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Ostholstein Rückenwind für Regine Jepp
Lokales Ostholstein Rückenwind für Regine Jepp
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20:10 24.04.2018
Regine Jepp (2. v. l.) bekräftigte in der Jahresversammlung, dass sie die Kritik an der Bildauswahl des Kalenders 2019 für überzogen hält.
Regine Jepp (2. v. l.) bekräftigte in der Jahresversammlung, dass sie die Kritik an der Bildauswahl des Kalenders 2019 für überzogen hält. Quelle: Foto: Schneider
Eutin

„Der Vorstand hat den kleinen Fehler gemacht, den schwarzen Punkt zu nutzen, weil dies als Eingeständnis gewertet werden könnte“, erklärte Jepp, zeigte zugleich aber Verständnis für die Entscheidung von Vorstandsmitglied Christian Burgdorf. Um das Hakenkreuz zu verdecken, waren alle bereits ausgelieferten Kalender wieder eingesammelt und das Nazi-Symbol mit Klebepunkten verdeckt worden.

Regine Jepp, Vorstandsmitglied der Bürgergemeinschaft Eutin, hat wenig Verständnis für die Kritik an einem Foto im Kalender 2019, auf dem eine Hakenkreuzflagge vor dem ehemaligen Arbeitsarmenhaus zu sehen ist. Bei der Mitgliederversammlung wurde das heikle Thema intensiv diskutiert.

Anschließend gingen die Kalender wieder in den Handel.

Burgdorf begründet dieses Vorgehen so: „Wir waren im Zugzwang und mussten reagieren.“ Schließlich habe der begonnene Verkauf des Kalenders fortgesetzt werden sollen. „Es war nicht unsere Absicht, so zu tun, als habe es dieses Hakenkreuz nicht gegeben.“

Das April-Kalenderblatt mit dem Bild des Armenhauses und einer prominent davor platzierten Hakenkreuzflagge habe zu einer Strafanzeige gegen die Vorstandsvertreter wegen des Verbreitens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen geführt. Dieses Gesetz gelte aber nicht, wenn die Abbildung der Kunst oder der Wissenschaft, der Forschung oder der Lehre diene, betonte Jepp in der Versammlung. „Das ist die Vorschrift, auf die sich alle Heimatforscher berufen.“

Sie selbst sei bereits von einem Kriminalhauptkommissar des Staatsschutzes in der Sache befragt worden. Von der Staatsanwaltschaft habe sie noch keine Nachricht erhalten, gehe aber von einer Einstellung des Verfahrens aus. „Es ist klar, dass das, was wir machen, Eutiner Geschichtsforschung ist“, so Jepp. Und dazu gehöre es auch, diese Zeit zu dokumentieren. Alles andere sei kontraproduktiv. Man sollte die Symbole nicht überkleben, sondern sich damit auseinander setzen, forderte Jepp. Allerdings räumte sie ein, dass die Auswahl des Monats April – Hitlers Geburtsmonat – für das Bild, die übrigens auf rein chronologischen Überlegungen beruhe, etwas unglücklich gewesen sei. „Wenn ich geahnt hätte, was daraus werden würde, hätte ich das Bild um einen Monat verschoben“, sagte Jepp. Ansonsten gehe sie davon aus: „Es war nicht das erste Hakenkreuz im Kalender und es wird auch nicht das letzte gewesen sein.“ In der Aussprache pflichteten die 17 anwesenden Mitglieder dem Vorstand in seiner Einschätzung bei.

 Von Dirk Schneider