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Ostholstein Scharbeutzer freuen sich über ihre neue Bürgermeisterin
Lokales Ostholstein Scharbeutzer freuen sich über ihre neue Bürgermeisterin
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19:31 21.10.2019
„So sehen Sieger aus“: Dieses Ständchen brachten die Bauhof-Mitarbeiter ihrer Chefin und künftigen Bürgermeisterin von Scharbeutz Bettina Schäfer. Quelle: Lutz Roeßler
Scharbeutz

Schon kurz nach Bekanntwerden des Endergebnisses im Scharbeutzer Bürgerhaus reichte die Schlange der wartenden Gratulanten am Sonntagabend quer durch Sitzungsraum 206 bis auf den Flur. Lang ist auch die Liste mit herzlichen Glückwünschen auf der Facebook-Seite von Bettina Schäfer, und das Handy der 47-Jährigen stand am Montag kaum still. „Es ist einfach toll“, sagt sie, „doch richtig fassen kann ich es immer noch nicht. Ich habe kaum geschlafen.“ 62,3 Prozent der Wählerstimmen hat Bettina Schäfer bekommen und damit ihren Konkurrenten Andreas Zimmermann weit hinter sich gelassen. Die Wahlbeteiligung betrug 46,1 Prozent gegenüber 49,5 Prozent im ersten Wahlgang.

„So sehen Sieger aus“: Das Ständchen der Bauhof-Mitarbeiter

Am Montagmittag machte sie sich trotz Schlafmangels auf den Weg zu ihrem Arbeitsplatz, dem Scharbeutzer Bauhof. Dessen kaufmännische Leiterin wurde die Diplom-Verwaltungswirtin 2011, seit 2018 leitet sie ihn komplett. „So sehen Sieger aus“, haben die Bauhof-Mitarbeiter für Bettina Schäfer gesungen, die sie ja als Chefin behalten – nur eben in höherer Position. Für diese hat die 47-Jährige seit Juli hart gekämpft: Im Wahlkampf ging sie als unabhängige, parteilose Kandidatin von Tür zu Tür, vertrat ihre Positionen im Internet und während der öffentlichen Vorstellungsrunden, wo sie sich leidenschaftlich und engagiert zeigte.

Sie „brenne“ für die Gemeinde Scharbeutz, hat Bettina Schäfer dabei oft gesagt. Beim Thema Tourismus plädiert sie für „Klasse statt Masse“, für die neuen Seebrücken in Scharbeutz und Haffkrug, für den Ausbau des ÖPNV und der E-Mobilität sowie für ein Gleichgewicht zwischen Tourismus und Gemeindeleben, gerade mit Blick auf die Dörfer im Binnenland. Sie will die Digitalisierung der Verwaltung vorantreiben, ist für das „papierlose Büro“, Ummeldung per Internet und das „Streamen“ von Gemeindevertretersitzungen. Wie die meisten politisch Verantwortlichen in Ostholstein will sie sich für den bestmöglichen Lärmschutz im Zusammenhang mit der Schienentrasse zur Fehmarnbelt-Querung einsetzen, und wie wohl alle Gemeinde-Oberhäupter gerade an der Küste will sie mehr bezahlbaren Wohnraum schaffen.

Überraschend deutlicher Vorsprung vor Andreas Zimmermann

Mit diesen Positionen und ihrem Auftreten hat Bettina Schäfer die Mehrheit der Wähler überzeugt. Die Ergebnisse aus den einzelnen Wahlbezirken reichen von 57,1 Prozent in Schulendorf bis zu 72,2 Prozent in Pönitz. Der insgesamt deutliche Vorsprung vor Andreas Zimmermann hat nicht wenige überrascht, ist der 55-jährige, ebenfalls parteilose Bürgermeister von Ahrensbök doch für gleich vier Scharbeutzer Parteien – CDU, WUB, Grüne und FDP – ins Rennen gegangen. Dennoch kam Zimmermann auf nur 37,7 Prozent: 1737 der insgesamt 4611 gültigen Stimmen entfielen auf ihn, während Bettina Schäfer mit 2874 Stimmen genau 1137 Wähler mehr von sich überzeugen konnte.

Zimmermann zeigte sich direkt nach Bekanntgabe des Endergebnisses als fairer Verlierer und gratulierte der neuen Bürgermeisterin von Scharbeutz als einer der Ersten. „Demokratie kann hart sein“, kommentierte er den für ihn enttäuschenden Wahlausgang. Diejenigen Wähler, die im ersten Wahlgang für den SPD-Kandidaten Steffen Davids oder die Scharbeutzer Bauamtsleiterin Dorit Klees gestimmt hatten, seien offenbar fast geschlossen zu Bettina Schäfer gewechselt, vermutete Zimmermann. Am 22. September hatte Davids 26 Prozent der Stimmen bekommen, während 8,1 Prozent der Wähler für Dorit Klees votierten – zusammengerechnet waren das 1708 Stimmen. Zimmermann hatteim ersten Wahlgang noch mit 35,4 Prozent (1769 Stimmen) vor Bettina Schäfer mit 30,5 Prozent (1526 Stimmen) gelegen.

CDU-Vorsitzender glaubt an eine gute Zusammenarbeit

Die Scharbeutzer SPD hatte nach dem Ausscheiden ihres Kandidaten keine Wahlempfehlung für Schäfer oder Zimmermann ausgesprochen. Die Vertreter derjenigen Parteien, die den Ahrensböker Bürgermeister aufgestellt haben, können mit dem jetzigen Ergebnis offenbar gut leben. „Es war ein fairer, sachlicher Wahlkampf, in dem sich die Kandidaten nichts geschenkt haben“, erklärt Christian Dwars, Vorsitzender des Scharbeutzer CDU-Ortsverbandes. Bettina Schäfer sei es in der zweiten Runde besser gelungen, die zuvor auf Davids und Klees entfallenen Stimmen zu gewinnen, glaubt Dwars. „Frau Schäfer hat eine hohe Sozialkompetenz, es wird mit ihr eine gute Zusammenarbeit geben“, ist er sicher: „Wir freuen uns für die Bürgermeisterin und wünschen ihr viel Erfolg.“

Die WUB-Fraktion werde „das Beste aus dem Ergebnis machen“, sagt deren Vorsitzende Anja Bendfeldt. „Wir sind schon enttäuscht, hatten gedacht, dass unsere Chancen größer sind“, räumt sie ein. Ein Grund für das Wahlergebnis zu Ungunsten des gemeinsamen Kandidaten sei möglicherweise der große Abstand von vier Wochen zwischen erstem Wahlgang und Stichwahl, der mit dem Termin der Herbstferien begründet worden war. „Aber dass wir uns mit vier Parteien in dieser Sache zusammengeschlossen haben, war für uns eine positive Erfahrung“, sagt Anja Bendfeldt. CDU, WUB, Grüne und FDP haben in der Scharbeutzer Gemeindevertretung zusammen 21 Sitze, die SPD kommt auf fünf. Bettina Schäfer wird ihr Amt am 1. Februar 2020 antreten.

Der Wahlabend am Sonntag im Scharbeutzer Bürgerhaus war eine spannende Angelegenheit. Ihre Blumen nahm die strahlende Siegerin Bettina Schäfer am nächsten Tag mit zum Bauhof.

Von Sabine Latzel

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