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Ostholstein Ostholsteins Jäger werden Wildschweinfleisch nicht mehr los
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15:51 21.02.2020
Carsten Höper, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Oldenburg, an der heimischen Kühltruhe. Sie ist randvoll gefüllt. Die Nachfrage nach Wildschweinfleisch ist nach den Festtagen im Dezember abgeflacht. Quelle: Montage: Boerger/LN, Foto: dpa, HFR
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Oldenburg

Ostholsteins Jäger sind nahezu im Dauereinsatz gegen die Afrikanische Schweinepest (ASP). Bisher nur prophylaktisch, denn noch hat die Seuche Deutschland nicht erreicht. Aber nach den Vorgaben des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und Natur in Kiel muss der heimische Wildschweinbestand drastisch reduziert werden. Deshalb stehen Schwarzkittel ganz oben auf der Abschussliste. Nun wissen viele Jäger gar nicht mehr wohin mit dem Wildschweinfleisch – und verschenken es zum Teil sogar.

Carsten Höper, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Oldenburg, war mit 30 bis 40 Jägern aus ganz Ostholstein am Wochenende zur Sitzung des Landesjagdverbandes in Bad Bramstedt. Auch dort wurde über das Thema beraten. „Durch die ASP-Bedrohung sind wir Jäger angehalten, so viel Schwarzwild wie möglich zu erlegen“, sagt Höper. „Doch was sollen wir mit den erlegten Stücken tun?“ Das fragte er auch den Vertreter der Obersten Jagdbehörde beim zuständigen Ministerium.

Was kann man selbst machen?

Da die indirekte Übertragung des Virus auf Wild- und Hausschweine über Fleischwaren sowie Speiseabfälle möglich ist, sollten Sie keine tierischen Lebensmittel aus dem Ausland einführen. Für Risikogebiete in der EU ist das sogar verboten.

Speiseabfälle sollten Sie grundsätzlich nicht offen entsorgen, weder im Privathaushalt noch auf Raststätten, Parkplätzen oder in öffentliche Abfallbehälter. Salami, Schinken sowie alle Rohwursterzeugnisse sind besonders gefährlich, da das ASP-Virus darin monatelang überlebt.

Speise- und Küchenabfälle dürfen nicht an Haus- und Wildschweine und andere Nutztiere verfüttert werden. Dies ist seit Jahrzehnten verboten und gilt auch für das Wurstbrot auf der Wanderung.

Weitere Infos finden Sie im Internet beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft oder beim Friedrich-Loeffler-Institut.

Ministerium soll Fleisch kaufen und weiterverkaufen

Das Fleisch könne man ja nicht wegwerfen. Höpers Vorschlag an die Jagdbehörde lautet deshalb: „Aufgrund mangelnder Nachfrage sollte es eine Vermarktung durch das Land geben. Das erlegte Wild könnte vom Ministerium aufgekauft und dann als große Charge zum Beispiel an einen Discounter weiter veräußert werden.“

Von einer „Pürzel-Prämie“, wie in Mecklenburg-Vorpommern praktiziert, hält Höper dagegen nichts. Dort werden Frischlinge auf breiter Front gegen Zahlung einer Prämie erlegt und dann zum Teil entsorgt. „Ziel muss es sein, ein hochwertiges Lebensmittel sinnvoll weiter zu verwerten“, sagt Höper. Er hatte erwartet, dass die Oberste Jagdbehörde für die Sitzung in Bad Bramstedt bereits eine Lösung des Problems hätte. Doch er wurde enttäuscht. „Fakt ist, dass die Thematik jetzt erst weiter diskutiert wird.“

Sollte das ASP-Virus mit den Wildschweinen die deutsch-polnische Grenze überwinden, sind auch die Hausschwein-Bestände in Deutschland gefährdet. Denn gegen andere Krankheiten können die Betriebe ihre Tiere impfen, gegen ASP bisher allerdings nicht. Quelle: Ralf Hirschberger/dpa

Ostholsteins Jäger spenden Wildfleisch an die Tafel

Damit ist den Jägern nicht geholfen. Vereinzelt wurde bereits Wildschwein-Fleisch gespendet – zum Beispiel an die Heiligenhafener Tafel. „Die waren superglücklich, weil sie so selten Fleisch bekommen“, berichtet der Vorsitzende der Kreisjägerschaft. Doch die entstandenen Kosten trage in diesem Fall der Jäger komplett selbst: die Fahrt ins Revier, die Kosten für die Munition, die Arbeit mit dem Zerlegen des Wildes.

„Normal wäre ein Preis von drei Euro fürs Kilo“, erklärt Höper. „In Mecklenburg-Vorpommern lag der Kilopreis aber auch schon bei nur 20 Cent. Dort heißt es: Hauptsache, die Sauen sind tot.“ Es ist ein Konflikt, in dem sich die Jäger befinden. Sie sollen die Bestände klein halten. Wenn die Nachfrage fehle, stehe dem aber die sinnvolle Weiterverwendung gegenüber, sagt er. „Wir als Jäger erwarten von der Jagdbehörde, dass man hier einen Schritt weiterdenkt, was mit dem anfallenden Fleisch passiert.“

Mehr zum Thema Schweinepest:

Impfstoff gegen die Schweinepest? Hoffnungsschimmer 2019

Das ASP-Virus ist für den Menschen übrigens ungefährlich. Einen Impfstoff gegen das ASP-Virus gibt es noch nicht. Das treibt 132 Schweinehaltern im Kreis die Sorgenfalten auf die Stirn. Denn ein Ausbruch der Seuche könnte gefährliche Auswirkungen auf die Betriebe in Ostholstein haben.

Hoffnung keimte im Juni 2019 kurzzeitig auf: Ein Wissenschaftler-Team in Spanien hatte erstmals nachgewiesen, dass Wildschweine vor einer Ansteckung geschützt werden können. Ostholsteins Kreisveterinär und die Jägerschaft waren begeistert. „Wenn die Forscher das hinbekommen, wäre es eine Sensation“, sagte Kreisveterinär Dr. Wolf Vogelreuter damals den LN. Darauf würden bundesweit mehr als 400 Kreisveterinäre warten. Doch seitdem hat sich nichts mehr auf dem Gebiet getan.

Noch grassiert das ASP-Virus hauptsächlich in Osteuropa und in Belgien. Es rückt aber immer näher an Deutschland heran. Anfang Januar wurde ein positiv getesteter Wildschweinkadaver auf polnischer Seite 20 Kilometer vor Görlitz gefunden. Ende Januar gab es einen zweiten Fall – nur noch zwölf Kilometer vor der deutschen Grenze. In Ostholstein sind Kreisjägerschaft und die Veterinäre deshalb in erhöhter Alarmbereitschaft.

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