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Ostholstein Prozess um Gift im Essen: Staatsanwaltschaft fordert vier Jahre Haft
Lokales Ostholstein Prozess um Gift im Essen: Staatsanwaltschaft fordert vier Jahre Haft
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13:25 23.02.2018
Das Urteil soll am 2. März fallen.
Das Urteil soll am 2. März fallen. Quelle: LN-Archiv/dpa
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Lübeck

Die 50-jährige Floristin muss sich vor dem Lübecker Landgericht verantworten, nachdem sie im Sommer 2015 ihrem damaligen Ehemann – der im Prozess als Nebenkläger auftritt – ein pflanzliches Gift ins Essen gemischt hat. Nach mehr als sieben Monaten in Untersuchungshaft ist sie jetzt zunächst wieder auf freiem Fuß. Das Gericht hat inzwischen einem entsprechenden Antrag der Verteidigung stattgegeben.

Die Frage sei nicht, ob die Angeklagte tatsächlich getan habe, was ihr vorgeworfen werde, betonte Staatsanwältin Ann-Sofie Portius gestern in ihrem Plädoyer, sondern mit welcher Intention sie es getan habe. Während die Dahmerin selbst sagt, sie habe ihren mittlerweile geschiedenen Mann „nie ernsthaft verletzen wollen“, geht die Staatsanwältin nach wie vor von versuchtem Mord aus.

Die Dahmerin habe die Tat zwar gestanden, ihre weiteren Ausführungen seien jedoch „in entscheidenden Punkten widerlegt“ worden. So sei sie beispielsweise überzeugt, dass die Angeklagte nicht – wie von ihr behauptet – spontan gehandelt habe, sagte Portius. Die Floristin hatte erklärt, sie habe die giftigen Samen des Zerberusbaums zufällig ausgewählt, weil sie im Blumenladen gerade eine neue Lieferung der Pflanze auf dem Tisch gehabt habe. Im entsprechenden Zeitraum habe es jedoch nachweislich gar keine Bestellung gegeben, so die Staatsanwältin. Die Angeklagte habe sich bewusst für die Pflanze entschieden.

Das Urteil

 soll am 2. März um 9 Uhr verkündet werden. 

Dass ihr nicht bekannt gewesen sei, wie gefährlich das Gift ist, sei ebenfalls sehr unwahrscheinlich, so Portius. „Wer die Pflanze kennt, weiß, dass sie tödlich ist“, betonte sie. Es finde sich kein Text über den Zerberusbaum, in dem er nicht in Zusammenhang mit Mord oder Selbstmord gebracht werde.
„Man muss davon ausgehen, dass die Angeklagte ihren Mann töten wollte“, betonte Portius. Vieles spreche dafür, dass sie ihn habe loswerden wollen: Sie sei neu verliebt gewesen, habe sich aber vor den finanziellen Folgen einer Scheidung und den Reaktionen von Eltern und Nachbarn gefürchtet.
Rechtsanwalt Christian Schumacher hielt dagegen, die Dahmerin habe sich kurze Zeit nach der Tat sehr wohl von ihrem Mann getrennt – eine vermeintliche Angst vor diesem Schritt könne demnach kein Argument sein. Die „fehlende“ Bestellung erklärte er mit dem langen Zeitraum zwischen Tat und Gerichtsverhandlung. „Wir sprechen über den August 2015“, so Schumacher, da könne man sich bei Details schon mal irren.
Sowohl Verteidigung als auch Staatsanwaltschaft hielten der Angeklagten ihr Geständnis zugute. Sie „nehme ihr auch ab, dass sie die Tat bereut“, gestand Ann-Sofie Portius zu. Mit der offiziellen Entschuldigung und der Zahlung von 15<TH>000<TH>Euro Schmerzensgeld (die LN berichteten) habe die 50-Jährige „ernsthaft versucht, die Tat wiedergutzumachen“. Die Verteidigung sprach zudem von einer „positiven Sozialprognose“ und appellierte an das Gericht, auch zu berücksichtigen, dass (nach dem Verkauf des einen) auch dem verbliebenen Betrieb der Angeklagten die Insolvenz drohe, falls sie ins Gefängnis müsse.