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Ostholstein Silvester: Timmendorf richtet feuerwerksfreie Zonen ein
Lokales Ostholstein Silvester: Timmendorf richtet feuerwerksfreie Zonen ein
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18:59 08.11.2019
Jede Menge Raketen und Böller: So sah es bisher Silvester an der Timmendorfer Seebrücke aus. Doch das soll sich in diesem Jahr ändern. Quelle: LN-Archiv
Timmendorfer Strand/Niendorf

Nachhaltigkeit, Umweltbewusstsein und Klimaschutz spielen ab sofort eine wichtige Rolle bei der Silvester-Planung in Timmendorfer Strand. Schon zum Jahreswechsel 2019/2020 richtet die Gemeinde an der Maritim-Seebrücke und an der Niendorfer Seebrücke feuerwerksfreie Zonen ein, in denen Böllern und Raketen-Abschießen verboten sind. Zwei von der Tourismus GmbH organisierte, zentrale und umweltfreundliche Feuerwerke mit Musik und Lasershow sollen die Feiernden erfreuen.

Jedes Jahr bleiben Tonnen von Müll zurück

„Was können wir schrittweise verändern?“ Diese Frage hätten sich die Verantwortlichen bei der Gemeindeverwaltung und der Timmendorfer Strand Niendorf Tourismus GmbH (TSNT) gefragt, berichtet Tourismuschef Joachim Nitz. Seit dem Jahr 2000 habe es sich eingebürgert, dass um die 10 000 Menschen am Timmendorfer Strand den Jahreswechsel feiern, „das ist eine der größten Veranstaltungen zu Silvester im Kreis Ostholstein“. Zurück blieben allerdings auch jedes Jahr Tonnen von Müll. „Außerdem erreichen uns erhebliche Beschwerden aus der Bevölkerung über die Böllerei“, ergänzt Michèl Soltmann, Leiter des Timmendorfer Ordnungsamtes.

Eine schöne Silvesterparty bieten und gleichzeitig die Umwelt schonen: Das wollen der Leiter des Timmendorfer Ordnungsamtes, Michèl Soltmann (l.), und Tourismuschef Joachim Nitz. Quelle: Sabine Latzel

Bereits verboten sind Feuerwerke zu privaten Anlässen, gezündet von Privatpersonen – außer an Silvester. „Eine Ausnahme sind Feuerwerke von Berufsfeuerwerkern auf Privatgelände“, erklärt Soltmann. Generell muss zudem ein Mindestabstand von 180 Metern zu reetgedeckten Häusern eingehalten werden, das Böllern im Umkreis von Kirchen und Seniorenheimen ist ebenfalls tabu. Jetzt kommen aber noch jeweils 150 Meter links und rechts der Seebrücken hinzu: In Timmendorf ist das der Strandabschnitt zwischen Maritim-Seehotel und Curschmann-Klinik, in Niendorf der zwischen Strandkorbvermietung Lender und Meerwasser-Hallenbad.

Sicherheitsdienst kontrolliert die Einhaltung des Verbotes

„Dort ist privates Böllern verboten“, sagt Joachim Nitz. Insgesamt seien um die 50 Sicherheitsleute im Einsatz, um die Einhaltung dieses Verbotes zu kontrollieren. „Sie werden regelmäßig auf den Flächen Streife laufen und diejenigen, die etwas abfeuern, des Geländes verweisen.“ Parallel dazu seien alle Feiernden aufgefordert, keine Böller und Raketen zu kaufen, sondern stattdessen die beiden inszenierten Feuerwerke zu genießen. Diese dauerten jeweils zehn Minuten, seien mit Lasershow und Musik verbunden – und dazu noch umweltverträglich. „Unser Berufsfeuerwerker garantiert Laser- und Pyromusicals ohne umweltbelastende Rückstände wie Plastik oder Feinstaub“, kündigt der Tourismuschef an. „Das bedeutet: null Müll, der in die Ostsee gelangt.“

So regeln es die anderen Küstenorte

Wie können wir umweltbewusst Silvester feiern? Diese Frage haben sich auch die Verantwortlichen in anderen Orten an der Küste Ostholsteins gestellt.

