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Ostholstein Sand aus der Fahrrinne soll an Heiligenhafens Strand
Lokales Ostholstein Sand aus der Fahrrinne soll an Heiligenhafens Strand
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22:57 12.12.2017
Am westlichen Badestrand auf dem Steinwarder fällt dem stürmischen Wetter wieder ordentlich Sandstrand zum Opfer. Quelle: Billhardt
Heiligenhafen

Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) in Lübeck plant im Winter 2018/2019 die Fahrrinne zum Kommunalhafen auszubaggern, damit eine durchgängige Wassertiefe von 5,50 Meter gesichert werden kann (die LN berichteten). Normalerweise wird der Aushub mit Lastwagen abtransportiert. Da es sich dabei jedoch um feinsten Sandstrand handeln soll, hat Joachim Gabriel, Geschäftsführer der Heiligenhafener Verkehrsbetriebe (HVB), Diplom-Ingenieur Bernd Opfermann beauftragt zu ergründen, wie der Sand für die Stadt gewonnen werden könnte. Gemeinsam wurde dann das WSA kontaktiert.

Ergebnis: grundsätzlich sei dies möglich. Joachim Gabriel: „Die Ausbaggerung zahlt der Bund, den Transport die Stadt Heiligenhafen.“ Kostenpunkt: Rund 180000 Euro. Wir erinnern uns: Die letzte Sandaufspülung aus Dänemark von 75000 Kubikmetern kostete 1,2 Millionen Euro. Im Vergleich dazu würde es sich hier um einen echten Schnäppchenpreis handeln.

Laut Gabriel ist der Sand auch unbelastet und unbedenklich nutzbar, dies habe ihm das WSA versichert. Auch betont der HVB-Chef: „Wir werden beim Transport das Naturschutzgebiet in keinster Weise nutzen.“ Der Sand würde vom Yachthaven über ein modernes Rohrleitungssystem zum westlichen Badestrand gespült – so die Vorabplanung.

Bürgermeister Heiko Müller (parteilos) befürwortet diese Maßnahme. Allerdings soll der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) dies genehmigen. Denn es gelte auch die beiden Testbuhnenfelder unberührt zu lassen, da dort über einen Zeitraum von fünf Jahren Messungen stattfinden, ein sogenanntes Monitoring. Das Ergebnis dieser Untersuchungen soll belegen, wie die Wirkungsweise der Holzbuhnen an diesem Standort ist und ob in der Folge weitere Buhnen am Steinwarder genehmigt werden können. Am Hauptbadestrand wird schon immer Sand weggespült, was für einen touristischen Ort ein ernstes Problem darstellt.

Bürgermeister Müller sagt mit einem Schmunzeln: „Den Sand aus der Fahrrinne haben wir wahrscheinlich schon mal bezahlt.“ Eine Anspielung darauf, dass der weggespülte Sand vom Steinwarder in die Fahrrinne gespült worden sein könnte. Fakt ist jedoch: Heiligenhafen wird am Warder immer Sand verlieren – daher seien laut Gabriel kreative Lösungen weiter gefragt.

Denn Sandaufspülungen im Millionenbereich sind angesichts angespannter kommunaler Haushaltslagen schwierig zu vermitteln. Insbesondere dann, wenn Stürme am Steinwarder für extreme Strömungen sorgen und der teure Sand in die Ostsee gespült wird.

Von Peter Mantik