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Ostholstein Buskosten sinken – doch für Oberstufenschüler wird’s teurer
Lokales Ostholstein Buskosten sinken – doch für Oberstufenschüler wird’s teurer
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13:25 27.02.2019
Mathis Bruhn (15) und seine Cousine Emily Bruhn (13) leben in Grömitz und besuchen das Küsten-Gymnasium in Neustadt. Während Mathis in die 11. Klasse wechselt und ab Sommer die Fahrkarte teuer bezahlen muss, kommt Emily (7. Klasse) nun in den Genuss der Abschaffung der Schulbuskosten. Quelle: GÄBLER
Eutin

Die Eltern der Fahrschüler in den Klassenstufen 1 bis 10 können jubeln. Vom kommenden Schuljahr 2019/2020 an sind sie von den Schulbuskosten befreit. Das hatte der Kreistag bereits beschlossen. Letzter Schritt war jetzt die Anpassung der „Satzung über die Anerkennung von Schulbuskosten“. Sie wird nach der Kreistagssitzung am 26. März in Kraft treten. Eltern, deren Kinder nach den Sommerferien aber in die Oberstufe wechseln, haben nichts mehr davon. Für sie ändert sich nichts: Es wird richtig teuer. Ein SPD-Antrag, auch die Oberstufen-Schüler von Fahrkosten zu befreien, fand keine Mehrheit.

„Das ist eine schreiende Ungerechtigkeit“, sagt Catinka Bruhn aus Grömitz. Die dreifache Mutter ist richtig sauer, denn auf die Familie kommt nun einiges zu. Der große Sohn studiert bereits. Aber da sind noch die 15-jährigen Zwillinge Mathis und Janne, die das Neustädter Küsten-Gymnasium besuchen. Für die Fahrt zur Schule musste die Grömitzer Familie bisher 60 Euro fürs erste und 30 Euro fürs zweite Kind bezahlen. Summa summarum 90 Euro, für das komplette Schuljahr.

Grömitzer Familie zahlt das Zwanzigfache

Jetzt kommt es für die Familie richtig dicke: Vom neuen Schuljahr an zahlen Mathis und Janne als Oberstufenschüler jeweils 78 Euro – und zwar monatlich. Das bedeutet aber für die Familie nunmehr 1872 Euro pro Jahr, also das Zwanzigfache. Hier gibt es keine Erleichterung für die Eltern von Fahrschülern. „Das reißt ein großes Loch in unsere Haushaltskasse“, sagt Catinka Bruhn. Sie hat sich nach Fördermöglichkeiten erkundigt, aber beim Kreis hieß es, dass die Familie dann Bafög beantragen müsse.

„Das geht doch nicht, dass hier das Recht auf Bildung nach der 10. Klasse vom Geldbeutel der Eltern abhängig gemacht wird“, empört sich Catinka Bruhn. In ihren Augen sei es ungerecht, dass auswärtige Schüler so viel zahlen müssen, um die Oberstufe zu besuchen. „Das Leben ist manchmal echt ungerecht“, sagt sie mit Blick auf Neustädter Familien, die nicht belastet seien.

4,9 Millionen Euro für Schülerbeförderung

Für den Verkehrs-Ausschuss, der am Montagabend unter Vorsitz von Jens Johannsen (Bündnis 90/Grüne) tagte, hatte die Verwaltung eine umfassende Vorlage erarbeitet. 4,9 Millionen Euro muss der Kreis demnach jährlich für die 5320 Fahrschüler (Stand 2017) in Ostholstein aufwenden. Mit diesem Betrag wurden die Schulbusse für die Klassen 1 bis 10 finanziert, wenn a) Schul- und Wohnort nicht identisch waren, b) die zumutbare Wegstrecke oder c) zumutbare Wartezeiten überschritten wurden. Übernommen wurden die Fahrtkosten zur nächstgelegenen Schule; die Fahrkosten zahlen die Eltern.

In der Sitzung vom 25. September 2018 hatten die Fraktionen der Kreisverwaltung einen Prüfauftrag erteilt, die Kosten für eine mögliche Neuordnung zu ermitteln. Der bereits beschlossene Wegfall der Elternbeteiligung (1 bis 10) schlägt für den Kreis mit Mehrkosten in Höhe von 180 000 Euro zu Buche. Die Beschränkung auf die „nächstgelegene“ Schule mit weiteren 50 000 Euro. Die von der SPD-Fraktion geforderte Kostenübernahme für die Klassen 11 bis 13 würde 860 000 Euro kosten, die Kostenübernahme für Schüler an Privatschulen 585 000 Euro.

SPD-Antrag auf Zuschuss abgelehnt

Ausschussmitglied Wolfgang Niemann (SPD) regte an, wenigstens dem Antrag seiner Fraktion zu folgen, dass sich der Kreis mit 25 Prozent an den Monatskarten für Oberstufen-Schüler beteilige. Ausschuss-Vorsitzender Jens Johannsen (Grüne) entgegnete: „Wir haben jetzt ein Plus im Haushalt. Das heißt aber nicht, dass wir das Füllhorn ausschütten können.“ Landrat Reinhard Sager (CDU) verwies auf den Bundesfinanzminister, der bereits vor rückläufigen Steuereinnahmen warne. Am Ende forderte Niemann eine Abstimmung über den SPD-Antrag – er wurde mit neun Nein-Stimmen zu drei Ja-Stimmen abgelehnt.

Die SPD könne sich dennoch freuen, so Fraktionschef Burkhard Klinke. Ihre seit Jahren erhobene Forderung, dass Eltern nicht mehr für den Schulbus zahlen müssen, erfülle sich endlich – zumindest für die Klassenstufe 1 bis 10. Familie Bruhn in Grömitz hat leider nichts mehr davon.

Louis Gäbler

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