenkötter

Gerade erst am Anfang seiner beruflichen Polizeikarriere befindet sich Henrik Sirmais. Der 28-Jährige spielte jahrelang Fußball beim VfB Lübeck und war zuletzt als Physiotherapeut tätig. „Ich habe angefangen, mir mehr Gedanken über meine Zukunft zu machen. Mit meinem Job wäre es sehr schwer, eine Familie zu ernähren. Die Polizei hatte ich schon mal nach dem Abitur im Hinterkopf. Der Beruf ist sehr abwechslungsreich“, sagt Sirmais. In den vergangenen Wochen habe er erfahren, wie viel Spaß die Arbeit mache und welche Verantwortung er und seine Mitstreiter hätten. „Am Anfang des Ausbildungskommissariats war ich sehr aufgeregt und hatte Sorge, Fehler zu machen“, erzählt Henrik Sirmais.

Viel schiefgehen konnte aber nicht. Schließlich kümmern sich drei erfahrene Beamte um den Nachwuchs. „Wir haben ganz viele Fragen beantwortet und alle Vorgänge noch einmal

In Timmendorfer Strand werden derzeit Polizeistudenten ausgebildet. Benedict Ispas leitet das Ausbildungskommissariat. Quelle: Sebastian Rosenkötter

durchgeschaut“, verdeutlicht Benedict Ispas, Leiter des Ausbildungskommissariats. Zusammen mit zwei Kolleginnen mit langjährigen Erfahrungen im Bereich Kapital- und Sexualdelikte war er dafür verantwortlich, Abläufe aufzuzeigen und bei Schwierigkeiten zu helfen.

In den kommenden Monaten werden Andy Kukelka und die anderen zukünftigen Polizisten weiter ausgebildet, bevor der Traumberuf des jungen Mannes endlich Wirklichkeit wird.

Sebastian Rosenkötter

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