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Ostholstein Schutzgebiet am Bungsberg: Bauern üben Kritik am Kreis
Lokales Ostholstein Schutzgebiet am Bungsberg: Bauern üben Kritik am Kreis
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22:50 23.02.2017
Schutzgebiet Bungsberg und Vorland. Quelle: Foto: Hfr
Wangels

Noch immer kein Konsens zwischen Kreis und Landwirten. So muss das Fazit bezüglich des von der Kreisverwaltung Ostholstein geplanten LandschaftsschutzgebietesBungsberg und Vorland“ nach der Bezirksversammlung der Bauern in Wangels lauten. Die Landwirte befürchten, dass sich aus dem Schutzgebiet entgegen der Aussagen des Kreises doch noch negative Folgen ergeben könnten.

Aber: Landrat kommt den Landwirten bei zentralen Aspekten entgegen.

Umweltausschuss

Der Umweltausschuss des Kreistages beschäftigte sich am vergangenen Montag mit dem SchutzgebietBungsberg und Vorland“. Landrat Reinhard Sager sagt: „Beim Punkt Fragen und Anregungen gab es überhaupt keinen kritischen Beitrag dazu.“

Landrat Reinhard Sager (CDU) hatte sich beim Kreisbauerntag in Oldenburg noch überrascht gezeigt, dass das geplante Schutzgebiet am Bungsberg überhaupt ein Diskussionsthema sei. Schließlich würde das Landschaftsschutzgebiet die Landwirte seiner Auffassung nach in keinster Weise benachteiligen. Im „Gasthaus zur Linde“ in Wangels sagte Holger Schädlich, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes:

„Der erste Entwurf der Kreisverwaltung war eine Katastrophe. Mittlerweile haben wir aber einige wichtige Punkte ändern können.“ Nun würde es sowohl um Ortschaften als auch um landwirtschaftliche Betriebe Zonen geben, die vom Schutzgebiet nicht betroffen seien.

Dass diese aber die Bauern noch nicht zufrieden stellen, wurde allzu deutlich. Daran konnte auch Referent Nils Hollerbach, Fachbereichsleiter Planung, Bau und Umwelt beim Kreis, mit seinen Erklärungen und Ausführungen wenig ändern. Tenor der Landwirte: „Das Schutzgebiet diene allein zur Verhinderung von Windkraft.“ Hollerbach bestätigte, dass dies in der Tat der Motor sei. Außerdem solle das Schutzgebiet den Erholungscharakter und touristischen Wert des knapp 9000 Hektar großen Schutzgebietes erhalten.

Die Landwirte machten deutlich, dass sie zum einen gegen ein striktes Windkraftverbot seien und zum anderen befürchten, dass aus dem Landschaftsschutzgebiet in den Folgejahren mit immer neuen Einschränkungen ein FFH-Gebiet entstehen könne – dann mit empfindlichen Einschränkungen für die Landwirtschaft. Ein Bauer fragte: „Kann mir Landrat Sager heute garantieren, dass dies in den nächsten 20 Jahren nicht geschieht? Kann er nämlich nicht.“ Die LN hakten hier bei Reinhard Sager nach. Der sagt: „Es gibt in Schleswig-Holstein seit Jahrzehnten Landschaftsschutzgebiete. Aus denen werden keine FFH-Gebiete.“ Seiner Auffassung nach nehme der Kreis Rücksicht auf die Landwirte.

Es blieb in Wangels bei den verhärteten Fronten, wenngleich der Ton im Saal moderat und fair ausfiel. Hollerbach gestand: „Mir war schon vorher klar, dass wir nur schwer einen Konsens finden.“ Er dankte dennoch für den offenen Austausch. Fazit des Kreisbauernvorsitzenden Klaus-Dieter Blanck (Fehmarn): „Wir waren nie mit dem geplanten Schutzgebiet einverstanden – und wir sind es auch heute nicht.“

Wie es weiter geht, erklärte Hollerbach: „Das Gebiet ist einstweilig unter Schutz gestellt. Jetzt beginnt ja die Phase der öffentlichen Beteiligung, an der sich Privatleute, Kommunen und Verbände beteiligen können.“ Nun liegt es an den Kritikern, Landrat Sager von einem Kurswechsel zu überzeugen.

Infos: www.kreis-oh.de/Buergerservice/Amtliche-Bekanntmachungen

 Peter Mantik