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Ostholstein So steht es um die Windkraft in Ostholstein
Lokales Ostholstein So steht es um die Windkraft in Ostholstein
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15:47 04.10.2019
Wie geht es in Ostholstein mit der Windkraft weiter? Quelle: LN-Archiv
Ostholstein

Zur Stromversorgung leistet die Windenergie den größten Beitrag unter den erneuerbaren Energien und gilt als tragende Säule der Energiewende. Auch Ostholstein trägt seinen Teil dazu bei und ist die fünfte Kraft unter den Kreisen und kreisfreien Städten im Land. In diesem Jahr sind bislang aber gerade einmal zwei neue Windanlagen hinzugekommen, in ganz Schleswig-Holstein sind es insgesamt sechs.

Was hat der Kreis an Windkraft zu bieten?

Im Jahr 2018 wurden im Kreis 14 Anlagen neu errichtet. Die meisten entstanden in einem neuen Windpark bei Neuratjensdorf (Gemeinde Gremersdorf). Hinzu kamen fünf in Schashagen und eine in Grömitz. Danach sind jetzt in Ostholstein 318 Windkraftanlagen (WKA) in Betrieb. Sie haben eine durchschnittlichen Nabenhöhe von 69 Metern, die Spanne liegt zwischen 48 und 108,5 Metern.

Der Großteil steht mit mehr als 80 Anlagen auf der Insel Fehmarn, dahinter liegt Schashagen mit 28 „Mühlen“, in den Gemeinden Grömitz, Riepsdorf und Göhl sind es um die 20 Windräder. Etwas weniger drehen sich beispielsweise in Ratekau oder Süsel. Insgesamt haben 25 Kommunen Anlagen auf ihrem Gebiet. Die Windkraftanlagen in Ostholstein liefern dabei 558,8 Megawatt an Leistung, auch hier gibt es große Unterschiede, einige liefern nur 500 Kilowatt, andere bis zu 4,2 Megawatt.

Wie ist diese Situation zu bewerten?

Energiewendeminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) hatte im Juli das Tempo beim Ausbau bemängelt. War Schleswig-Holstein bis vor einigen Jahren bundesweit Vorreiter, rangiert das Land mittlerweile auf Platz sechs, deutlich hinter dem neuen Spitzenreiter Niedersachsen. Nach dem Erlass eines Moratoriums 2015 durch die damalige Landesregierung, der den Windkraftausbau über Ausnahmeverfahren regeln sollte, sind Neugenehmigungen zurückgegangen. Richtig eingebrochen ist die Zahl 2017 (56 zu 433 in 2014). Bis August gab es in diesem Jahr landesweit nur noch 18. Genehmigungen erhielten in Ostholstein sieben Anlagen in Wangels sowie vier in Riepsdorf-Koselau.

Dass diese sich so bald drehen werden, ist nicht zu erwarten, auch wenn das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume hier von „vor Inbetriebnahme“ spricht. Denn das bedeutet nicht, dass überall schon gebaut werden kann, wie es bereits in Schönwalde der Fall ist. Mit dem dortigen neuen Windrad und zwei Anlagen in Ahrensbök sind es 14 Windräder im Kreis, die mit dem Status „vor Inbetriebnahme“ in den Datenbanken des LLUR festgehalten sind. Sie sollen zusammen mal weitere rund 41 Megawatt an Leistung bringen.

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Was bringen die Kritiker vor?

In Riepsdorf-Koselau sind laut Windkraftkritiker Holger Diedrich aus Gosdorf die Genehmigungen bestandskräftig geworden und könnten Ende 2020 nach Abbau des Drehfunkfeuers der Deutschen Flugsicherung in Michaelsdorf bei Heringsdorf gebaut werden. Die Betreiber müssten sich aber zunächst an den bundesweiten Ausschreibungen beteiligen, erläutert Diedrich. Eine Klage nach Inbetriebnahme – beispielsweise wegen Lärmüberschreitung – wäre aber weiterhin möglich. Doch auch schon im Vorfeld des Baus soll der Windkraft Einhalt geboten werden. So kämpft der BUND für den Schwarzstorch in Wangels und hat Widerspruch eingelegt. 

Wie sehen die Windmüller die Lage?

Ein anderer Punkt, der die Windmüller beschäftigt, ist die Situation rund um die Firma Senvion. Der Windenergiekonzern ist insolvent und soll zerschlagen werden. Damit einhergehend wird bereits schon vom Niedergang der Windbranche gesprochen. „Die Firmen haben große Probleme, bekommen keine Aufträge, da es bedauerlicherweise mit dem Ausbau nicht weitergeht“, sagt Klaus Klinckhamer, einer der Geschäftsführer der Windpark Neuratjensdorf Rossee GmbH & Co. KG. Erst im vergangenen Jahr konnten sie selbst ihren Windpark in Gremersdorf nach fünf Jahren Wartezeit weiterbauen. „Für die Windkraft ist die derzeitige Lage nicht gut. Es muss politischer Druck gemacht werden.“

Wie geht es in Ostholstein weiter?

Das Moratorium wurde in diesem Jahr bis zum 31. Dezember 2020 verlängert. Das bedeutet, dass weiterhin nur Ausnahmen erteilt werden können. Im Genehmigungsverfahren befinden sich 129 Anlagen für Ostholstein. 55 liegen dabei in den Wind-Vorranggebieten, die im zweiten Entwurf der Regionalplanung im Vorjahr festgelegt wurden. Viele befinden sich aber außerhalb und könnten keine Genehmigung mehr bekommen, 59 davon sollen dennoch vertieft geprüft werden.

Ein Problem bekommen die Betreiber, wenn von 2021 an die ersten Windräder, die von 2001 an in Betrieb gegangen sind, aus der Förderung fallen. Wer Strom in das Netz der öffentlichen Versorgung einspeist, erhält dafür eine festgelegte Vergütung aus der Umlage des Erneuerbare-Energie-Gesetzes (EEG). Das Ende der Zahlungen könnte zum Abbau führen, da die Windräder dann nicht mehr wirtschaftlich sind.

Welche Maßnahmen werden getroffen?

Mehr Power scheint gefragt. In den Genehmigungsanträgen ist zu beobachten, dass landesweit die Dimensionen der Anlagen erheblich steigen sollen. Vier Megawatt wird Standard, sogar 7,5 Megawatt-Anlagen sind geplant. Im Kreis Ostholstein sind Planungen in Süsel im Gange, die von sechs Megawatt Leistung, 122,5 Meter Nabenhöhe und 155 Meter Rotordurchmesser sprechen. Dies geht aus den Aufzeichnungen des LLUR hervor.

Von Markus Billhardt

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