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Ostholstein Ausgezeichnet: Polizeischule Eutin ist jetzt „Schule ohne Rassismus“
Lokales Ostholstein Ausgezeichnet: Polizeischule Eutin ist jetzt „Schule ohne Rassismus“
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20:54 15.01.2020
Medi Kuhlemann, Felix Fröhlich, Aminata Touré, Christiane Balzer, Daniel Günther und Rieke Pätzold (v. l.) bei der Titelverleihung „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“. Quelle: Agentur 54°
Eutin

Die Paten sind prominent: Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) und Landtagsvizepräsidentin Aminata Touré (Bündnis 90/Die Grünen). Sie kamen zur offiziellen Titelverleihung nach Eutin. Die Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung und für die Bereitschaftspolizei darf sich jetzt „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“ nennen.

Zugestanden hat ihnen diese Bezeichnung die gleichnamige Initiative, ein Projekt des Vereins Aktion Courage. „Ich bin sehr stolz, Ihr Pate zu sein. Und ich bin stolz auf die Landespolizei, insbesonders die Polizeischule in Eutin“, sagte der Ministerpräsident.

Projekt „Schule ohne Rassismus“ gibt es seit 1995

Der Verein wurde 1992 von Bürgerinitiativen, Menschenrechtsgruppen, Vereinen und Einzelpersonen gegründet. Es war ihre Antwort auf den gewalttätigen Rassismus in Mölln, Solingen, Hoyerswerda und Rostock zu der damaligen Zeit. Das Projekt „Schule ohne Rassismus“ entstand 1995 in Deutschland, der Zusatz „Schule mit Courage“ wurde 2001 angefügt.

An der Eutiner Polizeischule hatte es in den vergangenen Jahren mehrfach Fälle von Rassismus, Sexismus und Diskriminierung gegeben. Der Umgang mit den von jungen Polizeischülerinnen und -schülern gemeldeten Vorkommnissen durch Polizeiführung und Innenministerium führte 2016 zu harscher Kritik. Vor allem die Piraten-Partei blieb hartnäckig an dem Thema dran, grub angeblich verschwundene Unterlagen wieder aus und sorgte dafür, dass Vorfälle aus dem Jahr 2014 erneut untersucht wurden.

Rund 300 Polizeiangehörige und Gäste nahmen an der Verleihung im Einsatztrainingszentrum der PD AFB teil. Quelle: 54° / John Garve

Direktion ist die erste Polizeischule bundesweit mit dem Titel

„Ja, die Polizeidirektion war in die Schlagzeilen geraten. Es gab rassistische und sexistische Sprüche von einigen wenigen“, sagte Torsten Geerdts, Staatssekretär im Innenministerium, rückblickend. „Aber Sie haben sich sehr deutlich davon distanziert.“ Die Schülerschaft habe entschieden, sich um den jetzt verliehenen Titel zu bewerben. „Der Polizei-Nachwuchs steht für Toleranz und Demokratie“, sagte Geerdts.

Er stellte in seiner Ansprache ebenso wie Christiane Balzer, Leiterin des Fachbereichs V (Allgemeinbildung) der Fachinspektion Aus- und Fortbildung, heraus, dass die Polizeischule in Eutin die erste Ausbildungsstätte der Polizei bundesweit ist, die diese Auszeichnung erhalten hat. „Wir stehen als Menschen hier, die Rassismus nicht dulden werden, wenn er ihnen begegnet“, sagte Christiane Balzer weiter.

Die Polizeidirektion in Eutin ist die erste Polizeischule in Deutschland, die den Titel „Schule ohne Rassismus“ trägt. Quelle: 54° / John Garve

Lehrer und Schüler wollen gegen Diskriminierung eintreten

Aktiv gegen jede Form von Diskriminierung eintreten – das ist das Ziel der Initiative und jetzt auch ihres neuen Mitglieds, der Polizeischule Eutin. Mindestens 70 Prozent der Menschen, die an der Polizeidirektion lernen und lehren, mussten sich mit ihrer Unterschrift dazu verpflichten. Die Initiative dazu ging von der Jugend-, Hauptjugend- und Ausbildungsvertretung aus.

Ihre Vertreter, am Mittwoch standen für sie die Anwärter Rieke Pätzold und Felix Fröhlich am Rednerpult, machten das Projekt durch Plakate bekannt, trugen es in ihre Ausbildungsgruppen, zum Stammpersonal, in den Unterricht und in Personalversammlungen.

„Sie zeigen für alle sichtbar, dass Sie für unsere Werte eintreten und die richtigen Schülerinnen und Schüler für die Arbeit bei der Landespolizei sind“, sagte der Ministerpräsident. 86 „Schulen ohne Rassismus“ gebe es inzwischen im Land, in Deutschland seien es 3200. „Sie setzen bundesweit ein Zeichen. Gerade weil Sie, die für Recht und Ordnung einstehen, dieses klare Signal geben“, fügte Günther an.

Polizeischule gehört jetzt einem Schulnetzwerk an

Übergeben wurde die Auszeichnung von Medi Kuhlmann, Landeskoordinatorin von „Schule ohne Rassismus“. „Sie gehören ab sofort zu einem Netzwerk“, betonte sie und lobte: „Ihre Schulgemeinschaft will aktiv werden. Sie will hinschauen. Dafür gebührt Ihnen Anerkennung und Respekt.“ „Schule ohne Rassimus, Schule mit Courage“ sei ein grundrechtliches Projekt für Handeln und Denken.

Rassismus-Vorwürfe an der Landespolizeischule

Rassistische Sprüche, sexuelle Beleidigungen und Mobbing – Vorfälle, die sich Anfang 2014 zwischen Auszubildenden an der Eutiner Landespolizeischule zugetragen hatten, ploppten 2016 erneut auf und brachten die Polizeidirektion für Aus- und Fortbildung und für die Bereitschaftspolizei (PD AFB) in die Schlagzeilen.

Drei junge Polizei-Anwärterinnen hatten männlichen Polizei-Azubis vorgeworfen, sie sexuell belästigt und in der Whatsapp-Gruppe der Ausbildungseinheit Porno-Bilder sowie gewaltverherrlichende und rassistische Plakate und Kommentare verschickt zu haben. Die Unterlagen zu den Vorfällen waren von der Landespolizei zwischenzeitlich vernichtet worden – aus Datenschutzgründen, hieß es. Vor allem der damalige Piraten-Abgeordnete Patrick Breyer forschte 2016 nach und sorgte dafür, dass ein Teil der verlorengeglaubten WhatsApp-Dokumente wiederbeschafft und dem Innenausschuss vorgelegt wurde.

Ende Juni 2016wurden gegen die beschuldigten männlichen Polizeianwärter doch noch Disziplinarverfahren eingeleitet. Einer der jungen Männer wurde in Folge Ende Juli 2016 aus dem Landesdienst entlassen.

Ausbilder sollen im Sommer 2017 in der Schule Polizeianwärter mit rassistischen Sprüchen beleidigt haben. Auch mehrere Fälle von Sexismus wurden damals bekannt. Dies zog disziplinarische und strafrechtliche Ermittlungen nach sich.

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Die Polizeischule habe Erfahrungen mit Rassismus gemacht, erinnerte auch Landtagsvizepräsidentin Aminata Touré. „Genau das ist der Grund, warum wir hier sind und warum Sie sich als Jugend- und Ausbildungsvertretung auf den Weg gemacht haben , etwas entgegenzusetzen. Ich freue mich unheimlich, Ihre Patin zu sein und kann Ihnen die Unterstützung des gesamten Parlaments versichern“, sagte sie.

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