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Ostholstein Solidarisch in der Krise: Wie sich die Menschen in Ostholstein gegenseitig helfen
Lokales Ostholstein Solidarisch in der Krise: Wie sich die Menschen in Ostholstein gegenseitig helfen
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08:00 22.03.2020
Überall in Ostholstein gibt es freiwillige Helfer und Initiativen. Schülerin Martje Kieb (19) bietet in Lensahn ihre Unterstützung an. Quelle: Luisa Jacobsen
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Ostholstein

Das Coronavirus breitet sich aus – und der Zusammenhalt wächst. In vielen Orten Ostholsteins haben sich in den vergangenen Tagen Gruppen zur Nachbarschaftshilfe gebildet, Kirchengemeinden, Vereine, Verbände, Kommunen und auch das Gewerbe organisieren Unterstützungsangebote für Menschen, die durch das Virus besonders gefährdet sind. Die Ansätze sind ganz unterschiedlich.

Lensahn: Ein Haushalt kümmert sich um einen anderen

In Lensahn stellt die Kirchengemeinde gerade eine Eins-zu-Eins-Betreuung für Hilfsbedürftige auf die Beine. „Ein Haushalt kümmert sich dabei um einen anderen Haushalt, beziehungsweise einen hilfsbedürftigen Menschen“, erklärt Ulrike Rasch, Diakonin bei der Gemeinde.

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Einkäufe können dann direkt telefonisch mit dem Partner-Haushalt besprochen werden. Die Einkäufer hängen sie dann mit einer Rechnung versehen an die Haustür. Bereits zwölf helfende Haushalte – darunter viele junge Leute – hat Ulrike Rasch schon gefunden.

Eine davon ist die Schülerin Martje Kieb (19), die nun frei hat und helfen möchte. „Ich finde es wichtig, jetzt Menschen zu unterstützen, die zu den Risikogruppen gehören und vielleicht keine Familie in der Nähe haben, die sich um sie kümmern“, sagt sie. Erreichbar ist die Hilfe-Hotline von 10 bis 17 Uhr unter Telefon 01 73/ 146 29 10.

Großenbrode: Bauhofmitarbeiter bringen Lebensmittel

In Großenbrode bringt sich hingegen die Gemeinde selbst ein. Auf dem Bauhof stehen dort ab sofort zwei Mitarbeiter und ein Fahrzeug zur Verfügung, um den kostenlosen Lieferservice der zwei Einkaufsmärkte (Nahkauf und Edeka) im Ort unter die Arme zu greifen.

„Wir als Gemeinde haben überlegt, was wir neben der Umsetzung all der Verordnungen und Erlasse machen können, um den Bürgern zu helfen“, sagt Bürgermeister Jens Reise (CDU). Er sei dabei für konsequentes Handeln. „Wir möchten, dass Senioren, Schwache und Kranke zu Hause bleiben und die Angebote nutzen“, sagt Reise. Nicht, dass sonst doch noch die Ausgangssperre komme.

Seine Mitarbeiter seien innerhalb weniger Minuten einsatzbereit. „Wir haben das Werkzeug aus dem Auto gepackt, es gesäubert und einen neuen Boden reingelegt. Bei Bedarf können wir jetzt in Aktion treten“, sagt Bauhofleiter Roland Bruhse.

Der Bauhof in Großenbrode und die Lebensmittelmärkte im Ort packen es gemeinsam an: Martina Köhn (Edeka), Marc Dittmer vom Bauhof, Nahkauf-Marktleiterin Bianka Ott, Fahrer und Bauhofleiter Roland Bruhse und Bürgermeister Jens Reise (v. r.). Quelle: Billhardt

Awo in Kellenhusen koordiniert Hilfen

Ebenfalls fleißig am Organisieren und Koordinieren von Hilfen ist die Awo in Kellenhusen. Unter dem Titel „Wir machen das zusammen“ hat der Ortsverband Plakate erstellt, die unter anderem auf einen kostenfreien Lieferservice von Nahkauf Schlüter hinweisen. „Bisher hatten wir keinen Lieferservice“, erzählt Denis Schlüter. Spontan habe er den nun für die drei Märkte – so auch Neustadt und Pelzerhaken – auf die Beine gestellt.

