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Ostholstein Pro und Kontra Belttunnel: Die Fronten bleiben verhärtet
Lokales Ostholstein Pro und Kontra Belttunnel: Die Fronten bleiben verhärtet
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10:04 21.11.2015
Vision von Femern A/S: So sollen die Portale für den Tunnel unter dem Fehmarnbelt aussehen. Quelle: Femern A/S
Ostholstein

Acht Tage Erörterung zum Belttunnelbau liegen hinter allen Betroffenen. Pro und viel Kontra wurden in der Halle 400 in Kiel ausgetauscht. Die Anhörungen sind ein unerlässlicher Schritt hin zur Baugenehmigung für den Tunnel. Die Positionen von Befürwortern und Gegnern bleiben aber verhärtet. Die Bewertung ökonomischer, ökologischer, verkehrlicher und juristischer Auswirkungen ist kontrovers.

Pro Belttunnel: Diese Position nimmt Bauherr Femern A/S ein. Claus Dynesen, Leiter der Genehmigungsabteilung bei Femern A/S, erklärte im Anschluss an die beiden Wochen: „Ein Team von rund 30 deutschen Experten und Fachleuten hat in den letzten Tagen in Kiel Fragen von Bürgern und Verbänden zu unseren Antragsunterlagen beantwortet. Die Erörterungen fanden in konstruktiver Atmosphäre statt.“ Zu einigen Punkten würden die Experten von Femern A/S in den kommenden Wochen die Planungsunterlagen mit Erläuterungen und Konzepten ergänzen und der zuständigen Planfeststellungsbehörde, dem Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein, zur Verfügung stellen. Dynesen: „Als dänisches Staatsunternehmen ist es uns wichtig, alle geltenden Umweltvorgaben und Vorschriften einzuhalten.“ Seit 2009 hätten daher etwa 150 Biologen, Geografen und Ingenieure intensiv untersucht, wie der Fehmarnbelt-Tunnel am umweltverträglichsten gebaut werden könne. „Wie beim Bau der Verbindungen über den Großen Belt und den Öresund wollen wir durch eine sorgfältige und gewissenhafte Planung sicherstellen, dass Auswirkungen auf die Umwelt womöglich ganz vermieden oder zumindest stark minimiert werden“, erläuterte Dynesen weiter.

Kontra Belttunnel: Vertreten durch Einzelpersonen, Interessens- und Umweltverbände (Aktionsbündnis gegen eine feste Fehmarnbeltquerung, BUND und Nabu) sowie die Fährreederei Scandlines. Das Fazit des Nabu: „Wenn der Vorhabenträger seinen Kurs nicht doch noch korrigiert, wird ein Rechtsstreit leider unvermeidlich sein. Die durchschnittlichen Verfahrensdauern bei den Verwaltungsgerichten betragen nach allen Erfahrungen in derart komplexen Großverfahren mehrere Jahre. Wir wundern uns daher über die Strategie des Vorhabenträgers, zahlreiche Kritikpunkte von Behörden und Umweltverbänden einfach stehen zu lassen und sich dadurch so offensichtlich angreifbar zu machen“, so Malte Siegert.

Ähnlich äußerte sich Hendrik Kerlen, Sprecher des Aktionsbündnis gegen eine feste Fehmarnbeltquerung: „Femern A/S wies alle Kritik an seinen Planungen entschieden zurück.“ Die Untersuchungen vom Bauträger zu den Auswirkungen der Bauarbeiten, vor allem der umfangreichen Baggerarbeiten, auf die Wasserqualität im Fehmarnbelt erwiesen sich laut Kerlen als unvollständig und methodisch fehlerhaft.

Kerlen spricht auch von erheblichen Sicherheitsmängeln des Tunnels. „Das haben externe Experten dargelegt.“ Kerlen glaubt daher: „Die Erteilung der Baugenehmigung wird sich erheblich verzögern.“

Die Genehmigungsbehörde wird das Gesagte der Erörterungstermine nun auswerten. Die Anhörungen waren eine Vorstufe zum Planfeststellungsverfahren.

„Die Baugenehmigung wird sich erheblich verzögern.“
Hendrik Kerlen, Aktionsbündnis
„Uns droht ein langer Rechtsstreit.“
Malte Siegert, Nabu
„Die Erörterungen waren sehr konstruktiv.“
Claus Dynesen, Femern A/S

Peter Mantik