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Ostholstein RAF, Gorleben, Küstenwache: Was ein Bundespolizist in 44 Jahren erlebt hat
Lokales Ostholstein RAF, Gorleben, Küstenwache: Was ein Bundespolizist in 44 Jahren erlebt hat
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16:55 29.07.2019
Inspektionsleiter Marco Antler geht nach 43 Jahren und zehn Monaten in den Ruhestand. Quelle: Sebastian Rosenkötter
Neustadt

Die Wände sind fast kahl, auf dem Boden stehen gefüllte Kartons, es herrscht Aufbruchstimmung. Wobei – eigentlich ist es ein Abschied. Nach 43 Jahren und zehn Monaten wechselt Marco Antler in den Ruhestand. Der Inspektionsleiter der Bundespolizei See in Neustadt hat viel erlebt. In Zukunft will er sich ehrenamtlich an Bord der Lisa von Lübeck engagieren.

Die Liebe zu Wasser und Schiffen begleitet den 61-Jährigen seit Jahrzehnten. Der Sohn eines Polizisten wuchs in Niedersachsen auf. Als Jugendlicher begann seine Leidenschaft für das Wasser. „Ein Nachbarsjunge hatte eine Jolle. Wir hatten beide keine Ahnung und sind auf der Elbe losgesegelt. Da habe ich meinen Hang zum Wasser gefunden“, erinnert er sich. Während sich Gleichaltrige von ihrem Konfirmandengeld ein Moped kauften, entschied sich Marco Antler für eine eigene 4,20 Meter lange Zweimannjolle.

Lesen Sie auch: Die neuen Super-Schiffe der Bundespolizei See.

Antler: „Private Belange sind heute wichtiger“

Dass er einmal zur See fahren würde, hätte Antler damals allerdings nicht gedacht. Nach der Schule schickte er an Zoll, Bundesgrenzschutz (BGS) und Landespolizei Bewerbungen raus. Der BGS als Vorgänger der Bundespolizei sei schlichtweg am schnellsten gewesen. Antler arbeitet damals fast drei Jahre auf den Flughäfen in Hannover und Köln/Bonn. Er bewacht mit Kollegen Richter während des Baader-Meinhof-Prozesses in Karlsruhe und wird bei Demonstrationen der Anti-Atombewegung in Gorleben sowie am Kernkraftwerk Brokdorf eingesetzt. „Wir waren Personal, wurden hin- und hergeschoben. Der Mensch zählte nicht viel. Heute ist das anders. Die privaten Belange sind bedeutender“, sagt Marco Antler.

Marco Antler, langjähriger Inspektionsleiter der Bundespolizei See, wurde von Kollegen und langjährigen Wegbegleitern in den Ruhestand verabschiedet. Natürlich hielt auch er eine Rede. Quelle: Sebastian Rosenkötter

Als 19-Jähriger hat er ein Schlüsselerlebnis: Während er mit seinem Vater ein Folkeboot (ein kleines Segelboot) auf dem Gelände der Neustädter Ancora-Marina saniert, sieht er erstmals die blau-weißen Schiffe der Küstenwache. „Ich wollte da hin. Bis zu dem Tag, wusste ich gar nicht, dass es diesen Bereich innerhalb des Bundesgrenzschutzes gibt“, erinnert er sich. Antler stellt ein Versetzungsgesuch und fängt im Winter 1978 bei der BGS See an. „Ich habe die Chance genutzt, Hobby und Beruf zu verbinden. Ich kann nicht verstehen, wie man ohne eine Affinität zum Wasser hierherkommt“, sagt er.

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Die Bundespolizei See ist seit Jahrzehnten eng mit Neustadt verknüpft. Immer wieder berichten die Lübecker Nachrichten über die Küstenwache. Hier gibt es weitere Artikel und Bilder:

Ein Werftbesuch: Im niedersächsischen Berne wurden und werden die drei Stahlkolosse größtenteils gebaut. Wie es dort zugeht, steht hier.

Der erste Neubau wurde im vergangenen Winter getauft. Die Taufpatin kommt aus Ostholstein und darf ihr Leben lang an Bord.

Ausgemustert: Bereits im Frühsommer 2017 wurden die langjährigen Einsatzschiffe „Bad Düben“ und „Neustrelitz“ ausgemustert. Die Schiffe waren seit 1993 im Dienst der Küstenwache.

