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Ostholstein Nach tödlichen Badeunfällen: Braucht es mehr Warnhinweise?
Lokales Ostholstein Nach tödlichen Badeunfällen: Braucht es mehr Warnhinweise?
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06:33 31.07.2019
Trotz Wellen und starken Windes gingen am Sonnabend immer wieder Badegäste vor Scharbeutz ins Wasser. Quelle: Susanne Peyronnet
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Scharbeutz

Würden sich mit etwas mehr Aufwand Menschenleben retten lassen? Haben es Menschen, die trotz Badeverbots in die Ostsee gehen und ertrinken, nicht anders verdient? Solche Fragen werden in den Sozialen Medien in der Debatte um die zwei Schwimmer aufgeworfen, die am Sonnabend ums Leben kamen (die LN berichteten).

Vielen Menschen haben den Bericht auf den Facebook-Seiten von LN- Ostholstein und LN-Online kommentiert. Die Meinungen gehen auseinander. Die einen fordern mehr Eigenverantwortung und schimpfen auf dumme, unbelehrbare Menschen. Den anderen gehen die Warn-Maßnahmen nicht weit genug. Sie schlagen größere Flaggen und mehr Hinweise für Urlauber vor. Wir haben eine Auswahl an Reaktionen, zum Teil in Auszügen, zusammengestellt.

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Klicken Sie hier, um die wichtigsten Baderegeln zu sehen, die die DLRG empfiehlt – und die Bedeutung der Flaggen zu erfahren, mit denen die Retter an den Stränden signalisieren, ob das Baden gefahrlos möglich ist.

Leute aktiv ansprechen

Betti Mueller: „Im vergangenen Jahr sind die Rettungsschwimmer bei ähnlicher Wetterlage proaktiv über den Strand gelaufen, haben auf das Schwimmverbot hingewiesen und die Leute aufgefordert, nicht mehr ins Wasser zu gehen, oder das Wasser umgehend zu verlassen. Das habe ich am Wochenende an unserem Strandabschnitt nicht gesehen, was ich mit einem gewissen Unverständnis zur Kenntnis genommen habe. Viele Besucher haben keine Ahnung, was die rote Flagge bedeutet. Wäre es nicht besser, aktiv die Leute aus dem Wasser zu holen, bevor es zu spät ist?“

Auch am Sonntag wehte am Strand von Scharbeutz die rote DLRG-Flagge. Quelle: Susanne Peyronnet

Manuel Horn:

Infoflyer für alle Touristen

Jennie Be: „Vielleicht sollte man jeder Ostseecard einen kleinen Aufklärungsflyer beilegen, was die Flaggen bedeuten. Und auch ruhig die gefährliche Kammern erwähnen. Es gibt noch immer reichlich Leute, die das nicht wissen.“

Christian Neef: „Also wir waren am Samstag in Scharbeutz. Waren auch im Wasser. Von einem Badeverbot habe ich erst abends via Internet erfahren. Da war keine Flagge zu sehen am Strand. Am Sonntag hingegen in Timmendorf steckten die Flaggen am Wasser im Sand. Sehr gut sichtbar!“

Jądruś Manthey: „Bei roter Flagge sollten die Helfer einfach ihren Dienst einstellen. Wer trotzdem reingeht, ist selbst schuld.“

Jutta Boye: „Ich denke, dass manch einer gar nicht weiß, was die rote Flagge bedeutet. Was ich aber nicht verstehen kann, warum man den Bereich der Kammer nicht sperrt oder Warnschilder im Wasser aufstellt. Es hat dort schon so viele Tote gegeben.“

Viele Menschen ignorieren Warnungen

Heike Donau: „Stehen an den Stränden nicht solche Schilder, was was bedeutet? Ist nicht oft genug in den Medien gewarnt worden? Haben wir nicht regelmäßig Ostwind an der Küste und ist es nicht jedes Mal so ein Theater, wenn Badewetter angesagt ist? Aber klar, es ist ja viel leichter, alles zu verriegeln, statt sein Hirn einzuschalten. Nicht zu vergessen: An den Stränden, wo extra mit einem Megafon zusätzlich Warnungen ausgesprochen wurden, waren dann nur Taube unterwegs.“

