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Ostholstein Schweinswale von Scharbeutz: Untersuchung soll Todesursache klären
Lokales Ostholstein Schweinswale von Scharbeutz: Untersuchung soll Todesursache klären
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22:23 24.05.2018
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Scharbeutz

Badegäste hatten die leblose Mutter und das noch halb in ihr steckende Kalb am Donnerstag im Wasser entdeckt und waren zu Strandkorbvermieterin Claudia Laas gelaufen. „Da sei ein großer Fisch im Wasser“, erzählt Laas, was ihr die Strandbesucher berichteten. Einige hätten das Tier von der Seebrücke aus gut beobachten können und bereits erkannt, dass dort eine schwierige Geburt tödlich ausgegangen war.

Laas und mehrere Badegäste hatten sich umgehend an die Besatzung der DLRG-Station an der Seebrücke gewandt. Die weiß, wen sie in solchen Fällen hinzurufen muss: Andreas Milde, Mitarbeiter des Scharbeutzer Bauhofes und ehrenamtlicher Meeressäuger-Schützer und, wie in diesem Fall, -Berger. Seit 23 Jahren befasst er sich mit allem, was mit Robben und Schweinswalen zu tun hat. Was sich gestern vor Scharbeutz ereignete, hat er aber noch nicht erlebt. „Für mich ist es das erste Mal.“ Eine über der Geburt gestorbene Kuh und ein noch halb im Mutterleib gestorbenes Kalb hat er an der Ostsee noch nicht gesehen.

Für Milde sah es so aus, als wenn die Schweinswal-Mutter gerade erst verendet war. Helfer von der DLRG holten die Mutter und ihr Kalb mit einem Schlauchboot an Land und brachten beide zum Bauhof. Milde rief die Experten vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung Büsum an, die sich auf den Weg nach Scharbeutz machten. „Die sind führend in der Forschung“, sagt Milde, „alle Kadaver werden dorthin überstellt, untersucht und die Ergebnisse ausgewertet.“

Ursache für tödliche Geburt unklar

In Büsum wird an im Wasser lebenden Säugetieren, also zum Beispiel Seehunden, Kegelrobben, Schweinswalen, Delfinen und Zwergwalen geforscht. Bevor die Experten die Tiere abholten, hat Milde ihn noch gemessen. 1,70 Meter lang war die Kuh, laut Milde ein ausgewachsenes Tier stattlicher Größe. Bei den Schweinswalen beginnt jetzt die sogenannte Setzzeit, also die Zeit, in der die Kälber auf die Welt kommen. Über die Ursache für die tödlich verlaufene Geburt vor Scharbeutz mag Milde nicht spekulieren. „Äußerlich war nichts zu sehen.“ Der steife Wind und das leicht auflaufende Wasser mit ordentlichen Wellen dürften seiner Meinung nach der Mutter keine Probleme bereitet haben. „Die Tiere sind Superschwimmer und können mehrere Meter tief tauchen.“

In Scharbeutz waren der Ort und der Strand gestern voller Menschen. Die Bergung der Tiere beobachteten laut Milde, der direkt dabei stand, etwa 50 bis 60 Leute, „jeder mit einem Handy bewaffnet, das war ganz schön traurig“. Etwas anders hat es Claudia Laas wahrgenommen. Sie glaubt, dass nicht so viele Menschen die Bergung mitbekommen haben. Für sie selbst war es das erste Mal, dass sie einen Schweinswal vor Scharbeutz gesehen hat. „Sonst war da nur mal eine Kegelrobbe, die sich gesonnt hat.“

Von Susanne Peyronnet