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Ostholstein Schmerzhafte Begegnung mit dem Petermännchen
Lokales Ostholstein

Schmerzhafte Begegnung mit dem Petermännchen

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23:10 18.07.2017
Das Petermännchen gehört zu Europas giftigsten Fischen. Quelle: Imago
Fehmarn

Das schmerzhafte Angler-Erlebnis wirkt bei ihm noch nach Wochen nach. So schnell wird Bernd Schuldt (66) seine Begegnung mit einem Petermännchen vor der Küste von Altenteil im Inselnorden nicht vergessen. Der Baden-Württemberger ist eines von drei Opfern, die bei Fehmarn von einem der giftigsten Fische Europas verletzt wurden (die LN berichteten).

Wussten Sie, dass man in der Ostsee einem der giftigsten Tiere Europas begegnen kann? Klicken Sie sich durch die Bildergalerie, um Gefahren der Ostsee kennenzulernen.

Schuldt fühlt „noch immer ein Kribbeln in der ganzen Hand“. Er erzählt den LN am Telefon: „Die Gelenke im rechten Arm tun weh, bis zum Ellenbogen. Es ist, als ob da Strom durchgeht.“ Er scheut sich, den Arm irgendwo aufzulegen. Aber Schuldt – der in der Zeitung nicht abgebildet werden möchte – weiß: Es hätte schlimmer kommen können.

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Dabei sollte es ein lauer Mittsommerabend werden, trotz zunehmender Bewölkung. „Ich war ein bisschen abgelenkt“, erinnert er sich. Gegen 23.15 Uhr passiert es. Was im Dunkeln wie ein kleiner Dorsch aussieht, ist kein guter Fang. „Sofort nach dem Stich durch das Petermännchen brennt es wie verrückt“, so Schuldt. Nach zehn Minuten setzt der erste Schmerz ein. Bald schwillt die ganze Hand an, es schmerzt in Schüben.

Sein Glück ist ein Hamburger Camper, der sich zu fast mitternächtlicher Stunde in der Nähe aufhält und alles mitbekommt. Schuldt, rund 80 bis 100 Meter entfernt nahe einer Sandbank, gelangt zurück zum Ufer, der Mann bietet ihm sein Hilfe an, will einen Krankenwagen rufen. Schuldt überlegt kurz, entscheidet sich dann doch, allein loszufahren und sein Auto nicht im abgelegenen Altenteil stehen zu lassen. Der Camper hilft ihm, alles zu verstauen. Allein hätte Schuldt den 500 Meter langen Fußmarsch zum Parkplatz wohl nicht mehr geschafft.

Obwohl der linke Zeigefinger weiter anschwillt, fährt er los. Schuldt verspricht aber: „Ich fahre von Ortschaft zu Ortschaft. Wenn es nicht mehr weitergeht, ruf ich die Polizei an.“ Doch er schafft es bis nach Burg in die Inselklinik. Der ihn behandelnde Arzt weiß sofort, was Sache ist. Schuldt erfährt, es hat bereits einen anderen Angler erwischt. Der musste sogar in die Handchirurgie nach Lübeck gebracht werden.

Bei Schuldt geht der Vorfall glimpflicher aus. Heißes Wasser hilft gegen das Gift, ein Gegenmittel gibt es nicht. Mancher versucht es draußen selbst mit einem Feuerzeug, doch das ist riskant. Schuldt bleibt die ganze Nacht am Monitor angeschlossen. Am nächsten Morgen kann er entlassen werden, er atmet auf. „Das Gift einer Kreuzotter ist nicht so gefährlich wie das vom Petermännchen.“

Inzwischen ist Schuldt, ein gebürtiger Burger (aber aus Dithmarschen), wieder nach Korb etwa 20 Kilometer nordöstlich von Stuttgart zurückgekehrt. Seit 20 Jahren angelt er, doch bislang kannte er das Petermännchen nur vom Kattegat. Noch ist es in der deutschen Ostsee ein Exot. Trotzdem: Sollten es mehr werden, empfiehlt er, Warnschilder aufzustellen: „Nicht auszudenken, wenn da ein Kleinkind beim Planschen reingreift.“

Schuldt selbst wird voraussichtlich im Herbst wieder in den Norden kommen, entweder nach Fehmarn oder nach Dazendorf. Aber er wird jetzt vorsichtiger sein.

 Gerd-J. Schwennsen