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Ostholstein Dem Panoramic-Schwimmbad fehlen Millionen
Lokales Ostholstein Dem Panoramic-Schwimmbad fehlen Millionen
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18:32 16.04.2019
Das Panoramic-Schwimmbad in Sierksdorf muss dringend saniert werden. Der Beiratsvorsitzende Andreas Blank (l.), sein Stellvertreter Lutz Kaczmarek und Schwimmbadleiterin Lisa-Marie Franz sind enttäuscht, dass das Land keine Fördergelder bereitstellt. Quelle: Sebastian Rosenkötter
Sierksdorf

25 Meter lange Bahnen, 29 Grad warmes Wasser, vier Euro Eintritt – das Panoramic-Schwimmbad in Sierksdorf ist eine Institution. Wer hierher kommt, will entweder in Ruhe ein paar Bahnen ziehen, oder aber schwimmen lernen. Wasserrutschen und Saunen gibt es nicht. Betrieben wird das Bad von der Wohneigentümergemeinschaft. Doch die hat ein Problem. Die Schwimmhalle sowie die dazugehörige Technik müssen saniert werden. Was fehlt, ist das notwendige Geld.

Andreas Blank ist Vorsitzender des Verwaltungsbeirats. Mit seinem Stellvertreter Lutz Kaczmarek hat er ausgerechnet, was es kostet, das Bad zukunftsfähig zu machen. „Wir reden hier von mehreren Millionen Euro. Aktuell halten wir die Schwimmhalle lediglich am Leben“, sagt Andreas Blank und ergänzt, dass im vergangenen Jahr neue Pumpen eingesetzt worden seien, um den Wasser- und Energieverbrauch zu reduzieren. In diesem Jahr sollen die Filteranlage und das Dach folgen. Probleme bereiten auch die Lüftung sowie die gesamte Außenhülle des Gebäudes.

Diese Schwimm- und Spaßbäder gibt es in Ostholstein

Schwimmhallen-Neubau kostet sechs bis sieben Millionen Euro

„Die Anlage wurde 1969 gebaut und ist jetzt 50 Jahre alt. Das Dach des Schwimmbades ist 1991 bei einem Feuer eingestürzt“, sagt Blank. „Es musste erneuert werden. Wir verlieren enorm viel Wärme durch das Dach.“ Wärmerückgewinnung habe es damals noch nicht gegeben. Alternativen zu einer Sanierung gibt es für die beiden Männer nicht. „Ein Neubau kostet sechs bis sieben Millionen Euro, das ist teurer“, sagt Blank. Hinzu kommt, dass alle 405 Eigentümer der Panoramic-Wohnanlage mit den markanten hohen Türmen der Variante zustimmen müssten. „Sollte nur einer dagegen sein, kann er klagen“, sagt Andreas Blank.

Das Panoramic-Bad ist nicht förderfähig

Hoffnung verbreitete im vergangenen Jahr ein Sportstättenförderprogramm des Landes Schleswig-Holstein. Über das Amt Ostholstein-Mitte sei ein Antrag eingereicht worden. „Wir haben vorher gefragt, ob wir förderfähig sind“, sagt Blank. Schließlich hätten sie gewusst, dass das Land nur Einrichtungen in kommunaler Hand unterstützt. Und genau das ist dass Panoramic-Schwimmbad nicht. Dennoch habe man sie ermuntert, die Dokumente einzureichen. Das Ergebnis gab es Mitte Februar – der Antrag wurde abgelehnt.

Geförderte Projekte in Ostholstein

In diesem Jahr fördert das Land Schleswig-Holstein folgende Bauvorhaben im Kreis Ostholstein in den Bereichen Laufbahnen und Spielfelder:
Bad Schwartau: Die Sanierung der Asche-Laufbahn als Kunststofflaufbahn und eines Kleinspielfeldes am Leibniz-Gymnasium. Eutin: Die Erneuerung der Sportplatzbeleuchtung des Fritz-Latendorf-Stadions. Heiligenhafen: Die Sanierung der Laufbahn des Sportplatzes der Warderschule sowie die grundhafte Erneuerung der Laufbahn der städtischen Sportanlage am Lütjenburger Weg.  Oldenburg: Laufbahn aus Tennebelag wird durch Kunststoff ersetzt, Sanierung der Kampfbahn, von vier Rundlaufbahnen sowie Sprintbahnen.

Im Bereich Schwimmsportstätten gibt es Geld für: Bad Schwartau: Eine Solarthermieanlage.  Ratekau: Die Erneuerung und Herstellung der Barrierefreiheit des Badestegs am Hemmelsdorfer See.

