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Ostholstein Sicherheit auf See: Das müssen Wassersportler in der Neustädter Bucht beachten
Lokales Ostholstein Sicherheit auf See: Das müssen Wassersportler in der Neustädter Bucht beachten
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17:36 01.11.2019
Ganz oben am Außensteuerstand des DGzRS-Seenotkreuzers „Hans Hackmack“: Der 1. Vormann Markus Davids (49) hält mit dem Fernglas Ausschau. Quelle: Gäbler
Grömitz/Neustadt/Travemünde

Jollen-Kenterung in der Neustädter Bucht – was so harmlos klingt, wäre fast in einer Tragödie geendet: Zwei Männer (57 und 59 Jahre) werden an diesem Tag im Sommer gegen 19 Uhr von einer der beiden Ehefrauen als überfällig gemeldet. Eigentlich wollten sie längst von ihrem Segelausflug zurück sein, doch an Land wartete man vergebens. Gleich nach dem Anruf löst die Einsatzleitstelle der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) in Bremen eine groß angelegte Suche in der Neustädter Bucht aus.

Im selben Moment schrillt der Alarm auch auf den DGzRS-Seenotkreuzern „Hans Hackmack“ im Grömitzer Jachthafen und auf der „Bremen“ in Großenbrode. Beide Schiffe sind rund um die Uhr startklar, können Tag und Nacht, Sommer wie Winter und bei jedem Wetter auslaufen – selbst dann, wenn andere vor einem nahenden Sturm nur noch in den sicheren Hafen flüchten.

365 Tage im Jahr sind sie einsatzbereit: Die Crew der „Hans Hackmann“ in Grömitz läuft dann aus, wenn es ernst wird. Ihr Ziel ist es, Wassersportler in der Lübecker Bucht aus Gefahren zu retten.

Segler erst kurz vor Einbruch der Dunkelheit gefunden

Die Crews machen sich binnen Minuten auf die Suche nach den Vermissten. Die umliegende Schifffahrt und Helikopter werden eingebunden und um intensiven Ausguck gebeten. Erst gegen 21 Uhr wird die gekenterte Jolle gesichtet. Die beiden Männer klammern sich am Rumpf fest. Wenig später ist auch der Seenotkreuzer „Hans Hackmack“ vor Ort.

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Mit dem Tochterboot ziehen die Seenotretter die Segler an Bord. Im letzten Augenblick. Einer trägt lediglich eine Badehose. Beide sind zu diesem Zeitpunkt lebensgefährlich unterkühlt und kaum noch ansprechbar. Die Körperkerntemperatur ist auf unter 32 Grad abgesunken. Sie werden in Kellenhusen an zwei Rettungswagen übergeben und ins Krankenhaus gebracht. Inzwischen geht es ihnen wieder gut.

Eine Sicherheitsausrüstung gehört an Bord

Ein Fall wie dieser aus dem Logbuch der „Hackmack“-Crew kommt immer wieder vor. Besonders in den Sommermonaten. Segler ohne Erfahrung fahren bei strahlendem Sonnenschein leicht bekleidet raus aufs Meer. Plötzlich schlägt das Wetter um, es kommt zu Kenterungen. Häufig sind keine Kommunikationsmittel, Signalraketen und Schwimmwesten an Bord.

„Was für ein Leichtsinn“, sagt Vormann Markus Davids (49) an Bord des Rettungskreuzers. Er ist neuer 1. Vormann und Nachfolger von Guido Förster, der nun im Trainingszentrum Neustadt der Seenotretter-Akademie tätig ist. Davids betont, dass eine Sicherheitsausrüstung an Bord eines jeden Schiffes gehöre, egal ob Dickschiff oder Jolle.

Das sollten Wassersportler immer dabei haben

Diese Tipps der Seenotretter sollten Wassersportler bei jedem Törn berücksichtigen: Rettungswesten, die immer auch auf Inspektions- und Ablaufdatum überprüft werden müssen, außerdem eine ausreichende Zahl von Rettungswesten je nach Crewgröße. Darüber hinaus gehören Personen-Notsender genauso mit an Bord wie warme Segelbekleidung, Schuhe, Mützen und persönliche Medikamente.

Nummer der Seenotleitung speichern

DGzRS-Rettungskreuzer und -boote liegen außer in Grömitz in Heiligenhafen, Puttgarden, Großenbrode, in Neustadt und in Lübeck-Travemünde.

Kommunikationsgeräte sind überlebenswichtig an Bord, zum Beispiel ein wasserdichtes Mobiltelefon mit GPS. Die Nummer der Seenotleitung Bremen 0049 421 53 68 70 sollte unbedingt eingespeichert werden.

Die Broschüre„Sicher auf See“ gibt es auf www.seenotretter.de.

Vor der Fahrt müsse eine Wettervorhersage für das Seegebiet eingeholt werden. Außerdem hat der verantwortliche Schiffsführer der Crew zu erklären, wie die Sicherheitsausrüstung an Bord verwendet wird: das Anlegen der Rettungswesten, den Ort der Lifelines und Sorgeleinen, die Benutzung der Feuerlöscher, der Rettungsinsel und des UKW-Notrufkanals. Ebenfalls wichtig sind Kontaktinformationen im Notfall und eine Kopie des Reiseplans für eine Person an Land.

Team-Besprechungen nach den Einsätzen

Der Fall der beiden im letzten Augenblick gefundenen Segler ist gerade noch einmal gut ausgegangen. Trotzdem zerrte die Zeitnot und der Druck, die beiden Vermissten noch vor Einbruch der Dunkelheit zu finden, an den Nerven der „Hackmack“-Crew. „Deshalb gibt es im Anschluss an die Bergungen auch immer Team-Besprechungen“, sagt Maschinist Peter Schopenhauer (51). Dann werde intern besprochen, was gut und was weniger gut gelaufen war.

Mann-über-Bord-Manöver halten fit

Um Crew und Schiff rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr und für jedes Wetter fit zu halten, muss immer wieder trainiert werden. „Mindestens zwei Mal pro Woche gehen wir auf Kontrollfahrten, trainieren immer wieder Mann-über-Bord-Manöver und überprüfen die medizinische Versorgung an Bord“, sagt Davids. Die knapp 22 Jahre alte „Hans Hackmack“ sei noch bestens in Schuss. „Sie ist alt, aber nicht veraltet.“

28 Meter-Neubau auf der Fassmer-Werft

Dennoch freut sich die Crew auf den 28 Meter langen Neubau, der gerade auf der Fassmer-Werft in Berne an der Weser entsteht. SK 41, so der Arbeitstitel, soll Ende 2020 getauft werden und bietet noch mehr Sicherheit für Notfälle auf See – darunter einen eigenen Hospital-Raum und eine Wärmebildkamera, außerdem komfortablere Wohnräume für die Mannschaft. Mit dem 28-Meter-Neubau bekommt die Station in Grömitz dann den größten Seenotkreuzer an der Lübecker Bucht.

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Von Louis Gäbler

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