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Ostholstein Reitprojekt für Flüchtlinge: Fehlt bald das Geld?
Lokales Ostholstein Reitprojekt für Flüchtlinge: Fehlt bald das Geld?
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20:40 27.06.2019
Fluchttrauma bewältigen: Der elfjährige Rashid kann beim Reiten mit Hofbesitzerin Nina Weilandt wieder lachen. Quelle: Markus Billhardt
Fehmarn

Rashid aus Syrien sitzt verkehrt herum auf dem Pferd. Er hat mittlerweile die Scheu vor dem Tier abgelegt, Vertrauen gefunden. Der Elfjährige macht bei einem integrativen Reitprojekt auf dem Ferienhof von Nina Weilandt in Presen auf Fehmarn mit. Integrationslotsin Nadine Witt hat diese pädagogische Betreuung mit Pferden ins Leben gerufen, die vom Landessportverband unterstützt wird. Das Projekt könnte aber auf der Kippe stehen – wegen einer Kürzung der Fördermittel.

Integrationslotsen als Netzwerker auf Fehmarn

„Die Integration durch den Sport liegt uns sehr am Herzen“, betont Bernd Küpperbusch, Vizepräsident des Landessportverbandes Schleswig-Holstein (LSV). Die Integrationslotsen seien dabei wichtige Netzwerker als Bindeglied zwischen Geflüchteten, Migranten und den Sportvereinen und -verbänden. Sie sind auch Ansprechpartner für Kommunen und Behörden. 46 Integrationslotsen im ganzen Land und aktuell vier im Kreis Ostholstein wollen mit vielen kleinen Projekten Menschen für den Sport begeistern und sie dadurch am gesellschaftlichen Leben teilhaben lassen.

Aber es gibt ein Problem. „Wir haben bisher etwa 400 000 Euro an Fördermitteln für Integrationsmaßnahmen bekommen. Für 2020 stehen aktuell nur rund 129 000 Euro im Raum“, erläutert Küpperbusch. Damit könnten zwar die Intregrationslotsen gefördert werden, aber nicht unbedingt die einzelnen Projekte. „Bleibt es bei den Kürzungen, können landesweit nicht mehr alle zustande kommen“, betont Thomas Niggemann, LSV-Geschäftsführer für Breitensport. Es wäre fatal, die Ressourcen der gut ausgebildeten Lotsen so zu vernichten. Sie seien die „Kümmerer“, die die Menschen an die Hand nähmen.

Vertreter des Landessportverbandes, Integrationslotsen aus Ostholstein und Landtagsabgeordnete besuchen das Projekt „Pädagogische Betreuung mit Pferden“.

„In unseren integrativen und inklusiven Gruppen geben wir Kindern den Mut, den es braucht, um Barrieren zu überwinden“, erläutert Nadine Witt vom SV Fehmarn und Fehmarnschen Ringreiterverein. Sie hat in der Vergangenheit mit Schwimmkursen angefangen und im Frühjahr zusammen mit Hofbesitzerin Nina Weilandt das Reiten als erweitertes Angebot initiiert.

„Am Beispiel von Rashid zeigt sich, was die Arbeit bewirken kann. Am Anfang hatte ich einen verängstigten Jungen vor mir, der sich kaum etwas zutraute“, sagt Witt. Die Mittel für die Integrationslotsen seien ohnehin knapp bemessen. „Die Arbeit ist mit Geld kaum aufzuwiegen, da sie für die Teilnehmenden einen unschätzbaren Wert hat“, sagt Nadine Witt. Daher sei es wichtig, zu zeigen, wie nachhaltig die Tätigkeit eines Integrationslotsen ist.

Pädagogisches Reiten zur Traumabewältigung

Für die Integrationslotsin ist es ein Herzensprojekt. In diesem Fall ist auch die ganze Familie von Rashid dabei. „Sie sind alle durch die Erlebnisse der Flucht traumatisiert“, berichtet Nadine Witt. Die Kinder seien auf Pferderücken gesetzt worden, um in die Türkei zu fliehen, obwohl sie schreckliche Angst vor den Tieren hatten. „Durch das Reitprojekt können sie die Schrecken der Vergangenheit ein Stück weit verarbeiten und wieder gemeinsam lachen.“

Auch die anderen Integrationslotsen aus Ostholstein leisten Vernetzungs- und Integrationsarbeit. Etwa Bahaa Mohammad von der BSG Eutin, Valentin Gepper vom TSV Neustadt und Jörg Ilinseer vom VfL Bad Schwartau, der durch seine Boxangebote für Kinder und Jugendliche im ganzen Kreis bekannt ist. Sie bringen sich auch mit Fußball, Volleyball, Ferienfreizeiten und anderen Programmen ein. Doch die finanzielle Unterstützung für die Projekte ist in Gefahr.

Das Projekt

„Integrationslotsen im Sport“ ist ein Projekt des Landessportverbandes Schleswig-Holstein (LSV). Die im LSV angesiedelten Programme „Sport für alle – mit Flüchtlingen“ und „Integration durch Sport“ werden vom Ministerium für Inneres, ländliche Räume und Integration des Landes Schleswig-Holstein und vom Bundesministerium des Innern, Bau und Heimat gefördert. Seit Januar 2019 wird das Projekt auch von der Europäischen Union unterstützt.

Landesweit werden 46 Integrationslotsen in allen 15 Kreisen und kreisfreien Städten beschäftigt. In Ostholstein sind derzeit vier Integrationslotsen aktiv: Nadine Witt (Fehmarnscher Ringreiterverein/SV Fehmarn), Valentin Gepper (TSV Neustadt), Jörg Ilinseer (VfL Bad Schwartau), Bahaa Mohammad (BSG Eutin). Der SV Heringsdorf möchte in Kürze einen Integrationslotsen einsetzen.

Ansprechpartner beim Landessportverband sind Karsten Lübbe, Programmleitung Integration durch Sport, Telefon 0431/6486-107, E-Mail karsten.luebbe@lsv-sh.de sowie Sebastian Reiter, Referent für Integration durch Sport, Telefon 0431/6486-106, E-Mail sebastian.reiter@lsv-sh.de.

Markus Billhardt

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