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Ostholstein Skandal-Vortrag: AfD will Radikale loswerden
Lokales Ostholstein Skandal-Vortrag: AfD will Radikale loswerden
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09:32 21.10.2014
Der Bundesvorsitzende der Partei Alternative für Deutschland (AfD), Bernd Lucke, während des Landesparteitags in Bayern.
Der Bundesvorsitzende der Partei Alternative für Deutschland (AfD), Bernd Lucke, während des Landesparteitags in Bayern. Quelle: Armin Weigel/dpa
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Nach dem Skandal von Stockelsdorf (Kreis Ostholstein) fordert der schleswig-holsteinische Landesverband der Alternative für Deutschland (AfD) seinen stormarnschen Kreissprecher Dirk Helms „zum Rücktritt von jeglichen Parteiämtern“, auf. AfD-Bundesvorsitzender Bernd Lucke kündigte ein Parteiausschlussverfahren gegen das Mitglied an.


Helms hatte öffentlich behauptet, die Alliierten hätten die Gaskammern im KZ Dachau erst im Nachhinein gebaut, der Zweite Weltkrieg sei nicht von Hitler angezettelt worden, die heute stattfindende „Einnistung anderer Kulturen“ sei bedrohlich.

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Der 70-jährige Ahrensburger Unternehmer hatte in Stockelsdorf zum Thema „Deutsche Selbstwahrnehmung“ gesprochen. Aufgrund der Reaktionen versuchte sich die AfD – die von sich behauptet, keine Neonazis in den eigenen Reihen zu dulden – gestern in Schadensbegrenzung. Die Kieler Landtagsfraktionen reagierten mit Entsetzen auf den Vorfall. Unter dem Druck erklärte Helms am Abend seinen Rücktritt als AfD-Kreissprecher in Stormarn.

„Wir möchten uns in aller Form bei den Opfern des Nationalsozialismus entschuldigen“, ließen der AfD-Landesverband und die Kreisverbände Ostholstein und Stormarn gestern in aller Eile verlautbaren. Man distanziere sich „energisch“ von Aussagen, die nationalsozialistische Verbrechen verharmlosten.

Gleichzeitig wird die Einladung des umstrittenen Referenten verteidigt. „Wir haben Herrn Dr. Helms als honorigen und integren Mitstreiter für die Sache der Alternative für Deutschland kennengelernt.“ Er habe „aktiv am Aufbau der Partei mitgewirkt“. Helms sagte den LN: „Die Taten an den Juden möchte ich nicht schmälern. Aber wir sind unserer Vorgänger-Generation Aufklärung schuldig, wenn sie ungerechtfertigt zu einem Tätervolk wird.“

In seinem Vortrag hatte das AfD-Mitglied auch eine Überfremdung beklagt – am Beispiel eines europäischen Nachbarn. „Wenn Sie in Frankreich Urlaub machen, denken Sie, Sie sind in Afrika“, sagte Helms.

„Unfassbar rechts“, twitterte SPD-Landeschef Ralf Stegner. Den LN sagte Stegner: „Dass die AfD sich mit solchen Leuten umgibt, demaskiert sie.“ AfD-Bundeschef Bernd Lucke werde die Geister, „die er selbst in seine Partei rief, nicht mehr los“, erklärte Wolfgang Kubicki (FDP). Auch wenn die AfD öffentlich gerne etwas anderes behauptet: Die Stockelsdorfer Veranstaltung habe klar gezeigt, „wie groß die rechtsextremen Strömungen in dieser Partei sind“, sagte Petra Nicolaisen (CDU).

Durch den Referenten werde deutlich, „welch revisionistisches und geschichtsfälschendes Potenzial in der AfD schlummert“, verurteilten die Jusos Ostholstein den Vortrag. Die Leugnung des Holocausts sei als Volksverhetzung ein Straftatbestand, auf den eine ein- bis fünfjährige Haftstrafe steht, stellte Juso-Kreischef Jan-Marco Höppner fest. Eine formale Distanzierung der AfD reiche nicht aus, forderte der Grünen-Landesvorsitzende Peter Stoltenberg. Das Geschichtsbild Helms’ sei „schlicht unerträglich“.

Von C. Tönnemann und E.Vogt

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