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Ostholstein Baumkontrolle in Eutin: Hündin „Fay“ erschnüffelt Schädlinge
Lokales Ostholstein Baumkontrolle in Eutin: Hündin „Fay“ erschnüffelt Schädlinge
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09:57 27.10.2019
Manfred Bellin und „Fay“ sind ein eingespieltes Team. Die Bearded Collie-Hündin ist ausgebildete „Gehölzpathogen- und Artenschutzspürhündin“. Quelle: Ulrike Benthien
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Eutin

Sie lässt ihn nicht aus den Augen. Von der Autorückbank aus verfolgt „Fay“ den im Laderaum hantierenden Manfred Bellin. Er ist Gärtnermeister, Europäischer Baumtechniker und Baumkontrolleur aus Lübeck und bereitet gerade einen Einsatz für seinen Bearded Collie vor. Die fünf Jahre alte, temperamentvolle Hündin ist „Gehölzpathogen- und Artenschutzspürhündin“: Sie kann Pilze, die Bäume zersetzen und seltene Käfer oder Fledermäuse erschnüffeln. Ihre Fähigkeit unterstützt vor allem Naturschutzbehörden, die dank ihr wissen, welcher Baum gefährdet und welcher besonders schützenswert ist. Am Weberhain in Eutin hat sie zum Beispiel seltene Eremiten-Käfer in alten Eichen entdeckt.

Manfred Bellin und seine Hündin sind ein eingespieltes Team: Schon mit 20 Monaten war „Fay“ als „Gehölzpathogenspürhündin“ ausgebildet und bereit, auf die Suche nach Schädlingen in Bäumen zu gehen. Sie gehörte damals zu den ersten vier Hunden in Deutschland, die diesen Titel erwarben. Eine Baumsachverständige in Bergen/Dumme (Niedersachsen) hat sich auf diese Ausbildung spezialisiert.

Das Video zeigt Hündin „Fay“ im Einsatz

Bearded Collies wollen beschäftigt werden

Die Arbeit mit „Fay“ vereint für Manfred Bellin seine Liebe zu Hunden und zu seinem Beruf. In einer Fachzeitschrift hatte er vor Jahren einen Artikel über die Möglichkeit gelesen, Hunde für diese besondere Aufgabe zu schulen. „Das wär’ mal was, habe ich damals gedacht“, erzählt er. Als der Lübecker sich einen neuen Hund zulegte und sich dabei für einen Bearded Collie entschied, waren die Voraussetzungen günstig: „Diese Rasse ist äußerst plietsch, kernig und wach. Die Tiere sind Hüte- und Treibhunde. Sie brauchen eine Aufgabe, sonst machen sie einen verrückt“, sagt er. Von Natur aus habe die Rasse eine feine Nase. „Und sie haben Lust, mit Menschen zu arbeiten.“

Die feine Nase erkennt verschiedene Fledermausarten

Spielerisch habe er „Fay“ als Junghund an ihre Aufgaben herangeführt. Es folgten ein Jahr intensives Üben und die Prüfung im niedersächsischen Dumme. „Irgendwann ist es im Hund drin“, erzählt Manfred Bellin. Über „Fay“ sagt er salopp: „Sie ist inzwischen schon ziemlich abgebrüht.“ Die Hündin ist nach Fortbildungen auch Artenschutzspürhund geworden. „Sie kann Fledermäuse aufgrund ihrer artspezifischen Gerüche auseinanderhalten“, sagt ihr Besitzer nicht ohne Stolz. Jedes Jahr fährt er mit „Fay“ für vier Tage nach Dumme, um ihr Zertifikat zu verlängern. „Sie muss dort richtig ’ran und zum Schluss eine Prüfung ablegen“, schildert Manfred Bellin.

Der Bearded Collie und Herrchen Manfred Bellin, Baumkontrolleur aus Lübeck, werden aus ganz Deutschland angefordert.

Um „Fay“ zu trainieren, hat der Baumexperte „Heiligtümer zusammengetragen“, wie er lachend erzählt. Es sind Gewebeproben von Käfern, Fledermäusen, Pilzen, die ihm Naturschutzbehörden, Biologen und Forstleute überlassen. Die Proben werden in Gläsern aufbewahrt, diese obendrein in Kunststoffbeutel mit Zipp-Verschluss gesteckt. In den Gläsern liegen auch Wattepads. Nur diese bekommt die Hündin vor einem Einsatz hingehalten, Bellin entnimmt sie, mit Einmalhandschuhen ausgestattet, vorsichtig aus Tüten und Gläsern. Denn der Geruch der „Heiligtümer“ darf nicht mit anderen Düften vermischt werden.

