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Ostholstein Wahnsinns-Fahrt: Motiv weiter unklar
Lokales Ostholstein Wahnsinns-Fahrt: Motiv weiter unklar
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19:32 06.07.2018
Der 29-Jährige war am Donnerstagmorgen in Scharbeutz mit seinem Wagen durch einen zur Urlaubersaison verkehrsberuhigten Bereich der Strandallee gerast. Quelle: Martina Janke-Hansen
Scharbeutz/Lübeck

Laut Anklagebehörde ist der Hamburger wegen Betäubungsmitteldelikten bereits polizeibekannt. Ob der 29-Jährige allerdings zur Tatzeit auch unter Drogeneinfluss stand, konnte die Polizei am Freitag auf Nachfrage noch nicht sagen. Es sei zwar eine Blutprobe entnommen worden, das Ergebnis liege jedoch noch nicht vor. In den Akten der Lübecker Staatsanwaltschaft wurde der Hamburger nicht geführt. Für einen terroristischen Hintergrund der Tat gebe es keinerlei Anhaltspunkte, teilte Oberstaatsanwältin Ulla Hingst mit. Ermittelt werde wegen des Verdachts der Gefährdung des Straßenverkehrs, der Unfallflucht, des Widerstands gegen einen Vollstreckungsbeamten und versuchter gefährlicher Körperverletzung, teilte eine Behördensprecherin mit. Der Hamburger ist vorerst in einer Neustädter Psychiatrie untergebracht. Er sei zur Sache noch nicht vernommen worden.

Bisher stellt sich der Ablauf des Geschehens vom Donnerstag wie folgt dar: Auf dem Scharbeutzer Seebrückenvorplatz fällt ein Mann durch seine Aggressivität auf. Er pöbelt Passanten an und führt Selbstgespräche. Gegen 9.50 Uhr wird die Polizei alarmiert. Eine Streife entdeckt den Verdächtigen im Bereich des Fischerstiegs 140. Zu diesem Zeitpunkt blutet der Mann bereits aus Schnittverletzungen an Hals und Armen, die er sich vermutlich selbst zugefügt hat. Wo er dies genau getan hat, ist zurzeit noch unklar. Als sich die Beamten dem Wagen nähern, rast der Hamburger in einem blauen Opel Vectra mit hoher Geschwindigkeit über die verkehrsberuhigte Promenade in Richtung Seebrückenvorplatz.

Dafür muss der Täter mit seinem Auto zuvor eine Reihe stählerner Poller passieren. Diese sind nach Auskunft des Scharbeutzer Bürgermeisters Volker Owerien (parteilos) an der Südseite des fußläufigen Bereichs bis 11 Uhr abgesenkt, damit der Lieferverkehr einfahren kann (LN berichteten).

 

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Ohne Rücksicht auf Fußgänger und Radfahrer, die sich nur durch beherzte Sprünge zur Seite vor Schlimmerem retten können, prallt der Wagen am Nordende der Promenade, unmittelbar vor dem Bayside-Hotel, zunächst gegen die dort stehenden Poller und dann gegen den Ampelmast, der dabei komplett aus der Verankerung gerissen wird. Laut Auskunft von Ortswehrführer Sebastian Levgrün sind die Poller in diesem Bereich immer oben, lediglich die am Südende würden für den Lieferverkehr abgesenkt.

Der Mann springt aus seinem demolierten Wagen und läuft blutverschmiert und mit freiem Oberkörper zunächst in Richtung Strand, dann weiter am Hotel vorbei bis zum Restaurant „Capolino“. Dort kommt es in und vor der Küche zu einem heftigen Handgemenge, bei dem der Tobende von Inhaber Lino Cimmino, einem Ex-Polizisten, überwältigt wird. Die inzwischen eingetroffenen Beamten legen dem sich massiv Wehrenden Handschellen an. Ein Beamter wird bei der Festnahme leicht verletzt, „er ist so weit wieder wohlauf“, sagte Polizeisprecher Dierk Dürbrook gestern. Der Festgenommene bleibe vorerst in ärztlicher Behandlung. Dazu, ob das Messer, mit dem sich der Mann vermutlich selbst verletzte, im kaputten Wagen des Rasers gefunden wurde, macht die Polizei „aus ermittlungstaktischen Gründen“ keine Angaben.

 

Es werden weiterhin Zeugen gesucht, die Angaben zu den Geschehnissen am Donnerstag machen können. Hinweise werden von der Scharbeutzer Polizei unter Telefon 045 03/357 20 entgegengenommen.

Von Martina Janke-Hansen und Curd Tönnemann

 

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