„Ich bin sehr überrascht, wie intensiv der Zusammenhalt ist“, sagt Schlüter, der auch noch ein weiteres Zeichen der Solidarität setzt: Kunden, die durch die Krise in finanzielle Notlage geraten, können notfalls anschreiben.

Für Anliegen anderer Art – werden zum Beispiel Medikamente aus der Apotheke benötigt – können sich Hilfesuchende an den Kellenhusener Awo-Vorsitzenden Klaus Eckstein (Telefon 043 64/81 19) oder an Margitta Bruhn (04364/713 44 35) wenden. In Zusammenarbeit mit Gemeinde und Kirche baut die Awo einen Pool aus Freiwilligen auf, die bei Bedarf helfen.

Klaus Eckstein und Margitta Bruhn von der Awo Kellenhusen koordinieren Helfer und Hilfesuchende. Quelle: Luisa Jacobsen

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Pfadfinder organisieren Einkäufe

In Grube sind die Pfadfinder des Stammes der „Geusen“ aktiv geworden. „Personen, die sich nicht mehr selbst versorgen können oder sollten, können die Pfadfinder um Unterstützung zu bitten“, erzählt der Leiter Andreas Dons. Unter Telefon 043 64/88 15 könne der Besorgungswunsch aufgegeben werden. Die Pfadfinder würden den ehrenamtlichen Dienst dann als Schutzmaßnahme ohne persönlichen Kontakt ausführen.

In der Gemeinde nebenan hat sich die Gruppe „Dahmer helfen Dahmern“ gefunden. „Das ist nicht selbstverständlich, sondern zeigt, wie sehr wir zusammenhalten“, sagt Dahmes Tourismusleiterin Ulrike Dallmann. Die Anwohnerin Sarah Grimm hatte über Facebook einen Aufruf gestartet. Mittlerweile haben sich dadurch 20 Leuten zusammengefunden, die in Kooperation mit dem Kaufhaus Puck Besorgungen für betroffene Einwohner erledigen. Neben Einkäufen hätten sie auch schon Essen von Restaurants verteilt, die jetzt nicht mehr geöffnet sein dürfen. „Es läuft Hand in Hand – echt klasse“, sagt Grimm.

Viele Menschen vernetzen sich in Facebook-Gruppen

Gruppen wie „Dahmer helfen Dahmern“ bilden sich auch verstärkt auf Facebook. In Nachbarschaftshilfe Malente oder Nachbarschaftshilfe Eutin vernetzen sich Privatpersonen, um einander zu unterstützen. Auf der Insel Fehmarn wurde eine Gruppe „Der Norden hält zusammen“ eingerichtet. Auch die Lübecker Nachrichten haben eine Gruppe eingerichtet, in der sich Helfer und Helfende austauschen können.

Um auch Menschen zu erreichen, die kein Facebook haben, hat sich die Nachbarschaftshilfe Malente dazu noch etwas Besonderes einfallen lassen: Wer sich Unterstützung wünscht, kann sich diesen Zettel ausdrucken und an Tür oder Briefkasten kleben.

Nachbarn sind aufgerufen auf die Hilfswünsche zu achten. Alternativ können sich Menschen, die helfen wollen, und Menschen, die Hilfe suchen, mit der Koordinatorin Miranda Krützfeldt in Verbindung setzen- sie ist von 9 bis 12 Uhr und 15 bis 17 Uhr telefonisch unter 04523/20 06 37 zu erreichen.

Wer sich Unterstützung wünscht, kann sich diesen Zettel ausdrucken und an Tür oder Briefkasten kleben. Quelle: HFR

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Von Luisa Jacobsen und Markus Billhardt