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Ostholstein GGS-Strand: Der Schulleiter geht, Harmonie bleibt
Lokales Ostholstein GGS-Strand: Der Schulleiter geht, Harmonie bleibt
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18:29 17.01.2019
Der Schulleiter der GGS-Strand Europaschule in Timmendorfer Strand, Hans-Georg Rath (66), hört Ende Januar auf.
Der Schulleiter der GGS-Strand Europaschule in Timmendorfer Strand, Hans-Georg Rath (66), hört Ende Januar auf. Quelle: Beke Zill
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Timmendorfer Strand

Gerade hat er noch eine Planstelle vergeben. Mit der neuen Lehrkraft an seiner Schule wird Hans-Georg Rath jedoch nicht mehr zusammenarbeiten. Der 66-jährige Schulleiter der GGS-Strand Europaschule in Timmendorfer Strand geht am 31. Januar in Rente. Am 30. Januar wird der Ostholsteiner vom Kollegium, der Gemeinde, Wegbegleitern und den insgesamt 532 Schülern verabschiedet. 11,5 Jahre Überzeugungsarbeit, viele Veränderungen und bewegende Momente liegen hinter dem Mathe-, Sport- und Techniklehrer. „Die Arbeit eines Schulleiters lebt von Überraschungen und Störungen – positiven und negativen“, sagt Rath.

Der sechsfache Familienvater kann sich gut an die ersten Elternabende nach seiner Wahl zum neuen Chef der damals noch Grund-, Haupt- und Realschule erinnern. „Viele Eltern kamen zu mir und meinten: ,Und, wie lange halten Sie es hier aus?’“, erzählt der gebürtige Oldenburger (Holstein), der mit seiner Familie in Altratjensdorf wohnt. Seine Vorgänger hatten schon nach kurzer Dienstzeit ihr Amt an den Nagel gehängt. Der Grund: die große Kluft zwischen den drei Schulen, auch zwischen dem jeweiligen Lehrerkreis und viele Auseinandersetzungen zwischen Schülern auf dem Schulhof. Der ehemalige Schulleiter der Grund- und Hauptschule Schönwalde ließ sich davon aber nicht abschrecken: „Es war eine Aufgabe, die ich gerne anging.“

Der neue Chef kämpfte für Zusammenhalt

Zunächst musste er vor allem die skeptischen Realschulkollegen von sich überzeugen. In den Köpfen habe es noch getrennte Schulen gegeben. „Ich musste energisch deutlich machen, dass ich Schulleiter aller Schulen war.“ Rath musste zum Zusammenhalt motivieren. Zwar verliere man Kollegen, wenn man Sachen anordne. Besser sei es immer, etwas gemeinsam zu entwickeln. „Am Anfang ging es aber nicht anders. Da musste ich Vorgaben machen“, betont Rath. So sorgte der 66-Jährige unter anderem schnell dafür, dass es gemeinsame Lehrerzimmer und gemeinsame Fachkonferenzen gab. Zudem war es ihm zusammen mit dem Kollegium ein Anliegen, dass sich der rabiate Umgang unter den Haupt- und Realschülern änderte. „Wir haben gemeinsam daran gearbeitet, dass sich die Höflichkeit verbessert. Inzwischen kommen die Schüler gern in die Schule, weil es hier so friedlich zugeht“, sagt Rath erfreut über die Entwicklung.

