Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Prozess: 19-Jähriger wegen Körperverletzung und Diebstahls verurteilt
Lokales Ostholstein Prozess: 19-Jähriger wegen Körperverletzung und Diebstahls verurteilt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:41 09.07.2019
Ein 19-Jähriger aus Eutin musste sich vor dem Amtsgericht wegen Körperverletzung und Diebstahl verantworten. Quelle: Sabine Latzel
Anzeige
Eutin

Wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Diebstahls hat das Amtsgericht Eutin einen 19-Jährigen aus Eutin verurteilt. „Taten dieser Art dürfen sich auf keinen Fall wiederholen“, betonte die Vorsitzende Richterin Anja Farries bei der Urteilsverkündung. Gemäß Jugendstrafrecht sprach sie eine Verwarnung mit einem Freizeitarrest für ein Wochenende aus. Außerdem muss der junge Mann in den stationären Alkoholentzug.

Zwei Taten hatte Simon G. (alle Namen geändert) begangen – beide unter erheblichem Alkoholeinfluss. Bei einer Scheunenfete auf dem Gut Sierhagen in Altenkrempe ist der Angeklagte nach Auffassung des Gerichts im Oktober vergangenen Jahres ausgerastet. Er hat seinen Bekannten Johannes T. an einem Tresen mehrmals mitten ins Gesicht geschlagen.

Anzeige

Schläge auf die Nase: Opfer muss in Klinik

Der war als Zeuge vor Gericht geladen und erinnerte sich noch genau: „Ich habe einen Schlag von der Seite auf die Nase bekommen.“ Zwei weitere Schläge seien gefolgt, überall sei Blut gewesen. Johannes T. wurde mit dem Verdacht eines Nasenbeinbruchs in eine Klinik in Neustadt eingeliefert. Ganz so schlimm endete es glücklicherweise nicht. Dem Arztbericht zufolge hatte er eine Nasenbeinprellung und eine Platzwunde. „Seitdem kann ich auch nicht mehr so gut riechen“, erzählte der 19-Jährige.

Wieso es zum Ausbruch von Simon G. kam, darüber mutmaßte das Opfer. „Ich habe mich vorher mit ein paar Kumpels über ein Mädchen unterhalten“, erzählte der Zeuge. Was Johannes T. nicht gewusst habe: Das Mädchen war die Freundin von Simon G.. Der wiederum gab vor Gericht an, sich zwar an den Besuch der Feier, nicht aber an seinen Gewaltausbruch erinnern zu können. Was kein Wunder sei, die Polizei habe danach schließlich 2,7 Promille bei ihm festgestellt.

Einbruch in Hauskeller in Eutin

Der zweite angeklagte Vorfall hatte sich bereits Anfang August ereignet. Da war Simon G. mit einem Freund zusammen in einen Hauskeller in Eutin eingestiegen. Die Kellertür ist offen gewesen, der damals 18-Jährige hatte eine Kettensäge und zwei Akkuschrauber gestohlen. Auch dieses Mal war der junge Mann betrunken.

Zuvor sei er auf einer Party gewesen, berichtet sein Freund Steffen L., der ebenfalls als Zeuge geladen war. Der Angeklagte hatte sich mit einem weiteren Kumpel darüber verständigt, sich Zutritt zu einem Haus in der Umgebung zu verschaffen. Als die beiden Freunde kurze Zeit später verschwunden waren, und dann auch noch jemand auf der Party sein Handy vermisst hatte, hatte sich Steffen L. mit ein paar Leuten auf die Suche nach den beiden begeben.

Mehr aus dem Amtsgericht Eutin

Ein Jahr krankgefeiert: Soldat wegen Betrugs verurteilt

Mutter geschlagen:
Verwarnung für gewalttätigen Sohn

Anklage:
Betrunkene Polizeischüler vor Gericht

Sie hatten die Jungs in der Nähe eines Friedhofs gefunden. Tatsächlich hatten sie das vermisste Handy bei sich – und auch das Diebesgut aus dem Keller habe Steffen L. im Rucksack des Angeklagten gesehen. Laut Polizeibericht hatte der Angeklagte noch die Gegenstände über die Friedhofsmauer geworfen, bevor die Polizei eintraf. Doch die Beamten stellten schnell den Zusammenhang her.

Angeklagter muss gegen Alkoholsucht vorgehen

„Ich weiß davon nichts“, beteuerte Simon G. hingegen vor Gericht. Einsichtig zeigte sich der junge Mann nur in Teilen, entschuldigte sich immerhin im Nachhinein beim Bekannten, auf dessen Nase er eingeschlagen hatte. Sein Hauptproblem, darin sind sich Richterin Anja Farries und die Gutachterin der Jugendhilfe einig, ist seine Alkoholsucht. Nach eigenen Angaben trinkt der Angeklagte seit rund fünf Jahren zu viel, und das obwohl er an Epilepsie leidet.

Simon G. habe zwei Seiten, sagte die Gutachterin. Da ist der junge Mann, der einen guten Weg eingeschlagen hat. Der einen Realschulabschluss und ein freiwilliges soziales Jahr gemacht hat. „Eigentlich ist er ein sympathischer Typ“, sagte die Gutachterin. „Aber er hat seinen Drogenkonsum nicht im Griff.“ Simon G. schaffe es nicht aus eigener Kraft, da rauszukommen.

Deshalb ordnete Richterin Farries den stationären Alkoholentzug an. Der muss beim Gericht nachgewiesen werden. „Eigentlich sind Sie nämlich ein ganz anderer“, begründete sie ihr Urteil gemäß Jugendstrafrecht. Der Schlag auf die Nase sei aber „von erheblicher Gefährlichkeit“ für das Opfer gewesen. Und neben der vorsätzlichen Körperverletzung sei es auch „eine heftige Nummer“, in ein Haus einzusteigen. Immerhin sei der Angeklagte nicht weiter in die Wohnung vorgedrungen. „Denn für einen Wohnungseinbruchsdiebstahl droht einem Erwachsenen ein Jahr Haft“, machte die Richterin die Schwere seiner Taten deutlich.

Mehr interessante Artikel auf LN Online

Nach Hundeattacke:
Besitzer gibt Opfer falsche Daten

Umwelt:
Einweg- oder Mehrwegflaschen?

Ostsee:
Milder Winter begünstigt Quallen

Saskia Bücker