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Ostholstein So will die Grundschule in Süsel das Gewaltproblem lösen
Lokales Ostholstein So will die Grundschule in Süsel das Gewaltproblem lösen
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11:11 30.05.2019
Die Kinder der Grundschule Süsel haben mitgeholfen, ein neues Konzept für die Schulsozialarbeit zu entwickeln. Quelle: Binder
Süsel

Mehr Toleranz, mehr Höflichkeit, mehr Harmonie: Die Grundschule Süsel reagiert mit einem umfangreichen Präventions-Konzept auf Konflikte mit aggressiven Schülern. Rektorin Swantje Popp-Dreyer hatte zuletzt vor einer „zunehmenden Gewaltbereitschaft“ unter den Kindern gewarnt, woraufhin die Gemeinde mehr Schulsozialarbeit genehmigte. Neue Angebote und eine stärkere Einbindung der Schüler sollen jetzt helfen, die Stimmung an der Schule zu verbessern.

Ein Schwerpunkt ist ein Projekt gegen Mobbing, bei dem die Kinder lernen, eigene Grenzen zu setzen und die Grenzen der anderen zu wahren. Hier liege häufig ein Kernproblem in Bezug auf Aggressionen, wie Silke Hüttmann vom Kinderschutzbund schon im Schulausschuss erläutert hatte. Sie sprach von „rahmenlosen Kindern“, die sogar auf Lehrer losgingen.

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Schüler übernehmen Verantwortung

Eine stärkere Identifizierung mit der Schule und ihren Werten soll nun helfen. Unter anderem wurde ein Kinderrat gegründet, der fortan mit über Neuerungen bestimmen darf. Das Gremium aus 16 Grundschülern (zwei aus jeder Klasse) soll Vorschläge erarbeiten, wie der Schulalltag verbessert werden kann. Als erstes geht es aktuell beispielsweise um die Gestaltung des Schulhofs und die Sportgeräte in der Turnhalle.

„Einmal im Monat setzen wir uns dann mit der Schulleitung zusammen und überlegen, welche Ideen wir umsetzen können“, erzählt Schulsozialarbeiterin Michelle Karbon vom Kinderschutzbund. Viele Eltern hätten direkt signalisiert, dass sie auch bereit wären, für einzelne Projekte zu spenden. Dass sich dennoch nicht jeder Wunsch sofort erfüllen lasse – diese Lektion könnten die Schüler gleich mit lernen, sagt Michelle Karbon, genau wie das Prinzip der Demokratie.

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Bei den Kindern kommt das Plus an Verantwortung gut an. „Ich finde es toll, dass wir mitentscheiden können“, sagt etwa Frida (10). Sie wolle auch etwas für zukünftige Schüler verbessern: „Mein kleiner Bruder kommt nächstes Jahr zum Beispiel auch hier an die Schule.“

Kinder als „Pausenengel“ und Konfliktlotsen

Die Viertklässlerin selbst ist nicht nur Mitglied im Kinderrat, sondern hilft ihren Mitschülern als Konfliktlotsin auch dabei, Streitigkeiten zu schlichten. Wichtig sei in solchen Fällen zunächst, „dass beide erzählen dürfen und die anderen aufmerksam zuhören“, erklärt die Zehnjährige. Anschließend werde gemeinsam eine Lösung gefunden. „Später gibt es dann noch mal einen Termin, um zu gucken, ob alles geklappt hat.“

16 Konfliktlotsen gibt es aktuell an der Grundschule. Projekte wie diese würden dabei helfen, den Schülern ein Verantwortungsgefühlt zu vermitteln und ihnen die gemeinsamen Werte – wie Höflichkeit und Toleranz – näherzubringen, erläutert Michelle Karbons Kollege Nils Küssner. Deshalb sollen nach den Sommerferien weitere ähnliche Aktionen starten: „Pausenengel“ sollen dann mit Kühlpacks und Pflastern auf dem Schulhof unterwegs sein und Drittklässler können neuen Erstklässlern als Paten die Schule zeigen. Mit Unterstützung der Bäckerei Schacht und der Tafel Eutin wird ab sofort zudem einmal die Woche ein gemeinsames Frühstück für alle Kinder angeboten.

Bürgermeister zuversichtlich, dass die Gewalt abnimmt

Süsels Bürgermeister Adrianus Boonekamp (CDU) – der sich jetzt vor Ort ein Bild von den Neuerungen machte – ist zuversichtlich, dass die verstärkte Prävention bald eine positive Wirkung zeigen wird. „Ich hoffe, dass künftig alle Kinder von der Schulsozialarbeit profitieren“, sagt er, „und dass sich dadurch an der Schule vieles ändern wird.“ Die Gemeinde werde das Geschehen „mit Argusaugen beobachten“, kündigt er an. Er sei jedoch guter Dinge, dass die Projekte Erfolg haben würden „und wir dann auch aus den negativen Schlagzeilen rauskommen“.

Jennifer Binder

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