Grömitz setzt auf ähnliche Veränderungen wie Timmendorfer Strand. „Wir bieten in diesem Jahr an Silvester erstmalig ein Feuerwerk für unsere Gäste“, sagt Tourismuschefin Janina Kononov. „Parallel dazu gibt es auch eine Zone rund um den Seebrückenvorplatz, in der sowohl Feuerwerk selbst als auch die Mitnahme von Feuerwerkskörpern untersagt sind.“

In Heiligenhafen sei im Bereich des Strand-Resorts und der Hotels an der Seebrücke sowie auf dem Graswarder das Abbrennen von Feuerwerk untersagt, erklärt Touristikleiter Manfred Wohnrade. „Außerdem appellieren wir, wie in jedem Jahr, an unsere Gäste, auf eigenes Feuerwerk zu verzichten und sich stattdessen an dem zentralen Feuerwerk auf dem Binnensee zu erfreuen. Das schont die Umwelt und auch die Portemonnaies.“

Für Kellenhusen erklärt der dortige Tourismuschef Thorsten Brandt: „Die Gäste werden gebeten, auf Feuerwerkskörper zu verzichten und das Feuerwerk auf der Seebrücke inklusive der Lichtshow zu bewundern. Zukünftig werden wir unsere Lichtbrücke und Laser zu entsprechenden Anlässen priorisieren.“

Auf Fehmarn gebe es erneut ein zentrales Feuerwerk in Kooperation mit dem Ifa-Ferienpark am Südstrand, berichtet Tourismusdirektor Oliver Behncke. „Wir überlegen aber, für 2020 ein neues Format, unter anderem mit Lasershow, anzubieten. Hierzu bedarf es noch einiger Gespräche.“

In Scharbeutz, Haffkrug und Neustadt sind keine zentralen Feuerwerke geplant – und auch keine feuerwerksfreien Zonen. Allerdings verweisen die Verwaltungen auf das gesetzliche Abbrennverbot im Umkreis von Kirchen, Altenheimen und reetgedeckten Häusern. Es gilt zum Beispiel im Umkreis von 200 Metern um „De Ole Fischschuppen“ am Haffkruger Seebrückenvorplatz.

Diese Veränderung sei ein Testlauf, sagt Nitz. „Wir wollen Erfahrungen sammeln, wie das angenommen und diskutiert wird, denn dieses Thema ist emotional beladen.“ Timmendorfer Strand wolle den Tausenden Besuchern auf keinen Fall den Spaß verderben. „Silvester ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für den Ort, zwischen Weihnachten und Neujahr ist es hier rappelvoll, und natürlich möchten wir unseren Gästen etwas bieten.“ Gleichzeitig wolle man dem allgemeinen Wunsch nach Nachhaltigkeit mit einer friedlichen, zeitgemäßen Veranstaltung nachkommen.

Etwa 20 Prozent der Strandfläche bleiben böller- und raketenfrei

Wie das feuerwerksreduzierte Silvester ankommt, wolle man über das Sicherheitspersonal und die Vermieter im Ort im Anschluss erfragen. „Außerdem werden wir bestimmt zahlreiche Rückmeldungen über die sozialen Medien erhalten“, sind die Verantwortlichen bei TSNT und Gemeinde überzeugt. „Das ist ein Testlauf“, erklärt Nitz. Damit sei in diesem Jahr auf etwa 20 Prozent der Strandfläche das Böllern verboten, und auf 80 Prozent sei es erlaubt. „Vielleicht lässt sich dieses Verhältnis ja künftig umdrehen“, sagt der Tourismuschef.

Die Silvesterparty soll nichtsdestotrotz in gewohnter Munterkeit steigen, und zwar in diesem Jahr sogar an zwei Orten. Denn auch auf dem Niendorfer Balkon gibt es am Dienstag, 31. Dezember, bereits ab Mittag ein gastronomisches Angebot, und am Abend will dort ein DJ für Stimmung sorgen. Auf dem Timmendorfer Seeebrückenvorplatz gibt es bereits am Montag, 30. Dezember, von 12 bis 22 Uhr Speis und Trank, an Silvester natürlich auch – und dort heißt es dann auch „Silvester on the Beach“ mit dem Moderator Christopher Scheffelmeier und DJ Tobias Gellert.

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Von Sabine Latzel

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