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Ostholstein Schulkinder in Gefahr: Polizei geht gegen Elterntaxis vor
Lokales Ostholstein Schulkinder in Gefahr: Polizei geht gegen Elterntaxis vor
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18:19 28.10.2019
Polizist Arne Ufer sucht das Gespräch mit einem Autofahrer, der sich nicht an die Verkehrsregeln hält. Quelle: Saskia Bücker
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Eutin

Die Lübsche Koppel in Eutin gilt bei der Polizei als Brennpunkt, wenn es um das Thema Elterntaxis geht. Eigentlich ist die Zufahrt zur Gustav-Peters-Grundschule eine Anliegerstraße. Sie ist schmal, mit Kopfstein gepflastert und mündet in einen engen Kreisel. „Hineinfahren und parken dürfen hier vor der Schule eigentlich nur Lehrer und Anwohner“, sagt Polizist Arne Ufer. Aber viele Eltern setzen sich darüber hinweg.

Weil diese vermehrt die Verkehrsregeln missachten, kontrolliert ein Team aus zwölf Polizisten am Montag großflächig vor Schulen in ganz Eutin. Die Beamten beobachten an diesem Morgen immer wieder das Gleiche: Eltern fahren vor, parken auf den beengten Wegen vor den Schulen am Seitenstreifen, halten sogar kurz auf dem Gehweg an, um das eigene Kind möglichst nah am Schulgebäude abzusetzen.

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Haben vor der Gustav-Peters-Grundschule in Eutin Eltern kontrolliert: Dalida Büttner (l.) und Anna Pieplow. Quelle: Saskia Bücker

Die Polizisten halten mit Gesprächen dagegen, erklären geduldig noch einmal die Regeln. Ein Bußgeld verhängen die Beamten bei dieser Kontrolle vorerst nicht. „Wir versuchen erst einmal, an den Verstand zu appellieren“, sagt Polizistin Anna Pieplow. Die meisten Eltern zeigten sich einsichtig. „Mal sehen, wie lange das anhält“, sagt die Beamtin. Aus Erfahrung könne sie sagen, dass oftmals zwei Wochen nach solchen Einsätzen alles wieder wie vorher sei.

Verkehrsregeln missachtet: Es drohen Bußgelder

Auch Simon Jahn vom Ordnungsamt kontrolliert das Verkehrs- und Parkverhalten vor Schulen in Eutin. Wer sich über die Verkehrsregeln im Stadtgebiet hinwegsetzt, riskiert ein Bußgeld. 15 Euro werden fällig, wenn man sich mit dem Auto ins absolute Halteverbot stellt. Parken im Wendehammer und auf dem Gehweg kostet 20 Euro. Wer eine Feuerwehrzufahrt blockiert, zahlt 35 Euro. Zehn Euro Bußgeld kommen auf Fahrradfahrer zu, die auf einem Fußgängerweg fahren.

Elterntaxis sind gefährlich für Schüler

Einer der Falschparker ist an diesem Morgen Evgenij Ivanov, der dann auch gleich von den Polizisten angesprochen wird. Er habe seine sechsjährige Tochter nur schnell am Kreisel rauslassen wollen, erklärt der Vater. „Das Schild mit dem Halteverbot ist mir noch nie aufgefallen.“ Die Familie wohne zwar fußläufig. Noch sei die Tochter aber zu jung, um alleine zu Fuß den Schulweg zu bestreiten. „Wenn ich sie mit dem Auto absetze, ist das sicherer“, sagt der Vater. Er spare dadurch auch Zeit.

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Dass der Schulweg durch die Anfahrt mit dem Auto für Kinder sicherer werde, sei ein Irrtum, sagt hingegen Polizist Michael Bergmann. „Durch das Parken direkt vor der Schule kann es zu lebensgefährlichen Situationen mit allen Verkehrsteilnehmern kommen.“ Elterntaxis führten vor allen Schulen in Eutin morgens regelmäßig zum Verkehrschaos, vor allem mit Radfahrern und Fußgängern. „Der Verkehr hat massiv zugenommen“, sagt der Präventionsbeamte. „Früher war es die absolute Ausnahme, dass die Eltern das Kind mit dem Auto bis vor die Schule gebracht haben.“ Heute hingegen sei das Elterntaxi Standard.

„Elterntaxis gefährden Schüler“, warnt Polizist Michael Bergmann. Quelle: Saskia Bücker

Kinder sollen selbst zur Schule gehen

Die Polizei appelliert an alle Eltern schulpflichtiger Kinder, das Auto nach Möglichkeit stehen zu lassen oder auf Parkplätze in der Nähe der Schule auszuweichen und den Rest zu Fuß zurückzulegen. „Kinder sind wegen ihres Alters und ihrer geringen Größe die schwächsten Verkehrsteilnehmer und bedürfen im Straßenverkehr der besonderen Aufmerksamkeit und Fürsorge“, betonen die Beamten.

Für die Entwicklung der Kinder sei das eigenständige Bestreiten des Schulwegs auch wichtig, sagt Bergmann. Nur so könnten sie lernen, Gefahren im Straßenverkehr richtig einzuschätzen. „Erwachsene sollten den Schulweg zu Beginn gemeinsam mit dem Kind üben“, empfiehlt Bergmann, der auch in Schulen und Ferien Verkehrstrainings für junge Menschen anbietet. „Wer in Schulnähe wohnt, kann das Kind dann irgendwann alleine zur Schule gehen lassen.“ Sinnvoll sei es auch, mit Schülern aus der Nachbarschaft Gemeinschaften zu bilden.

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Von Problemen mit Elterntaxis berichteten erst Ende September Schulleiter und Gemeindevertreter aus ganz Ostholstein (die LN berichteten). Auch den Stadtvertretern in Eutin ist die Problematik schon länger bekannt. Im Vorwege der Polizei-Aktion hätten sich vermehrt Bürger beim Ordnungsamt über die Situation vor Eutiner Schulen beschwert, berichtet Stadt-Managerin Kerstin Stein-Schmidt. „Wir wollen mit den Verkehrskontrollen ein Augenmerk auf die schwächsten Verkehrsteilnehmer werfen. Dabei setzen wir auf Information und Prävention.“

Die Polizei will weiterhin Präsenz vor den Schulen in Eutin zeigen. Quelle: Saskia Bücker

Die Verwaltung bleibe mit Ordnungsamt und Polizei weiterhin im Gespräch. „Wir können uns vorstellen, dass weitere großangelegte Kontrollen in den Wintermonaten stattfinden“, kündigte der Eutiner Polizeirevier-Leiter Bodo Pawlowski an. Zudem schauten zwei Kollegen der regulären Polizeistreife in regelmäßigen Abständen vor den Schulen vorbei.

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Von Saskia Bücker

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