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Ostholstein Schulsanierung: Kommunen fehlt das Geld
Lokales Ostholstein Schulsanierung: Kommunen fehlt das Geld
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18:00 05.02.2019
Das Neustädter Küstengymnasium muss saniert werden – wie viele weitere Schulgebäude im Kreis Ostholstein.
Das Neustädter Küstengymnasium muss saniert werden – wie viele weitere Schulgebäude im Kreis Ostholstein. Quelle: Rosenkötter
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Der Erhalt der Schulgebäude bringt Ostholsteins Kommunen in finanzielle Nöte. In vielen Orten stehen Investitionen im zweistelligen Millionenbereich an – Summen, die die Gemeinden alleine nicht stemmen können. Die Aussicht auf Fördermittel ist bisher allerdings vergleichsweise gering; meistens kann mit den Zuschüssen nur ein Bruchteil der Kosten gedeckt werden.

Fördergelder können den Bedarf nicht decken

Oldenburgs Bürgermeister Martin Voigt (parteilos) hofft, dass das Land auf die Situation reagiert und weitere Förderprogramme auflegt. Zuletzt hatte Kiel zusammen mit dem Bund insgesamt 139 Millionen Euro für die Schulen in Schleswig-Holstein bereitgestellt – angemeldet wurde ein Bedarf von etwa 1,4 Milliarden. Das habe sehr deutlich gezeigt, dass der Topf für den Schulbereich völlig unterfinanziert sei, so Voigt.

Die Stadt hat gerade erst ein umfassendes Konzept für die Erneuerung ihrer drei Schulen beschlossen (die LN berichteten). Insgesamt werden die Kosten für alle geplanten Maßnahmen auf rund 45 Millionen Euro geschätzt; in einem ersten Schritt sollen knapp 28 Millionen Euro investiert werden. Nur etwa 6,5 Millionen davon sind Fördermittel, die übrigen 21 Millionen muss Oldenburg selbst bezahlen. Insofern sollen die weiteren Arbeiten zu gegebener Zeit einzeln angeschoben werden: Aktuell sei „nicht absehbar, ob die Finanzkraft der Stadt hierfür auf Dauer ausreichend ist“, erklärt der Bürgermeister.

Keine Zuschüsse: Viele Gemeinden gehen leer aus

Für weitere Kommunen wird der Erhalt der Schulgebäude ebenfalls zur Mammutaufgabe. In Bad Schwartau etwa steht für den geplanten Neubau des Gymnasiums am Mühlenberg ein zweistelliger Millionenbetrag im Raum, fünf Millionen kommen voraussichtlich für die Sanierung der Grundschule Cleverbrück obendrauf. Beide Projekte muss die Stadt voraussichtlich allein finanzieren: Die Hoffnung auf Fördermittel hat sich laut Bauamt vorerst zerschlagen.

Ebenfalls leer ausgegangen sind in der letzten Förderrunde Eutin und Süsel. Die entsprechenden Anträge seien abgelehnt worden, bestätigt der gemeinsame Bauamtsleiter Henning Schröter. Er spricht von einer „undurchsichtigen Vergabepraxis“: Es sei „schon eigenartig, nach welchen Kriterien hier entschieden wurde“. Stadt und Gemeinde müssten nun zusehen, wie sie die Aufgaben allein bewältigen könnten. Auf die Gemeinde Süsel kommen für Arbeiten am Schulzentrum Kosten zwischen 5,7 und 7,9 Millionen Euro zu. Eutin rechnet mit mehr als 40 Millionen Euro für notwendige Investitionen in die Wilhelm-Wisser-Schule und die Grundschule Am Kleinen See.

Appell ans Land für neue Fördertöpfe

Auch in Neustadt ist der in Aussicht gestellte Zuschuss über zwei Millionen Euro für die Sanierung des Küstengymnasiums mit Blick auf die prognostizierten Gesamtkosten von 26 Millionen eher ein Tropfen auf den heißen Stein. Bauamtsleiterin Antje Weise rechnet damit, dass es am Ende sogar noch teurer wird: „Die Schätzung ist aus dem Jahr 2017, die Baukosten steigen rasant.“ Auch sie hofft deshalb, dass es weitere Fördertöpfe geben wird. In den Sommerferien 2020 sollen die Arbeiten am Gymnasium beginnen; Weise rechnet mit einer Bauzeit von insgesamt sechs Jahren. Da der Schulbetrieb währenddessen weitergehe, müssten die Maßnahmen ohnehin nach und nach umgesetzt werden, erklärt sie. Daher könnte die Stadt im Laufe des Projekts gegebenenfalls durchaus noch weitere Förderanträge stellen.

Auf eine solche Chance hoffen zurzeit viele Kommunen im Kreis. Oldenburgs Verwaltungschef Voigt betont, man habe „keine Gelegenheit ausgelassen, auf die Probleme der Schulträger hinzuweisen“. Insofern habe er „eine gewisse Hoffnung, dass es in Zukunft bessere Fördermöglichkeiten geben könnte“.

Jennifer Binder