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Ostholstein Er will einfach nicht aufhören: Rolf Halbach hält Oldenburgs Straßen sauber
Lokales Ostholstein Er will einfach nicht aufhören: Rolf Halbach hält Oldenburgs Straßen sauber
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07:00 13.03.2020
Rolf Halbach in der Fußgängerzone in Oldenburg: Montags und dienstags macht er dort die Mülleimer leer und hält die Straßen sauber. Quelle: Luisa Jacobsen
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Oldenburg

Am meisten sammle er Verpackungen auf, sagt Rolf Halbach. Mit einer Kneifzange in der einen Hand und einem blauen Müllsack in der anderen, geht er die Oldenburger Wallstraße entlang. „Bonbonpapier, To-Go-Packungen, solche Sachen liegen viel herum“, sagt Rolf Halbach. Kaum fünf Schritte macht er, bis er schon wieder die Zange ausstrecken muss. „Wenn man fertig ist, kann man gleich wieder von vorn anfangen“, sagt er mit einem Lächeln. Es stört ihn nicht. Rolf Halbach mag seinen Job bei den Kommunalen Diensten in Oldenburg. So gern, dass er nicht einmal seine Rente in diesem Jahr antreten möchte.

In Rente gehen möchte Rolf Halbach noch nicht

„1987 habe ich hier angefangen“, erzählt der 65-Jährige. Lange war er für die Grünpflege zuständig, hat Beete gepflegt, Sportplätze und Wiesen gemäht und Bäume gefällt. Vor drei Jahren etwa hat er den Bereich gewechselt und dreht seither mit einem Piaggio seine Runden in Oldenburg. Er leert Mülleimer und holt den Dreck von der Straße. Montags und dienstags bin ich in der Innenstadt unterwegs“, sagt er. An den anderen Tagen geht es in die Außenbereiche der Stadt. Am 9. Dezember müsste Halbach dann in Rente gehen. Doch er möchte nicht.

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Rolf Halbach an der St.-Johannis-Kirche in Oldenburg. Quelle: Luisa Jacobsen

„Mit Herrn Halbach ist es etwas schwierig“, sagt Bürgermeister Jörg Saba (parteilos) lächelnd. „Er möchte nicht in Rente gehen und auch ungern in den Urlaub.“ Dem Bürgermeister sei Rolf Halbach schon vor längerer Zeit aufgefallen, erzählt er. „Er macht seine Arbeit besonders umsichtig, sie scheint für ihn mehr als nur Pflichterfüllung zu sein.“ Deshalb hat der Bürgermeister Rolf Halbach kürzlich in sein Büro eingeladen und sich bedankt. Bei der Gelegenheit hat er auch vom Werdegang des Angestellten erfahren. Und der ist schon erstaunlich.

Gelernter Konditor mit ungewöhnlichen Hobbys

Denn gelernt hat Rolf Halbach etwas ganz anderes. „Ich bin Konditor“, sagt er. In Oldenburg hat er die Lehre gemacht und zwölf Jahre in diesem Beruf gearbeitet. Irgendwann musste er aufhören. Arbeit gab es oft nur während der Saison. Nachdem er bei den Kommunalen Diensten angefangen hatte, hat Rolf Halbach Anfang der 90er Jahre ein Fernstudium Freies Zeichnen und Malen aufgenommen und abgeschlossen. „Gestaltung ist einfach meins“, sagt er. „Als Konditor gestaltet man ja auch.“

Mittlerweile habe er das Malen und Backen aber aufgegeben. Stattdessen hilft er dabei, für andere die Stadt schön zu machen. „Das ist auf jeden Fall eine sinnvolle Aufgabe. Man ist draußen an der frischen Luft und so, kommt mit Leuten ins Gespräch“, sagt er. Und auch wenn es mal nicht so schön ist, es den ganzen Tag durchregnet und kalt ist, dreht Rolf Halbach unbeeindruckt seine Runden. „Das ist dann so.“ Klagen helfe nicht. „Ich versuche, alles immer positiv zu sehen.“ Im Gegensatz zu den anderen Mitarbeitern dreht Rolf Halbach seine Runden allein. „Die anderen sind in Teams unterwegs“, erklärt Bürgermeister Jörg Saba. Herrn Halbach aber liege offenbar die Arbeit allein.

Ja, ein bisschen eigenbrötlerisch sei er schon, sagt Rolf Halbach. Deswegen brauche er vielleicht auch die Beschäftigung. Das gilt auch für sein Privatleben. Neben Hobbys wie Landschaftsfotografie und Musik hat er eine ausgeprägte Sammelleidenschaft für alte Postkarten und Dokumente. Mit der Zeit sei es ein richtiges Archiv geworden, erzählt er. Genau wie im Berufsleben hat Rolf Halbach immer wieder Neues ausprobiert, manches weiter verfolgt, anderes aufgegeben. „Orgel habe ich auch mal gespielt. Jetzt könnte ich es aber nicht mehr so gut. Doch der Wille war da“, sagt er lachend.

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Wer Rolf Halbach durch die Straßen ziehen sieht, vermutet diese Vielzahl an Interessen und Talenten wahrscheinlich nicht. „Das ist ja immer so“, sagt er. Man könne nie in die Menschen hineinsehen. Am Oldenburger Marktplatz steht er vor einem Mülleimer und zeigt, wie der geleert wird. „Sie werden aufgeschlossen und gehen dann unten auf. Das ist schon eine saubere Sache.“ Ganz allgemein sei die Stadt auch sauberer geworden, findet Rolf Halbach. „Die Menschen werfen eher weniger auf die Straße als früher. Ich finde es auch gut, dass es gelbe Tonnen für die Verpackungen gibt, nach Sturm liegt sonst viel herum.“

Rolf Halbach schließt am Oldenburger Markt eine Mülltonne auf. Quelle: Luisa Jacobsen

Die Stadt sucht jetzt nach Wegen, Rolf Halbach noch eine Zeit lang zu behalten. „Wir haben seinen Wunsch wahrgenommen und schauen jetzt, ob das realisierbar ist“, sagt Jörg Saba. „Wir wissen, was wir an Herrn Halbach haben.“ Der hofft, dass es mit der Verlängerung klappt. Doch auch wenn er eines Tages wirklich aufhören muss, ein wenig werden die Oldenburger vielleicht trotzdem noch von seinem umsichtigen Müllsammeln profitieren. Denn schon jetzt kann er es auch nach Dienstschluss nicht lassen: „Wenn ich mich sonntags auf den Weg mache, um eine Zeitung zu kaufen, und große Verpackungsreste rumliegen sehe, hebe ich die schon auf“, sagt er. „Das ist einfach so drin und ich habe das auch zu Hause gelernt: Müll, der rumliegt – das muss nicht sein.“

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Von Luisa Jacobsen