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Ostholstein Mord-Prozess: Sohn wollte sich aus Unterdrückung befreien
Lokales Ostholstein Mord-Prozess: Sohn wollte sich aus Unterdrückung befreien
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18:43 23.04.2019
Der Vorsitzende Richter Christian Singelmann (r.) eröffnete den Prozess vor dem Lübecker Landgericht. Links: Verteidigerin Kerstin Raber, dahinter der Angeklagte (verdeckt durch eine blaue Mappe). Quelle: Sabine Latzel
Malente/Lübeck

Sie sei „eine Streitsucherin vom Allerfeinsten“ gewesen: Das sagt Jonathan B. über seine Mutter Barbara B. (alle Namen geändert). Der 37-Jährige, der in Ostholstein aufgewachsen ist, soll die damals 64 Jahre alte Frau im einstigen Elternhaus in Malente erstickt haben – um sich von Unterdrückung zu befreien und weil er um sein Erbe gefürchtet habe. Seit Dienstag muss sich der Angeklagte wegen Mordes vor der I. Großen Strafkammer des Lübecker Landgerichtes verantworten.

„Chronisch konflikthafte Beziehung“ zwischen Mutter und Sohn?

„Ich habe meine Mutter nie gehasst“, beteuert Jonathan B. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, im Oktober 2018 die nichts ahnende Frau getötet zu haben (die LN berichteten). Jonathan B. besuchte damals seine Mutter – beide lebten zu der Zeit in Berlin – im ehemaligen Elternhaus am Dieksee, das als Feriendomizil diente. Die Beziehung war laut Staatsanwältin Ann-Sophie Portius „chronisch konflikthaft“. Der Angeklagte berichtet von ständigen Vorwürfen seitens Barbara B., von Gefühlskälte, Herrschsucht und Erwartungen, die er „nicht ansatzweise“ erfüllen konnte.

Verhandelt wird vor dem Lübecker Landgericht in der Schwartauer Landstraße. Quelle: Sabine Latzel

„Ich war in meinem Leben eigentlich nichts“, erklärt Jonathan B. Nach der Schulzeit in Eutin und Plön habe er keine Ausbildung absolviert und nur gelegentlich Aushilfsjobs angenommen. Er sei cannabis- und später auch alkoholabhängig gewesen, zudem „pornosüchtig“ und zeitweise in psychiatrischer Behandlung. Das alles referiert der 37-Jährige – mittelgroß, mittelkräftig, kurze, dunkelblonde Haare, unauffällig gekleidet mit Turnschuhen, Jeans und grünem T-Shirt – ruhig und in durchaus wohlgesetzten Worten vor Gericht. Zur Tat äußert er sich bislang aber nicht.

Exzessiver Pornofilm-Konsum seit dem 18. Geburtstag

Seine ehemalige Lebensgefährtin sei ähnlich dominant wie seine Mutter gewesen, „sie hatte die Hosen an“. Seine üppige Freizeit habe er genutzt, um die Wünsche der Partnerin zu erfüllen, sagt Jonathan B. Zudem habe er exzessiv Pornos angesehen. Diese Leidenschaft habe direkt an seinem 18. Geburtstag begonnen. Zuvor habe er bereits häufig bei Sex-Hotlines angerufen, wodurch hohe Telefonrechnungen entstanden seien.

„Meiner Mutter war ich immer zu langsam“, sagt der Angeklagte. „Ich habe versucht, eine Art Stein zu sein, damit ihre Vorwürfe irgendwann aufhören.“ Sein Verhältnis zum Vater, der über 40 Jahre älter als die Mutter war, sei hingegen gut gewesen, „er war ein guter Zuhörer, um Harmonie bemüht, und hat mir nie etwas vorgehalten“. 2004 starb dieser „Ruhepol“ im Alter von 90 Jahren. Nach der Trennung von seiner Freundin zog Jonathan B. nach Berlin, wo die Mutter bereits lebte. Dort habe er zu trinken begonnen. Die Tage habe er mit stundenlangem Masturbieren verbracht und seinen Waschzwang ausgelebt, während seine Wohnung vermüllte.

Angriff auf die Mutter soll im Wohnzimmer stattgefunden haben

„Das ist eine Peinlichkeit ohne Ende für mich“, sagt Jonathan B. zum Vorsitzenden Richter Christian Singelmann. „Das muss Ihnen nicht peinlich sein“, meinte dieser: „Erzählen Sie einfach, wie es war.“ Er habe Psychopharmaka eingenommen und die Dosis etwa einen Monat vor dem Tod seiner Mutter verdoppelt, sagt Jonathan B. Die Wirkung sei daraufhin mehrmals „explosionsartig“ erfolgt – und eine dieser Explosionen sei „der Grund, warum wir hier sitzen“.

An jenem 13. Oktober 2018 sollte die Rückreise nach Berlin vorbereitet werden, heißt es in der Anklageschrift, Jonathan B. wollte jedoch in seinem Zimmer „schlafen und masturbieren“. Dabei habe ihn die Mutter gestört. Er sei ihr deshalb ins Wohnzimmer gefolgt und habe sie, als sie ihm den Rücken zuwandte, in den Schwitzkasten genommen und zu Boden gedrückt, „bis sie sich nicht mehr bewegte“.

Nach zwei Tagen rief der Anklagte den Bestatter an

Zwei Tage lag die Leiche im Wohnzimmer, dann meldete sich der Angeklagte bei einem Bestattungsunternehmen in Laboe mit der Bitte, seine Mutter abzuholen. Als er erklärte, dass kein Totenschein vorliege, informierte ein Mitarbeiter die Rettungsleitstelle. Ein Sanitäter stellte vor Ort fest, dass der Körper von Barbara B. vollständig erkaltet und erstarrt war, und alarmierte die Polizei.

Nach Angaben eines Beamten sei Jonathan B. „komplett neben der Spur“ gewesen. Der Polizist kannte den Angeklagten sogar: Eine Woche vor dem Tod von Barbara B. war dieser auf der Station in Malente erschienen, betrunken und offenbar verzweifelt: „Er sagte, dass er von seiner Mutter niedergemacht werde und finanziell von ihr abhängig sei.“ Aufgezeigte Hilfsangebote habe Jonathan B. aber nicht angenommen, erklärte der Zeuge. Bislang sind sieben Verhandlungstermine vorgesehen. Der Prozess wird am Dienstag, 14. Mai, fortgesetzt.

Sabine Latzel

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