Im Bereich Sporthalle werden folgende Orte unterstützt: Neustadt: Die Sanierung der Gymnastikhalle sowie des Geräteraums der Grundschule Neustädter Bucht. Ratekau: Die energetische Flachdachsanierung der Sporthalle Seeretz.

Das Innenministerium bezieht Stellung

Tim Radtke, Sprecher des Innenministeriums, teilt mit: „Der Antrag wurde im Rahmen einer Jurysitzung (unter Beteiligung von Schwimmverbänden und Kommunalen Landesverbänden) abgelehnt, da es sich bei dem Panoramic-Schwimmbad nicht um eine Anlage eines kommunalen Trägers, sondern um einen privaten Eigentümer handelt. Die Sportstättenförderrichtlinie (Grundlage für die Anträge) sieht eine Förderung nur für kommunale Sportstätten vor.“ Zudem sei es nicht Aufgabe des Landes, „den Betrieb von Schulen oder kommunalen Schwimmbädern zu sichern, sondern eine Aufgabe des jeweiligen Trägers“.

Schulen und Vereine nutzen das Bad

Lutz Kaczmarek kann die Entscheidung zwar nachvollziehen, hat aber dennoch wenig Verständnis. Schließlich werde das Bad von 14 Schulen und Vereinen aus der Region genutzt. Hunderte Kinder würden wöchentlich Schwimmen lernen. „Wir durften das Bad damals nur bauen, wenn wir es öffentlich zur Verfügung stellen“, ergänzt Andreas Blank. „Man fordert Öffentlichkeit, fördern fällt aber aus“, moniert Kaczmarek.

Das Schwimmbad in der Sierksdorfer Panoramic-Wohnalage ist seit 1971 in Betrieb. 1991 gab es einen Brand. Das Dach stürzte ein. 28 Jahre später müsste die Anlage eigentlich umfangreich saniert werden.

Einnahmen reichen nicht für Komplettsanierung

Die Einnahmen der Betreiber lassen keine großen Sprünge zu. Panoramic-Bewohner zahlen elf Euro für die Jahreskarte, Gäste von außerhalb vier Euro für die Tageskarte. Hinzu kommen Einnahmen von Schulklassen und Vereinen. Zudem schießt die Gemeinde Sierksdorf jährlich 55 900 Euro zu. Von der Stadt Neustadt kommen 6000 Euro. Auf der Ausgabenseite stehen neben den notwendigen Sanierungsmaßnahmen auch die Gehälter von zwei Festangestellten und mehreren Aushilfen. Um doch Geld zu generieren, sollen in einem nächsten Schritt die Aktiv-Regionen angefragt werden. Zudem ist eine Preiserhöhung angedacht.

Teil der Eigentümer will Abriss der Schwimmhalle

Unterm Strich bleibt der Betrieb defizitär. „Für 2018 wurden pro Wohnung etwa 350 Euro fällig. Das variiert je nach Größe“, sagt Andreas Blank. Viel mehr könne man den Eigentümern kaum zumuten. Hinzu komme, dass etwa 50 Prozent der Besitzer wenig Sympathie für das Bad hegen würden. „Die Nichtnutzer würden das am liebsten schließen, abreißen und behindertengerechte Wohnungen bauen“, sagt der Beiratsvorsitzende. Aber auch diese Entscheidung müsste eben einstimmig fallen.

Vereine und Schulen befürchten Schließung

Sollte es irgendwann dazu kommen, hätte das enorme Auswirkungen. DLRG und Schulen klagen schon jetzt über immer weitere Wege zu Schwimmhallen. Deutschlandweit schließen jährlich rund 80 Anlagen. In Ostholstein mangelt es insbesondere im Norden an Einrichtungen, während es zwischen Eutin und Bad Schwartau ganz gut aussehe, wie Rettungsschwimmer erst vor wenigen Wochen gegenüber den LN deutlich machten.

Schulrat Manfred Meyer. Quelle: Ulrike Benthien

Ostholsteins Schulrat Manfred Meyer sagt, dass Schwimmunterricht grundsätzlich Pflicht für Schüler sei, man allerdings die Umsetzungsmöglichkeit im Auge behalten müsse – wie die Fahrwege.

Der Herr der Türme

Drei Gebäude, über 400 Appartements und eine Eigentümer-Gemeinschaft. 44 Jahre hat sich Gerhard Kirner um die Wohnanlage in Sierksdorf gekümmert. Im Juli 2016 haben die LN seine Geschichte erzählt. In dieser kommt sogar ein lebender Affe vor.

 

Sebastian Rosenkötter

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