Hans-Georg Rath (66) an seinem Schreibtisch. Quelle: Beke Zill

Glücklich ist der Altratjensdorfer auch über die vielen Investitionen in den vergangenen Jahren seitens des Schulträgers. „Ich habe es genossen, dass die Gemeinde gegenüber der Schule immer positiv eingestellt war“, sagt er. Während der Ostholsteiner an seiner ehemaligen Wirkungsstätte in Schönwalde für das Abreißen einer Leichtbauwand für 1000 Euro vergeblich kämpfte, war gleich zu Beginn seiner Zeit in Timmendorf die Tür in seinem neuen Büro innerhalb weniger Wochen wie gefordert versetzt und das Zimmer neu gestrichen. „Das war vorbildlich“, sagt Rath und erinnert sich gern an den Moment zurück. Mit dem neuen Zimmer folgten weitaus größere Ausgaben in Höhe von 300 000 Euro für die Schulhofumgestaltung, die Ulbrich-Stiftung sorgte für 200 neue iPads, für noch einmal 300 000 Euro zog das Bürogebäude in einen neuen Anbau. Zudem besitzen alle Klassen multimediale Tafeln.

Drei Hausmeister, drei Sekretärinnen sowie Mitarbeiter in der IT, in der Schulbibliothek und ein Sozialpädagoge sind angestellt. Für die Größenordnung der Schule sei das phänomenal. „Es wird viel gemacht. Die Schulen in Timmendorf sind immer sehr großzügig bedient worden“, sagt Rath, der allerdings für seine Wünsche gegenüber der Politik immer hart kämpfen musste. „Ich musste viel Überzeugungsarbeit leisten.“

Baldiger Pensionär freut sich aufs Heimwerken

Der Einsatz in allen Bereichen hat sich jedoch gelohnt. Der Wohlfühlfaktor ist hoch an der GGS-Strand, die mit Hans-Georg Rath als Chef von einer Grund-, Haupt- und Realschule zur Regionalschule und am Ende zur Europaschule wuchs. Nach vielen Veränderungen, das Durchleben drei verschiedener Schulformen freut sich Rath besonders über die Harmonie unter den Schülern und auch Lehrern. „Im Kollegium herrscht eine große Übereinstimmung in unserer erzieherischen Arbeit“, betont er. Festzumachen beispielsweise an den für Rath besonderen Weihnachtsfeiern im großen Saal des Maritim-Seehotel mit 1000 Besuchern und den gemeinsamen Auftritten der ersten bis zehnten Klassen auf der großen Bühne. „Das fand ich immer grandios. Das war ein Highlight.“

Von Oldenburg nach Oldenburg

Hans-Georg Rath (66) ist in Oldenburg aufgewachsen, zur Schule gegangen und hat im Norden Ostholsteins 1974 das Abitur gemacht. Zum Studieren ging es nach Oldenburg in Niedersachsen. Nach erfolgreichem Abschluss 1979 wartete auf den Mathe-, Sport- und Techniklehrer als erste Schulstation Emden in Ostfriesland.

Nach Beratertätigkeiten in Ostholstein für die Eingangsphase der ersten und zweiten Klassen und Fortbildungen für Schulleiter sowie Tätigkeiten unter anderem an der Schule in Grube, war er acht Jahre lang Schulleiter in Schönwalde. Nach acht Jahren am Bungsberg ging es für den Ostholsteiner nach Timmendorfer Strand, wo seine berufliche Laufbahn nun endet.

Ein Nachfolger steht erst im März fest. Bis dahin übernimmt Konrektorin Esther Passig die Leitung an der GGS Strand.

Der 66-Jährige ist stolz, was er gemeinsam mit dem Kollegium an der Europaschule geschafft hat. „Es ist schade, gerade jetzt zu gehen, weil die Schule da angekommen ist, wo ich sie haben wollte.“ Dennoch freut sich der begeisterte Heimwerker aufs Werkeln am Haus, auf Urlaube und die Zeit mit seinen Kindern und drei Enkeln. Aber bis Ende des Monats heißt es für ihn, sich noch voll auf seinen Job zu konzentrieren. Unter anderem folgt noch ein Gespräch mit der neuen Lehrkraft, die zum 1. Februar beginnt. „Ich mache meine Arbeit als Schulleiter bis zum 31. Januar mit ganzem Herzen, und dann denke ich an das, was danach kommt.“

Beke Zill