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Ostholstein Sieben Autobrände in 24 Minuten
Lokales Ostholstein Sieben Autobrände in 24 Minuten
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09:59 27.04.2014
Der Motor dieses Opel Astra ist vollkommen ausgebrannt, der Honda daneben ist schwer beschädigt.
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Scharbeutz

Die Urlaubsregion Lübecker Bucht hat es offenbar wieder mit einem Feuerteufel zu tun: In der Nacht zu gestern brannten an mehren Orten insgesamt sieben Autos vollständig aus oder wurden durch Feuer stark zerstört. Es ist bereits die zweite Serie von Autobränden innerhalb einer Woche. Bereits in der Osternacht waren vier Fahrzeuge in Scharbeutz und Klingberg einem Brandstifter zum Opfer gefallen.

Die Polizei vermutet auch hinter den jüngsten Vorfällen eine zusammenhängende Serie. Das erste Feuer wurde gestern frühmorgens um 2.35 Uhr aus Groß Timmendorf gemeldet. Zwei Fahrzeuge standen in Flammen. Die Spur des Feuerteufels zog sich anschließend über Luschendorf (2.41 Uhr, ein Auto) nach Niendorf (2.48 Uhr, zwei Autos) und Scharbeutz (2.59 Uhr, zwei Autos). Innerhalb von nur einer halben Stunde wurden damit sieben Fahrzeuge in Brand gesetzt, die meisten von ihnen haben nur noch Schrottwert. „Noch während ich auf dem Weg zum ersten Feuer war, kam schon der zweite Alarm“, sagte Gemeindewehrführer Stephan Muuss.

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Die Höhe des entstandenen Schadens dürfte mehrere Zehntausend Euro betragen. „Die sieben Autos sind allerdings nur die, von denen wir bis jetzt wissen“, schränkte eine Beamtin der Polizei-Regionalleitstelle in Lübeck ein. Möglicherweise würden sich in den kommenden Tagen noch mehr geschädigte Nutzer bei der Polizei melden.

Wie die Feuer gelegt worden sind, wollten die Brandermittler der Lübecker Kriminalpolizei gestern noch nicht sagen. An den Wracks der Autos ist jedoch zu erkennen, dass zunächst die Reifen angezündet worden sind — ebenso ist es bei der Brandserie in der Nacht zum Ostersonntag gewesen.

Zu den zerstörten Fahrzeugen gehörte auch der VW Touran einer Familie aus Mülheim an der Ruhr, die derzeit in Groß Timmendorf Urlaub macht. Nur wenige Meter vom Brandort entfernt standen auf dem Parkplatz des Hotels „Fuchsbau“ zudem 25 Automodelle der britischen Nobelmarke „Jaguar“, da ein Automobilclub derzeit ein Treffen an der Ostsee abhält. Für die Eigner muss das Feuer in der Nacht ein Moment des Schreckens gewesen sein, denn unter den Autos waren auch unersetzliche Oldtimer von immensem Wert. Von den edlen Gefährten wurde jedoch keines beschädigt. „Für die kommende Nacht werden die Jaguars von einem privaten Sicherheitsdienst bewacht, um die Gäste zu beruhigen“, sagte Hauke Fuhrmann vom Hotel. Zudem hätten die Gäste einen Gutschein für eine Waschanlage erhalten, da viele Autos gestern mit Ruß bedeckt waren.

Auf „Nobelkarossen“, wie man es von Brandserien in Hamburg und Berlin kennt, hatten es der oder die Ostholsteiner Feuerteufel aber nicht abgesehen. Angesteckt wurden neben dem VW auch Autos der Marken Opel, Seat und Nissan, zum Teil auch ältere Modelle. Sozialneid oder Hass auf Vermögende kann daher nicht das Motiv für die Brandserie gewesen sein. Erste Gerüchte, wonach die zerstörten Autos alle auswärtige Kennzeichen hatten und sich die Brandanschläge damit gegen Touristen richteten, bestätigten sich ebenfalls nicht. „Unter den Geschädigten sind Feriengäste ebenso wie Anwohner“, so die Polizeisprecherin.

Es sind nicht die ersten Autobrandstiftungen, die Ostholstein erlebt: Im September und Oktober 2011 hatte ein damals 29-Jähriger neun Autos in Eutin und Scharbeutz in Brand gesetzt. Das Landgericht Lübeck verurteilte den alkoholkranken Mann im März 2012 zu einer Entziehungstherapie und zu einer Haftstrafe von insgesamt vier Jahren. Über das Motiv für seine Taten machte der Mann damals jedoch keine Angaben.

Hinweise auf einen Tatverdächtigen haben die Ermittler bislang nicht. Zeugen werden gebeten, sich bei der Kripo Lübeck unter Telefon 0451/1310 zu melden.

Brandhauptstadt Berlin
Autobrände sind vor allem ein Großstadtphänomen. Während es nach großen Serien in Hamburg in den Jahren 2010 und 2011 in der Hansestadt wieder vergleichsweise ruhig ist, brennen die meisten Autos jetzt in Berlin. 290 einzelne Taten registrierte die Polizei dort 2013. Der bisherige Negativrekord wurde 2011 mit fast 400 brennenden Autos erreicht.

Oliver Vogt