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Ostholstein Schwierige Zeiten für Landärzte: Mediziner aus Kellenhusen suchte zehn Jahre einen Nachfolger
Lokales Ostholstein Schwierige Zeiten für Landärzte: Mediziner aus Kellenhusen suchte zehn Jahre einen Nachfolger
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20:28 28.10.2019
Dr. Uwe Gnoyke (70) freut sich, dass er seine Praxis endlich übergeben konnte. Claudia Hackenberg betreut jetzt die Patienten in Kellenhusen. Der Arzt und seine Frau ziehen Ende November nach Eckernförde. Quelle: Gäbler
Kellenhusen

Sie sind der Kummerkasten für die kleinen und großen Beschwerden, haben zwar geregelte Sprechstunden, sind aber eigentlich doch rund um die Uhr im Einsatz, wenn Not am Mann oder der Frau ist: die Landärzte in Ostholstein. Aktuell gibt es zwischen Puttgarden und Bad Schwartau 155 Hausärzte. Viele von ihnen sind schon weit über 65. Einen Nachfolger zu finden ist gar nicht so einfach, wie das Beispiel aus Kellenhusen zeigt.

Dr. Uwe Gnoyke war Arzt mit Leib und Seele und hat seinen 65. Geburtstag schon lange hinter sich. Ende Oktober wird er 71 Jahre alt. Jetzt endlich, nach zehnjähriger Suche, hat er eine Nachfolgerin gefunden. Für Gnoyke endet der Lebensabschnitt als Arzt in Kellenhusen endgültig Ende November. Bis dahin hat er sein Haus geräumt und den Umzug organisiert. Die Praxis ist bereits übergeben. Am 1. Oktober hat Claudia Hackenberg, Fachärztin für Innere Medizin, in Kellenhusen übernommen.

Zahl der Arztstunden geht zurück

155 Hausärzte praktizieren aktuell in Ostholstein. Vor fünf Jahren waren es auch schon 155. „Allerdings gibt es im Vergleich zu früher in den Praxen mehr angestellte Ärztinnen und Ärzte, die auch in Teilzeit arbeiten“, erklärt Marco Dethlefsen von der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) in Bad Segeberg. „33 der 155 Hausärzte im Kreis Ostholstein sind in den Praxen angestellt, die Hälfte davon arbeitet in Teilzeit“, sagt Dethlefsen. Das heißt, dass die Zahl der Ärzte zwar stabil bleibt, die zur Verfügung stehenden Arzt-Stunden aber abnehmen.

Ostholsteins Hausärzte sind im Durchschnitt laut Kassenärztlicher Vereinigung 54,7 Jahre alt. Dethlefsen: „12,9 Prozent sind aber 65 Jahre oder älter. Wann diese Hausärzte in den Ruhestand gehen werden, wissen wir nicht. Der Grund: Vertragsärzte dürfen so lange praktizieren, wie sie wollen beziehungsweise sich fit fühlen.“

Generell lässt sich laut KV aber sagen, dass viele der Hausärzte in den kommenden Jahren einen Nachfolger suchen werden. Vor allem Einzelpraxen würden in der nächsten Zeit abgegeben werden. Um dem drohenden Ärztemangel entgegenzuwirken, habe die KV in Schleswig-Holstein bereits 2011 eine Nachwuchskampagne gestartet.

Kampagne soll Lust aufs Landleben machen

Diese soll schon bei Medizinstudenten Lust aufs Landleben machen (Informationen hierzu gibt es unter www.mehrarztleben.de). „Außerdem fördern wir finanziell gemeinsam mit den Krankenkassen gezielt Ärzte in Weiterbildung, die sich auf dem Weg zum Hausarzt oder Facharzt (zum Beispiel Kinderärzte) befinden“, sagt Dethlefsen. „Zudem unterstützen wir das sogenannte Kompetenzzentrum Allgemeinmedizin, das die angehenden Hausärzte betreut.“

Zum 1. Oktober habe die KV außerdem einen Strukturfonds zur Sicherstellung der ambulanten medizinischen Versorgung in Höhe von 3,2 Millionen Euro eingerichtet. Ziel sei es, die ambulante medizinische Versorgung vor allem in ländlichen und strukturschwachen Regionen zu gewährleisten.

Infoveranstaltungen für Nachwuchs-Ärzte

Dabei setzt die KV nach Angaben von Dethlefsen auch auf ein neues Versorgungsmodell: „Teampraxen – lokale Gesundheitszentren in der Hand von Ärzten“. Die in dem Strukturfonds verankerten Maßnahmen sollen Versorgungsengpässe verhindern. Denn landesweit sind sogar rund ein Drittel der 1985 Hausärzte 60 Jahre oder älter. Um potenzielle Praxen-Nachfolger für einen Umzug nach Ostholstein zu gewinnen, bietet die KV Informationsveranstaltungen für Nachwuchsärzte an.

„Unsere Zulassungsabteilung bietet regelmäßig Beratungen für Praxisabgeber und Praxisübernehmer an und einmal im Jahr veranstalten wir gemeinsam mit der Ärztekammer und der Deutschen Apotheker- und Ärztebank einen Infotag für Existenzgründer und Praxisabgeber“, sagt Dethlefsen. Daran hätten beim vergangenen Mal 130 Ärzte und Psychotherapeuten teilgenommen. „Ärzte, die einen Nachfolger suchen oder die in eine Praxis einsteigen wollen, können auch unsere Praxisbörse im Internet nutzen.“

Weihnachtszeit genießen im Ruhestand

Dr. Uwe Gnoyke musste dennoch zehn Jahre warten, bis er eine Nachfolgerin für seine Praxis an der Denkmalstraße gefunden hat. Jetzt ist er froh, dass alles abgewickelt ist und freut sich mit seiner Ehefrau auf den gemeinsamen Ruhestand in Eckernförde. Vom 1. Dezember an kann er die Weihnachtszeit dort ganz entspannt genießen.

Von Louis Gäbler

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