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Ostholstein Streit unter Nachbarn: Schiedsfrau hilft
Lokales Ostholstein Streit unter Nachbarn: Schiedsfrau hilft
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12:00 28.02.2019
„Streiten ist Zeitverschwendung“, findet die Scharbeutzer Schiedsfrau Barbara Heidsieck.
„Streiten ist Zeitverschwendung“, findet die Scharbeutzer Schiedsfrau Barbara Heidsieck. Quelle: Sabine Latzel
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Scharbeutz

Jeden ersten Donnerstag im Monat ist Barbara Heidsieck ab sofort im Scharbeutzer Bürgerhaus anzutreffen. Von 17 bis 18 Uhr hilft die Schiedsfrau in ihrer Sprechstunde weiter. Im LN-Interview schildert sie ihre Aufgaben.

Beim Schiedsamt denken vermutlich die meisten Menschen an das Schlichten von Nachbarschaftsstreitigkeiten – haben Sie damit tatsächlich so viel zu tun?

Barbara Heidsieck: Ja, Auseinandersetzungen zwischen Nachbarn machen die meisten Schlichtungsverfahren aus.

Und in welchen Fällen sind Sie noch tätig?

Grundsätzlich ist ein Schlichtungsgespräch bei der Schiedsfrau oder dem Schiedsmann oft vorgeschrieben, sonst wird die Sache vom Amtsgericht abgewiesen. Das gilt für vermögensrechtliche Streitigkeiten wie Schulden, bei Mietstreitigkeiten oder auch bei Beleidigungen, Verleumdungen oder übler Nachrede und Körperverletzungen. Nicht zuständig sind wir für arbeitsrechtliche und familienrechtliche Angelegenheiten.

Müssten die Bürger darüber nicht genauer aufgeklärt werden?

Nein, die meisten Leute wissen das, werden vielleicht auch von der Polizei darauf hingewiesen, und kommen direkt zu uns. Sie reichen einen schriftlichen Antrag ein, wir vereinbaren einen Besprechungstermin, und dann muss der Kostenvorschuss gezahlt werden, der meist zwischen 60 und 80 Euro liegt. Erst dann wird das Verfahren offiziell in Gang gesetzt.

Wie geht es dann weiter?

Bei einem Streit zwischen Nachbarn, beispielsweise um die Höhe einer Hecke, vereinbare ich regelmäßig einen Ortstermin und lade auch den Antragsgegner ein. Wichtig ist es für mich, mir einen eigenen Eindruck vor Ort zu verschaffen, um den eventuellen Vergleich auch entsprechend vollstreckungsfähig formulieren zu können. Im Anschluss wird ein Schlichtungstermin bestimmt, bis zu dem sich die Parteien Gedanken über eine Lösung machen sollen.

Und wie laufen diese Termine dann ab?

Unterschiedlich. Einige Parteien verständigen sich schnell, andere beharren auf ihrem Standpunkt. Für uns Schiedsleute ist dabei entscheidend, dass wir neutral sind und dass die Parteien selbst zu einer Einigung finden. Wir sprechen kein Recht.

Geht es dabei nicht häufig sehr emotional zu?

Ja, sicher. Manchmal kommen alte Sachen hoch, Missverständnisse, und es stellt sich heraus, dass die Gründe für den Streit ganz woanders liegen. Meine Regel ist: Jeder redet aus, und es wird nicht laut. Wenn sich Nachbarn streiten, frage ich, ob sie dort wohnen bleiben wollen, wo sie jetzt sind. Wenn ja, sollten sie sich verständigen. Also: Leben und leben lassen. Denn es meint zwar jeder, er sei im Recht – aber es geht ja um die Einigung.

Worin besteht dabei Ihre Aufgabe?

Im Vermitteln! Es tut gut, wenn ein neutraler Dritter ein Streitgespräch begleitet. Und natürlich machen wir auch notfalls Vorschläge für eine mögliche Einigung. Aber die Lösung müssen die Beteiligten am Ende selbst finden. Wichtig für ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis ist es, dass beide Seiten mit erhobenen Häuptern aus dem Gespräch herausgehen können, nicht als Sieger und Verlierer.

Was, wenn beim Schlichtungsgespräch keine Einigung erzielt wird?

Das ist sehr selten. Aber wenn, dann stellen wir eine Erfolglosigkeitsbescheinigung aus, und damit kann der Antragsteller die Sache vors Amtsgericht bringen.

Wie erfahre ich, ob ich ein Schiedsverfahren in Gang setzen sollte?

Anfragen bei uns sind kostenlos, wir klären das in einem Gespräch. Wir haben gelegentlich auch sogenannte Tür-und Angel-Fälle, bei denen eine kurze Auskunft reicht. Ganz wichtig ist aber: Wir bieten keine Rechtsberatung.

Warum haben Sie sich um das Amt als Schiedsfrau beworben?

Ich war in Scharbeutz bereits Stellvertreterin. Ich finde, dass es immer einen Weg gibt, Streit beizulegen. Streiten ist Zeitverschwendung und nutzt keinem. Es ist für mich befriedigend, dabei helfen zu können.

Schiedsleute für Neustadt gesucht

Die Sprechstunden der Scharbeutzer Schiedsfrau finden jeden ersten Donnerstag im Monat von 17 bis 18 Uhr im Raum 203 des Hauses A oberhalb der Bücherei statt. Eine Anmeldung unter Telefon 0171/ 364 82 08 wäre wünschenswert.

Im Schiedsmannbezirk Neustadt ist derweil das Amt der Schiedsperson neu zu besetzen, ebenso wird ein Stellvertreter gesucht. Deshalb ruft die Stadt Bürger auf, sich für dieses Ehrenamt zu bewerben. Für die Ausübung der Tätigkeit werden regelmäßig Schulungen angeboten. Interessierte, die das 30. Lebensjahr vollendet haben, können ihre schriftliche Bewerbung bis zum 13. März an folgende Adresse richten: Stadt Neustadt in Holstein – Der Bürgermeister – Amt für Finanzen und allgemeine Verwaltung – Zentrale Dienste – Am Markt 1 – 23730 Neustadt in Holstein.

Sabine Latzel

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