Tina Merz: „Infoblätter herstellen und jedem einzelnen zusammen mit der Kurkarte aushändigen.“

Nicole Weidemann: „Es ist traurig, aber jedes Jahr dasselbe. Die Ostsee ist nicht erst seit gestern so wie sie ist da. Die Menschen sind unaufmerksam und ignorieren ihre Natur und manchmal ist der Preis hoch dafür.“

Größere Flaggen, zusätzliche Schilder

Doris Krakow: „Bessere Aufklärung wäre wichtig, denn viele wissen immer noch nicht was die Fahnen bedeuten. Ich wusste es bis vor ein paar Tagen selber nicht, jedoch finde ich sie viel zu klein. Schilder sollten zusätzlich auch angebracht werden und die Leute aus dem Wasser gepfiffen werden, um denen mal zu erklären was sie falsch machen. Ein Absperrband könnte man vielleicht auch noch ziehen, um auf Nummer sicher zu gehen. Klar ist das Arbeit aber besser dann als sie von ganz weit hinten aus dem Wasser zu holen.“

Christian Müller: „Für sein Leben ist jeder selber verantwortlich. Dazu gehört auch, dass man sich selber über die Gegebenheiten vor Ort informiert oder einfach fragt, wenn einem zum Beispiel die Flaggen unbekannt sind.“

Viele Urlauber wissen es halt nicht

Markus Mattersberger: Ich finde auch, dass die Fahnen viel zu klein und teilweise nicht gut zu sehen sind. Viele wissen es einfach nicht, was die Flaggen bedeuten. Meine Nachbarn in Scharbeutz kommen aus Köln und sind etwa drei mal im Jahr hier. Auch die waren bei roter Flagge im Wasser und sagten, wie toll es war. Ich habe denen erklärt, was die Flagge bedeutet und dass wir nie im Leben bei roter Flagge ins Wasser gehen. Sie waren sehr erschrocken, weil sie keine Ahnung hatten, in welcher Gefahr sie waren. So geht es vielen Urlaubern. Sie wissen es halt nicht.“

Eigenverantwortlich informieren

Bianca Gerken: „Vielleicht einfach mal auf die Schilder gucken, die die Flaggen erklären. Wie viel soll man den Leuten denn noch abnehmen? Am besten noch jeden Strandbesucher persönlich begrüßen, oder was? Es gehört doch zur Eigenverantwortung, sich darüber schlau zu machen, ob gerade Badewasser ist. Und einer der Toten war auch noch Surfer. Gerade die sollten es wissen. Und wer schon mal bei roter Flagge am Strand war, kennt das: Die DLRG weist die Leute aufs Badeverbot hin, dreht sich um und die Leute gehen rein. ,Ich habe für den Urlaub bezahlt.’ Originalaussage, mehrfach gehört.“

Silvia Lange: „Ich kann absolut nachvollziehen, dass nicht jeder Urlauber weiß, was die roten Flaggen bedeuten. Ich bin aber auch der Meinung, dass am Strand anwesende Leute diejenigen, die ins Wasser gehen wollen, auch freundlich darauf hinweisen könnten, dies besser nicht zu tun, anstatt vielleicht nur kopfschüttelnd zuzugucken!“

Menschen werden immer idiotischer

Mare Tim: „Wenn ich das schon lese: Flaggen zu klein, DLRG-Türme zu weit auseinander – es hat doch sonst auch funktioniert. Die Menschen der heutigen Gesellschaft werden immer idiotischer, immer selbstherrlicher, immer besserwisserischer, immer pöbelnder, immer asozialer. Diese maßlose Selbstüberschätzung und das Hinwegsetzen über Regeln, Vorschriften, Gesetze – ,Wozu einhalten, ich kann’s besser’ – nervt maßlos, bringt unschuldige Menschen, die retten wollen, in große Gefahr. Was ist bloß mit der Menschheit los? Alle verstrahlt?“

Mehr dazu auf der Facebookseite von LN-Ostholstein:

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