Die beiden Schiffe wurde anschließend versteigert und in Dänemark verschrottet. Welche Rolle das Kriegswaffenkontrollgesetz spielte, steht hier.

1964 feierte die Bundespolizei See ihr 50-jähriges Bestehen in Neustadt – natürlich mit einem großen Fest.

Die Küstenwache ist weit mehr als die Bundespolizei. Auch eine TV-Serie und ein großes Fest spielen in Neustadt eine Rolle. Fast alle LN-Artikel zum Thema Küstenwache gibt es hier.

Zum Beispiel diesen hier: 2014 wurde bekannt, dass das ZDF die Serie „Küstenwache“ einstellt. Sie hatte stets Millionen Zuschauer und war ein wichtiger Werbefaktor für die Stadt Neustadt.

Personalsuche ist ein Dauerthema

Noch ein Unterschied zu früher sei, dass die Behörde damals kaum Öffentlichkeitswerbung gemacht habe. „Ich habe eine Initiativbewerbung geschrieben. Heute läuft eine Dauerausschreibung, um Nachwuchs aus den eigenen Reihen zu rekrutieren“, erklärt er. Das Gewinnen von Personal ist für die Bundespolizei See ein Dauerthema, da in den kommenden Jahren zahlreiche langjährige Beamte in den Ruhestand gehen.

Antler selbst lässt sich bei der Küstenwache ausbilden, fährt mit dem Schlepper „Rettin“ auf Nord- und Ostsee. „Im Winter haben wir Eis gebrochen, im Sommer waren wir bei maritimen Großveranstaltungen wie der Travemünder Woche im Einsatz.“ Dinge wie Arbeitszeitverordnung seien Fremdworte gewesen. Dennoch habe er seine Arbeit geschätzt und sei nach sechs Jahren in die Europastadt Neustadt gezogen. Dort war Antler in der Volleyball-Abteilung des TSV Neustadt aktiv und hatte lange Zeit einen Liegeplatz im Hafen.

Marco Antler, Erster Polizeihauptkommissar und Leiter der Neustädter Inspektion, bei der Außerdienststellung zweier Schiffe im Jahr 2017.

Zwölf Jahre pendeln nach Cuxhaven

Dennoch ereilt ihn dasselbe Schicksal wie viele Beamte der Bundespolizei See. Er muss die Dienststelle wechseln, pendelt zwölf Jahre nach Cuxhaven. Als Kommandant ist er auf Schiffen wie der „Bad Düben“ im Einsatz, die auch als Filmkulisse für die ZDF-Serie „Küstenwache“ diente. 2004 schließlich folgt ein Jahr im Potsdamer Bundespolizei-Sitz, bevor er stellvertretender Inspektionsleiter in Neustadt wird und 2014 an die erste Stelle aufrückt.

Maßgeblich beteiligt ist Marco Antler seit Jahren an der Ausrichtung der jährlich von Tausenden Menschen besuchten Großveranstaltung „Tag der Küstenwache. „Als die Serie auslief und die Schauspieler nicht mehr kamen, haben wir uns gefragt, ob wir es sein lassen“, schildert er die Entwicklung im Jahr 2014. Marco Antler, Andrea Elisabeth Brunhöber vom Stadtmarketing und Stephan Reil vom Tourismus-Service entschieden sich dagegen und sorgen seitdem für eine maritime Vorzeigeveranstaltung.

Marco Antler engagierte sich stets für den „Tag der Küstenwache“, so auch in diesem Jahr. Quelle: Markus Billhardt

Marco Antler zieht Bilanz

In Zukunft müssen Antlers Mitstreiter ebenso wie seine Kollegen von der Bundespolizei See jedoch ohne ihn auskommen. Was bleibt, ist ein Fazit: „Es war abwechslungsreich, anspruchsvoll und ich habe es immer sehr zu schätzen gewusst, wenn wir von Bürgern positive Reaktionen auf unsere Arbeit bekommen haben.“

Große Spende für Kinderzentrum

Das Team um Marco Antler, scheidende Inspektionsleiter der Bundespolizei See in Neustadt, hat erneut monatelang um Spenden gebeten und zusätzlich eine Tombola am Tag der Küstenwache veranstaltet. Bei der Verabschiedung Antlers am 25. Juli gab dieser bekannt, dass in diesem Jahr 6013,02 Euro an das Kinderzentrum Pelzerhaken gehen – so viel wie nie zuvor.

Sebastian Rosenkötter

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