Sondergenehmigung für manche Proben

Manche Proben darf Manfred Bellin nur aufgrund seiner Tätigkeit zu Hause aufbewahren. „Das sind beispielsweise Teile eines streng geschützten Käfers, etwa ein Bein oder ein Brustpanzer eines Eremiten“, erklärt Regina Strunk von der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Ostholstein. Bellin benötige dafür eine Erlaubnis vom Land. Denn auch eine solche Probe unterliege dem Besitz- und Vermarktungsgebot. „Dafür gibt es einen Markt ähnlich dem Drogenmarkt“, sagt Joachim Siebrecht, Fachdienstleiter Naturschutz beim Kreis.

Das alles ist „Fay“ egal. Erblickt sie die Tüten und Gläser, wird sie unruhig und möchte loslegen, sich durch den Wald schnüffeln, bis sie an einem Baum den ihr mit der Probe vorgehaltenen Geruch wiederentdeckt. Ist das der Fall, legt sie sich vor den Baum und bellt. Sitzt ein in dem Baum vermuteter Käfer weiter oben, kann es sein, dass sie auch mal am Stamm hochspringt und bellt. „Nimmt sie den gesuchten Geruch innerhalb einer Baumgruppe wahr, hat also einen Geruchspool, bleibt sie in der Mitte sitzen und zeigt mir an: Hier ist was“, sagt Manfred Bellin.

Hunde haben Millionen von Riechzellen

Mit ihrer überaus feinen Nase – ein Hund hat 125 bis 220 Millionen Riechzellen, der Mensch dagegen fünf Millionen – erfasst der Bearded Collie Gewebemoleküle von Käfern oder Fledermäusen, die von einem Baum herabgesegelt sind, oder aus dem Stammfuß heraus diffundierte Gerüche. Die Arbeit dieser speziellen Spürhunde hilft Naturschutzbehörden, das Vorkommen seltener Arten (Eremit oder Heldbock, eine ebenfalls streng geschützte Käferart) in Bäumen nachzuweisen. Und sie unterstützt sie bei der Beurteilung der Stand- und Bruchsicherheit von Eichen, Buchen und Co. Vermuten die Experten einen Schädling, der im Inneren oder in der Wurzel sitzt und die Standsicherheit des Baumes gefährdet (Flacher Lackporling, Riesenporling, Brandkrustenpilz), kann ein Gehölzpathogenhund ihnen die Bestätigung liefern.

Ein standorttreuer Käfer

Der Eremit gehört zu der Familie der Rosenkäfer. Er ist streng geschützt. Der Käfer lebt wie die engerlingsartigen Larven in Mulmhöhlen von beispielsweise Eichen, Linden, Kopfweiden und Kastanien.

Ihrem Brutbaum bleibt eine Population größtenteils treu. Laut Untersuchungen in Schweden sollen bis zu 85 Prozent dauerhaft in ihrem Brutbaum bleiben. Damit ist die Gefahr groß, beim Fällen eines Baums den gesamten darin lebenden Bestand zu vernichten. Ein zu fällender Baum, für den die Möglichkeit besteht, dass in ihm Eremiten leben, ist deshalb von Experten sorgfältig zu untersuchen.

Joachim Siebrecht und Regina Strunk sehen den Einsatz von „Fay“ als eine „schonende Untersuchung“ alter Bäume. Sie haben das Lübecker Duo zur Kontrolle des Bestandes am Weberhain und eines Baums in Malente engagiert. „Der Hund schlägt bei Dingen an, die der Mensch nicht sieht“, sagt Siebrecht. Vorteil für seine Behörde: Sie kann schneller und spezieller handeln. Signalisiert der Spürhund einen Schädling, wird sofort die Verkehrssicherheit des betreffenden Baums überprüft. Zeigt „Fay“ einen geschützten Käfer an, erfolgen weitere Untersuchungen des Baums sehr viel behutsamer.

Großer Sucheinsatz in Berlin-Reinickendorf

„Fays“ Fähigkeiten haben sie und Manfred Bellin schon durch ganz Deutschland geführt. Einer ihrer jüngsten Einsätze war im Berliner Bezirk Reinickendorf. „Dort haben wir gemeinsam mit zwei anderen Hunden und ihrer Besitzerin über 40 Hektar Fläche auf geschützte Arten hin abgesucht“, sagt der Baumkontrolleur. „Fay“ und Manfred Bellin haben etliche Funde gemacht.

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Von Ulrike Benthien

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