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Ostholstein Schönwalde will Gedenken nicht den Populisten überlassen
Lokales Ostholstein Schönwalde will Gedenken nicht den Populisten überlassen
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16:01 25.05.2019
Die Kirchengemeinde Schönwalde will den Volkstrauertag neu gestalten. Unterstützung bekommt Pastor Dr. Arnd Heling von der Gemeinde sowie aus Kasseedorf und von der Bundeswehr. Quelle: Sebastian Rosenkötter
Schönwalde

Der Schönwalder Pastor Dr. Arnd Heling spricht aus, was viele denken: Der Volkstrauertag sei häufig nicht mehr als eine Pflichtveranstaltung. Soldaten, Feuerwehrleute und Gemeindevertreter würden teilnehmen, Kränze niederlegen und der Opfer der Weltkriege erinnern. „Es ist ein zunehmend problematischer Akt, der von der Öffentlichkeit ignoriert wird“, sagt Heling. Aufgrund der abnehmenden Akzeptanz und dem Sterben von Zeitzeugen soll ein Weg gefunden werden, das traditionelle Gedenken mit neuen Elementen zu verknüpfen.

Passend dazu will die Kirchengemeinde einen neuen Ort für das Gedenken schaffen, der täglich und ganzjährig zugänglich ist. Eine ehemalige Leichenhalle neben der Kirche wird derzeit umgebaut. Die Investitionskosten belaufen sich auf rund 65 000 Euro. Mehrere Stiftungen, Banken und der Kirchenkreis Ostholstein unterstützen das Vorhaben.

Kirche verlagert die Ehrenhalle

Laut Pastor Heling habe man bereits 2015 im Zuge der Kirchensanierung entschieden, die Ehrenhalle aus dem Turmraum zu verlagern. Ein überkonfessioneller Gedenkort und ein Ort, der zur Auseinandersetzung einlädt, soll entstehen. „Opfer von Krieg, Terror und Gewalt gibt es täglich“, sagt Heling. In Zukunft werde es möglich sein, einzelne Taten in den Gedenkort einzubeziehen. Gedanken über die Gestaltung machen sich auch Studenten der Muthesius Kunsthochschule in Kiel, die Entwürfe entwickeln werden.

Bau des Gedenkorts unterstützen

Bürger können den Bau und die Einrichtung des Gedenkorts neben der Schönwalder Kirche unterstützen. Für 20 Euro kann ein Bild mit dem Titel „Menschenkette“ der Künstlerin Katja Rambow vom Atelier Akurad in Schwienkuhl erworben werden. Ein Teil der Kette ist der Schönwalder Taufengel in Blattgold.

In dem neuen Raum, der im kommenden November eröffnet wird, soll die Nachbildung einer Gedenktafel von 1918 Platz finden. Das hölzerne Original ist in die Jahre gekommen. Deshalb hat die Künstlerin Katja Rambow die Namen der Opfer des Ersten Weltkriegs auf eine neue wetterfeste Tafel übertragen und die Namen in Echtgold aufgeschrieben. Das alte Konstrukt geht an die Eutiner Patenkompanie. „Für uns geht es um die Intensivierung der Partnerschaft und um kritische Traditionspflege in der Bundeswehr. Am Ende könnte auch heute immer jemand im Krieg fallen, wenn es politisch gewollt ist“, erläuterte Hauptmann Felix Lotzin.

Bürger können mitplanen

In den kommenden Monaten soll es eine Konsultationsgruppe Volkstrauertag entstehen, in der Aktive aus Kirchengemeinde, Politik, Vereinen, Verbänden und Einzelpersonen mitarbeiten. Ziel ist es, dass sie Vorschläge entwickeln, wie der Volkstrauertag in Zukunft begangen werden kann. „Können wir nicht mehr tun, als zum Ehrenmal zu gehen und einen Kranz niederzulegen?“, fragt Pastor Dr. Arnd Heling.

Erste Ideen hat der Kirchenmann bereits: Ihm schwebt eine Aktionswoche vor dem 17. November vor. Mit verschiedenen Veranstaltungen könne Interesse an dem Gedenken geweckt werden. Aktuell würden Konfirmanden Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs befragen. Die Vorstellung der Ergebnisse sei ebenso möglich wie ein Bericht von Eutiner Soldaten über ihren Einsatz im afrikanischen Mali.

Menschenkette als Zeichen

Darüber hinaus könnte eine etwa 500 Meter lange Menschenkette von der Kirche bis zum Ehrenmal auf dem Friedhof gebildet werden. „Das ist anspruchsvoll, aber schaffbar. Es ist ein bisschen wie eine Stadtwette“, sagt Heling. Würden sich Soldaten, Zivilisten, Flüchtlinge, Einheimische, alte und junge Bürger beteiligen, wäre das ein tolles Zeichen. „Es ist wichtig, aufeinander zuzugehen und sich nicht in seiner Blase abzuschotten“, sagt der Pastor. Zugleich betonen Heling und Hauptmann Lotzin, dass die Kranzniederlegung weiterhin Bestandteil des Volkstrauertages bleiben werde. Es gehe darum, Altes zu bewahren und sinnvoll zu ergänzen.

Propst gegen Populisten

Ostholsteins Propst Dirk Süssenbach begrüßt den Vorstoß aus Schönwalde. Der Impuls komme genau zur rechten Zeit. Die Fragen würden an vielen Stellen diskutiert. „Es ist ein innovatives Projekt und gerade angesichts der Europa-Wahl wird deutlich, dass die lange Zeit des Friedens ein großes Geschenk ist.“ Süssenbach spricht von dem Schatz Europa und davon, Populisten und Aufheizern etwas entgegenzusetzen. Arnd Heling ergänzt, dass verhindert werden müsse, dass Populisten den Volkstrauertag in einen Heldengedenktag umwandelten. „Wir müssen wachsam sein“, sagt er eindringlich.

Sebastian Rosenkötter

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